Wille - Damit der letzte Wille geschehe (Beispielbild: iStock)
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Wille – Damit der letzte Wille geschehe

Sich Gedanken über den Tod und den eigenen Nachlass zu machen ist ein ebenso schwieriger wie notwendiger Prozess. Dieser soll nicht umsonst stattfinden – wenn Sie sich Ihren letzten Willen gebildet haben, möchten Sie sicherlich, dass dieser auch Ihren Vorstellungen entsprechend umgesetzt wird. So können Sie dies sicherstellen:

Artikel verfasst von Bernhard Gerstl, B.A. HSG in Law & Economics am
21. April 2020

Muss er korrekt kundgetan werden

Damit Ihr letzter Wille als solcher erkenntlich und verbindlich ist, gibt es unterschiedliche Formen, derer Sie sich bedienen können und entsprechende Voraussetzungen, die Sie beachten müssen.

Die klassische Verfügung von Todes wegen ist das Testament. Es ist eine einseitige Anordnung des Erblassers, wie im Todesfall mit seinem Hab und Gut zu verfahren ist. Per Testament können Sie frei über Ihre verfügbare Quote bestimmen, also gesetzlichen Erben mehr oder – bis auf den Pflichtteil – weniger zukommen lassen oder gewillkürte Erben einsetzen. Sie können auch Vermächtnisse ausrichten oder unter Umständen Personen gänzlich enterben.

Das Testament kann entweder eigenhändig oder öffentlich beurkundet, in Ausnahmefällen auch mündlich, verfasst werden. Welche Form zu empfehlen ist, hängt von den Umständen, insbesondere den Anforderungen an die Rechtssicherheit und Beratung angesichts der Komplexität des Sachverhalts, der Vermögens- und Familienverhältnisse, ab. Für einfache Fälle empfiehlt sich das flexibel abänderbare handschriftliche Testament, in unübersichtlichen Situationen kann sich eine notarielle Beratung und Beurkundung besser eignen.

Ein Notar wird auch benötigt, wenn Sie mit einem Erben einen Erbvertrag abschliessen möchten. Das Gesetz schreibt zudem die Beurkundung des Vertrags durch zwei Zeugen vor und lässt zu, ihn mit einem Ehevertrag zu kombinieren.

Mittels positivem Erbvertrag können Sie jemandem eine Erbschaft oder ein Vermächtnis ausrichten, mit dem negativen Erbvertrag unentgeltlich (Erbverzicht) oder für eine Gegenleistung (Erbauskauf) Erbansprüche – auch über Pflichtteile – einvernehmlich wegbedingen. Dieses Instrument eignet sich bspw. gut, um Erbvorbezüge von Nachkommen klar zu regeln.

Die Verfügungen von Todes wegen entfalten ihre Wirkung erst mit der Eröffnung nach dem Ableben des Erblassers. Sie sind grundsätzlich nach Auffinden bei der zuständigen Behörde einzuliefern, die die Erben und Vermächtnisnehmer über ihren Inhalt, meist schriftlich, in Kenntnis setzt. Um sicherzustellen, dass die Existenz und der Verbleib einer letztwilligen Verfügung bekannt sind, empfiehlt es sich, diese bei einer vom Kanton bestimmten Behörde (Wohnsitzgemeinde, Erbschaftsamt, Gemeindeverwaltung, Bezirksgericht, Justice de Paix, etc.) oder beim Notar zu hinterlegen. Auch eine Eintragung im Testamentenregister des Schweizerischen Notarenverbandes kann die Auffindbarkeit erhöhen.

… sollte ihm Nachdruck verliehen werden

Dass Ihr letzter Wille korrekt geäussert und eröffnet wurde, bedeutet nicht automatisch, dass ihm auch Folge geleistet wird. Der Erblasser selbst hat keine Möglichkeit mehr, den Vollzug seiner Anordnungen zu kontrollieren, die Erben können sich auch einstimmig darüber hinwegsetzen. Es gibt jedoch Mittel und Wege, Ihrem Willen zumindest teilweise zur Geltung zu verhelfen. Wir empfehlen, diese bei der Aufnahme in Ihre letztwillige Verfügung durch Spezialisten auf Wirksamkeit und Rechtmässigkeit überprüfen zu lassen.

