Soll der letzte Wille geschehen, brauchts in vielen Fällen die Beratung einer Fachperson.
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Ihr letzter Wille geschehe – Fachperson hilft

Was das Erbrecht angeht, ist im Schweizerischen Zivilgesetzbuch ZGB eigentlich alles geregelt. Wäre dem wirklich so, könnte sich Notare, Anwälte und Fürsprecher anderen juristischen Problemen widmen.

Artikel verfasst von Martin Schuppli, Autor am
16. März 2017

Wer sichergehen möchte, dass sein letzter Wille auch geschehe, lässt sich von einem Fachmann, einer Fachfrau beraten. Bei einem Beratungsgespräch fragt der Jurist, der Notar zuerst nach den persönlichen Verhältnissen des Klienten, der Klientin oder des Paares. Schliesslich muss er wissen, wie die familiäre Situation ausschaut. Ob und wie viele Kinder mögliche Erben sind, ob Eltern noch leben, ob es einen Stammbaum gibt.

Eine Fachperson kennt den Spielraum des Gesetzes

Danach erläutert der Jurist, der Notar seinen Klienten die so genannte Verfügungskompetenz. Will heissen, er skizziert den Spielraum im Gesetz, zeigt die Bruchteile der Vermögenswerte auf, die ein Erblasser beliebig verteilen darf. Dieser Spielraum hängt stark mit dem Pflichtteilschutz zusammen. Der regelt genau, welche Bruchteile frei sind.

Ist die Ausgangslage klar, muss der Klient, die Klientin folgende Frage beantworten: «Was wollen Sie?» Danach macht der Fürsprecher und Notar eine Auslegeordnung der verschiedenen Möglichkeiten, zeigt Varianten auf. Dabei interessiert ihn die Höhe des momentanen Vermögens nicht. Die Nachlass-Spezialisten denken nur in Bruchteilen. Schliesslich kann das Vermögen nach dem Tod ganz anders aussehen, als in dem Moment, wo darüber geredet und festlegt wird, wer welches ‹Kuchenstück› bekommen soll.

Gericht verwahrt ein öffentliches Dokument

Steht das einmal fest, arbeiten Anwalt, Notar oderFürsprecher ein öffentliches Dokument aus, das dann hinterlegt wird. Was alles beurkundet werden darf und wo es hinterlegt werden kann, ist ist in jedem Kanton anders geregelt.

Wenn die Verhältnisse unkompliziert sind, reicht ein handgeschriebenes Testament. Es muss signiert sein, sowie Ort und Datum enthalten. Die Unterschrift kann jemand beglaubigen lassen oder nicht.

Das ZGB sieht zwei Formen von letztwilligen Verfügungen vor. Eine Person bestimmt für sich allein, wie der letzte Wille aussieht. Im anderen Fall geht der Erblasser zum Notar. Dieser erstellt eine öffentliche Urkunde. Sie muss dann von einem Zeugen mitunterzeichnet werden. Falls der fehlt, haben die Juristen einen Zeugenpool. Zu diesen beiden Formen kommt noch das Nottestament. Dies nimmt ein Notar einem Schwerstkranken am Sterbebett ab, anwesend sein muss zudem ein Zeuge

Mit einem Vertrag den Partner schützen

Eine häufige Form für Eheleute den letzten Willen zu regeln, ist der Ehevertrag. In diesem kann sich das verheiratete Paar gegenseitig begünstigen. In einem öffentlichen Schriftstück muss dann geregelt werden, was nicht schon im Gesetz festgelegt ist.

Apropos Gesetze: Ein Notar erzählt dem Autor, dass das Gesetz festlegt, wie der Nachlass bei Schwulen und Lesben in einer eingetragenen Partnerschaft geregelt ist. Bei heterosexuellen Konkubinatspaaren dagegen ist nichts festgelegt.

Ein Willensvollstrecker organisiert die Erbteilung

Oft beauftragen Klienten einen Fürsprecher oder Notar mit einer eigentlichen Nachlassplanung, sie bestimmen ihn gar zum Willensvollstrecker. Bei der Nachlassplanung gilt es natürlich, die Teilungsvorschriften zu beachten.

