Das öffentlich beurkundete Testament (Beispielbild: iStock)
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Das öffentlich beurkundete Testament

Neben dem am häufigsten gewählten handschriftlichen Testament kennt das Schweizerische Erbrecht auch die Variante der öffentlichen Beurkundung. Sie hat Vorzüge, die sich vor allem in komplizierten Verhältnissen oder bei wertvollem Nachlass auszahlen können.

Artikel verfasst von Bernhard Gerstl, B.A. HSG in Law & Economics am
10. Juni 2018

Das öffentliche Beurkundungsverfahren

Das öffentlich beurkundete Testament ist neben dem handschriftlichen Testament und dem (mündlichen) Nottestament eine der drei im Schweizerischen Zivilgesetzbuch vorgesehenen Arten, eine einseitige letztwillige Verfügung zu erlassen. Das Verfahren dazu ist grundsätzlich im Schweizerischen Zivilgesetzbuch geregelt, findet aber vor Urkundspersonen gemäss kantonalem Recht statt. So wird eine eidgenössisch einheitliche Beurkundung gewährleistet, die in der gesamten Schweiz Gültigkeit entfaltet.

Die Urkundsperson (insb. Notar oder Beamter) erfasst den letzten Willen aufgrund der Aussagen des Erblassers unter Mitwirkung von zwei Zeugen in einer öffentlichen Urkunde, die zu datieren und sowohl vom Erblasser als auch der Urkundsperson zu unterzeichnen ist. Die Zeugen bestätigen durch ihre Unterschrift, dass der Erblasser in ihrer Gegenwart erklärt hat, die Urkunde gebe seinen letzten Willen wider. Sie brauchen daher nicht unbedingt den Inhalt des Testaments zu kennen.

Geht das öffentliche Testament den anderen Formen vor?

Die oben erwähnten unterschiedlichen Formen des Testaments sind einander gleichgestellt, sodass keine gegenüber der anderen pauschal den Vortritt beanspruchen kann. Die öffentliche Beurkundung hat zwar wohl eine exaktere Beweisfunktion und gewährleistet mit der Prüfung durch fachkundige Urkundspersonen optimale Rechtssicherheit, kann aber dennoch von einer anderen, widersprechenden letztwilligen Verfügung blockiert werden:

Im Wesentlichen gilt der Vorrang des jüngeren Testaments.

Sicherheit durch professionelle Beratung

Da die öffentliche Beurkundung mit Gebühren und dem Aufwand eines Notartermins oder Amtsweges verbunden ist, wird sie deutlich seltener gewählt als das handschriftliche Testament. Die Investition in eine durch das qualifizierte Verfahren rechtlich besonders abgesicherte Urkunde über den letzten Willen kann sich dennoch durchaus lohnen:

Einerseits verfügen die speziell mit der Beurkundung betrauten Personen über gute Kenntnisse des anwendbaren Rechts und können so Mängel an einer letztwilligen Verfügung erkennen und vermeiden. Dies erleichtert den Prozess des Erbgangs und verhindert, dass der letzte Erblasserwille durch eine Anfechtungsklage unwirksam wird oder sich andere Probleme in der Erbteilung ergeben.

Andererseits sind die Urkundspersonen verpflichtet, die Verfügungen im Original oder als Kopie aufzubewahren oder zu diesem Zwecke einer zuständigen Amtsstelle zu übergeben. Dadurch möchte der Gesetzgeber sicherstellen, dass das öffentlich beurkundete Testament nach Eintritt des Erbfalls den Erben ordnungsgemäss eröffnet wird. Bewahrt der Erblasser ein handschriftliches Testament an einem unbekannten oder versiegelten Ort auf oder wird es unterschlagen, so ist es möglich, dass der Erblasserwille sich mangels Eröffnung nie verwirklicht und stattdessen eine andere Erbfolge eintritt. Auch das Nottestament garantiert wenig Sicherheit verglichen mit der öffentlichen Urkunde.

Eine öffentliche Beurkundung des letzten Willens kann sich also insbesondere bei komplexen Erbschafts- oder Vermögensverhältnissen lohnen und vielen Problemen mit dem Erbe vorbeugen. DeinAdieu.ch bietet Ihnen die passende Beratung an: Notarielles Testament

Das öffentlich beurkundete Testament wird in einem einheitlichen Verfahren durch besondere Urkundspersonen im Beisein von Zeugen aufgesetzt und ist dadurch besonders sicher. Es ist hingegen kostspieliger als das handschriftliche Testament. Dafür ist neben der Formgültigkeit und der inhaltlichen Rechtssicherheit auch seine richtige Eröffnung besser gewährleistet als bei der eigenhändigen Variante.

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