Einerseits können Sie sogenannte Teilungsvorschriften (Art. 608 ZGB) erlassen, um einzelnen Erben ein bevorzugtes Recht an bestimmten Vermögenswerten zu gewähren (bspw. der Tochter, die Kunst studiert, Ihre Skulpturensammlung oder Ihrem Sohn das Auto). Diese sind nicht bindend, die Erben können sich auch über eine andere Aufteilung einigen. Sie können andererseits nach Art. 482 ZGB einzelne Ansprüche auch mit Auflagen, Bedingungen oder Befristungen belegen (bspw. der aufschiebenden Bedingung bzw. Befristung, dass Ihre Tochter die Skulpturen nur erhält, falls bzw. nachdem sie ihr Studium abschliesst, oder der Auflage, dass sie diese nicht verkaufen darf). Eine besondere Form der Bedingung ist die «Strafklausel» (auch als salvatorische Klausel bezeichnet), mit der Sie Erben, falls sie sich über Ihre Anordnungen hinwegsetzen, die letztwillige Verfügung anfechten oder anderweitig Klage erheben möchten, auf den Pflichtteil, also das ihnen gesetzlich zustehende Minimum, setzen und den frei werdenden Teil anderen zusprechen. So schaffen Sie einen objektiven Anreiz, die Verfügung tatsächlich in Ihrem Sinne einzuhalten.

Die Vorbereitung auf Eventualitäten können sie durch die sogenannte Ersatzverfügung nach Art. 487 ZGB ergänzen, die es Ihnen gestattet, eine Rangfolge von Ersatzerben oder -vermächtnisnehmern einzusetzen, falls die ursprünglich Bedachten ihre Ansprüche nicht einlösen können oder möchten. Zudem können Sie mit der Nacherbeneinsetzung gemäss Art. 488 ff. ZGB sicherstellen, dass der Vorerbe Ihre Erbschaft zu einem frei wählbaren Zeitpunkt an einen von Ihnen bestimmten Nacherben weitergeben muss.

Können Sie Vertrauens- und Fachpersonen beauftragen

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, eine Vertrauensperson zu beauftragen, die darauf achtet, dass auch nach Ihrem Ableben noch Rücksicht auf Ihre Wünsche genommen wird.

Dies ist die Hauptaufgabe eines testamentarisch eingesetzten Willensvollstreckers, teils auch der gesetzlich vorgeschriebenen Erbschaftsverwaltung. Sie kümmern sich um die Begleichung von Schulden sowie die Abwicklung von Erbgang und Erbteilung gemäss den Vorstellungen des Erblassers. Zu ihren wichtigsten Eigenschaften gehören ein Vertrauensverhältnis zum Erblasser, eine unparteiische Stellung gegenüber den Erben sowie ein guter Überblick über die finanzielle und familiäre Situation.

Auch anderen Fachleuten, besonders Anwälten, Notaren und Gerichten kommt eine wichtige Rolle zu, wenn es um die Auslegung oder den Vollzug von Erbrecht und letztwilligen Verfügungen geht.

Anwälte, Advokate oder Fürsprecher (die Begriffe sind gleichbedeutend, die Verwendung variiert zwischen den Kantonen) können Ihnen wichtige Hinweise zur formal und inhaltlich richtigen Vornahme letztwilliger Verfügungen sowie deren lebzeitiger Vorbereitung (Schenkungen, Erbvorbezüge, Nutzniessungs- oder Wohnrechte, etc.) geben und nehmen vor allem eine beratende Rolle ein. DeinAdieu vermittelt Ihnen kompetente Erbrechtsanwälte in Ihrer Nähe.

Notare und öffentliche Urkundspersonen sind vom Gesetz dazu bestimmt, bestimmte Vorgänge und Dokumente im Zusammenhang mit dem Nachlass zu bezeugen. Dabei können sie auf einen grossen Erfahrungsschatz zurückgreifen und Ihnen unterschiedliche Wege aufzeigen, auf denen Sie Ihre Ziele möglichst einfach und direkt erreichen.

Die von den Kantonen für zuständig bestimmten Behörden bzw. Gerichte entscheiden über Rechtsstreitigkeiten und Klagen. Bei ihnen können i.d.R. auch letztwillige Verfügungen, Urkunden und andere wichtige Dokumente hinterlegt werden.

 

Damit Ihr letzter Wille tatsächlich geschieht, können und sollten Sie einige Vorkehren treffen. Primär müssen Sie sicherstellen, dass Sie ihn formal und inhaltlich richtig kundtun, um eine Anfechtung wegen Fehlerhaftigkeit zu vermeiden. Sodann müssen Sie veranlassen, dass das Dokument auch aufgefunden und korrekt eröffnet wird. Dazu empfiehlt sich die Hinterlegung bei Behörde oder Notar sowie ggf. die Eintragung im Testamentenregister. Mit verschiedenen Vorschriften (Teilungsvorschrift, Auflage, Bedingung, Befristung, Ersatzverfügung, Nacherbeneinsetzung oder Strafklausel) können Sie die Erben dazu veranlassen, Ihren letzten Willen einzuhalten. Gut instruierte Vertrauens- und Fachpersonen kümmern sich auch nach dem Ableben um eine möglichst wunschgetreue Umsetzung letztwilliger Verfügungen.

 

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