An erster Stelle steht der Erbgang. Da wird geregelt, wer zu welchen Teilen erbt.

An zweiter Stelle steht die Erbteilung: Zuerst müssen Schulden getilgt werden. Dann, am so genannten Stichtag, kommts zur Verteilung von Geld, Sachwerten, Immobilien.

Bei grossen oder komplizierten, verschachtelten Vermögen tut der Erblasser gut daran, einen Willensvollstrecker zu bestimmen. Der tritt dann an die Stelle des oder der Verstorbenen.

Wohngemeinde bewahrt «Anordnungen im Todesfall» auf

Anordnungen, die nach einem Todesfall zu beachten sind, ebenso der Name eines allfälligen Willensvollstreckers, können in der Regel auf der Wohngemeinde deponiert werden. Dort erfährt das Bestattungsamt als Erstes vom Tod eines Menschen. Im Gegensatz zu einem Gericht. Dort werden öffentlich beurkundete Dokumente erst Tage oder Wochen später geöffnet.

Was also unmittelbar nach dem Versterben getan werden muss, Anordnungen, die die Bestattung betreffen etwa, hinterlegt man am besten bei der Gemeinde. Dokumente, die sich auf gesetzliche Vorschriften beziehen, müssen in einem Notariat erstellt und anschliessend bei einem Gericht hinterlegt werden. Sind nicht alle berechtigten Erben bekannt, muss die Gemeinde sie suchen lassen. Das geschieht mit aufwändigen Recherchen, mit Inseraten etc.

Todeszeitpunkt kann Erbverteilung beeinflussen

Dann sei noch folgende wichtige Regel erwähnt, die einen Ehevertrag betrifft. Bringen Partner Kinder in die Ehe, entsteht also eine so genannte Patchworkfamilie, kann es ja sein, dass der Nachwuchs sich nicht verträgt. Sterben die Eheleute gemeinsam bei einem Unfall beispielsweise, kommt es auf den genauen Todeszeitpunkt an. Stirbt der Mann sofort und die Frau eine Stunde später, sind ihre Kinder die gesetzlichen Erben. Weil die Frau nach dem Mann starb. Das gilt auch, wenn es nur Sekunden waren.

Was tun? Eine Fachperson rät, folgenden Satz in den öffentlich hinterlegten Ehevertrag zu schreiben: ‹Als gleichzeitiges Versterben gilt jeder Zeitpunkt innerhalb eines Monats›. Oder so. Die Zeitspanne kann natürlich individuell festgelegt werden.

Text: Martin Schuppli

Testament: Möchten Sie eine ZEWO-zertifizierte Non-Profitorganisation berücksichtigen?
Folgende Partner-Organisationen empfiehlt DeinAdieu:
• Rheumaliga Schweiz: www.rheumaliga.ch
• ADES Solaire: www.adesolaire.org
• Tanne Schweiz. Stiftung für Taubblinde: www.tanne.ch
• Centre Ecologique Albert Schweitzer: www.ceas.ch
• EcoSolidar: www.ecosolidar.ch
• Pro Senectute Kanton Zürich: www.pszh.ch
• terres des hommes schweiz: www.terredeshommesschweiz.ch
• SWISSAID: www.swissaid.ch
Was bedeutet ZEWO-zertifiziert?
Die ZEWO ist die Schweizerische Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Spenden sammelnde Organisationen. Die Zewo sorgt für Klarheit und Ehrlichkeit von Spenden sammelnden Organisationen und fördert das Vertrauen der Gesellschaft in die gemeinnützige Tätigkeit. Sie setzt sich dafür ein, dass Spendengelder zweckbestimmt, wirksam und wirtschaftlich eingesetzt werden. Hilfswerke, die sich von der Zewo prüfen lassen und die strengen Anforderungen erfüllen, erhalten das Zewo-Gütesiegel.

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