Rund um Vorsorge und Testament bestehen einige weit verbreitete Irrtümer (Beispielbild: iStock)
Home / Info Beiträge / Einige weit verbreitete Irrtümer rund um Vorsorge und Testament

Einige weit verbreitete Irrtümer rund um Vorsorge und Testament

Dieser Artikel zeigt einige sich im Umlauf befindende Irrtümer im Erbrecht auf. So kann ich beispielsweise nicht über mein ganzes Erbe frei bestimmen und je nach Situation lohnt es sich, den Ehepartner über das gesetzliche Erbrecht abzusichern.

Artikel verfasst von Jil Zaugg, M.A. HSG in Law am
11. Mai 2018

Das gemeinsame Testament

Viele Ehepaare möchten Ihren Nachlass gerne gemeinsam regeln, was auch verständlich ist. Das ZGB kennt jedoch die Form des gemeinsamen Testaments nicht. Das Testament muss von vorne bis hinten handschriftlich vom Erblasser verfasst sein. Damit wäre ein gemeinsam durch Ehegatten verfasstes Testament ungültig. Um Streitigkeiten und ungewollte Folgen zu vermeiden, verfassen Sie also zwei separate, aufeinander abgestimmte Testamente oder wählen Sie die Form des Erbvertrages. Ein von jedem Erblasser einzeln verfasstes, handschriftliches Testament, welches auch unterzeichnet ist, ist einem beurkundeten Testament übrigens gleichgestellt. Es braucht also nicht unbedingt einen Notar, um ein gültiges Testament aufzusetzen.

Ich kann frei bestimmen, wer was erbt und wer enterbt wird

In der Schweiz sind gesetzliche Erben geschützt. Nahestehende gesetzliche Erben (z.B. Ehefrau und Kinder) haben Anspruch auf einen Pflichtteil. Ich kann als Erblasser somit nur über eine gewisse Quote völlig frei verfügen. Auch die Enterbung ist in der Schweiz an strenge Voraussetzungen gebunden. Ich kann nicht einfach, weil mir z.B. eine Entscheidung eines meiner Kinder nicht gefällt, dieses enterben. Es müssen schwerwiegende Dinge, wie eine schwere Straftat gegen mich oder mir nahestehende Personen gegeben sein, damit ich wirksam enterben könnte. Um zukünftige Streitigkeiten zu verhindern, lohnt es sich, die Pflichtteile zu beachten und Zuwendungen an Erben zu Lebzeiten schriftlich festzuhalten. Diese müssen nämlich untereinander zur Ausgleichung gebracht werden.   

Meinen Ehepartner muss ich nicht speziell absichern – das regelt das Gesetz

Ohne Testament tritt die gesetzliche Erbfolge ein, d.h. Kinder und Ehegatte erben je hälftig. Wenn Ehegatten zusammen ein gemeinsames Haus besitzen, kann eine Auszahlung an die Kinder zu Problemen führen, wenn sich diese nicht kulant zeigen. Darum ist es sinnvoll, dass Ehegatten sich zusätzlich gegenseitig absichern (Stichwort „Meistbegünstigung“).  

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Organisatorisches, Wohnung, Bank, Post & Arbeitgeber

Verträge kündigen – wie muss ich vorgehen? Das in der Einleitung erwähnte Kündigungsrecht aus dem Mietrecht ist in Art. 266i OR geregelt und sieht vor, dass die Erben unter Einhaltung der geregelten Frist auf den […]

no Kommentare

Weitere Artikel:

Vorsorge, Vorsorge & Versicherung, Testament & Erbe

Folgen der güterrechtlichen Auseinandersetzung Das Ziel der güterrechtlichen Auseinandersetzung ist es, die Vermögenswerte und das Eigentum der Ehegatten aufzuteilen. Verstirbt einer der Ehegatten, so bildet lediglich sein Anteil an der güterrechtlichen Auseinandersetzung die Erbmasse. Die Errungenschaftsbeteiligung Die […]

no Kommentare

Weitere Artikel:

Organisatorisches, Bank, Post & Arbeitgeber

Benachrichtigen im Todesfall – wie muss ich vorgehen? Der Bank sollte man die Todesbescheinigung zukommen lassen, um diese zu benachrichtigen. Fragen Sie an, welche Unterlagen für die Umschreibung der Wertschriften, Konti etc. allenfalls benötigt werden. Die […]

no Kommentare

Weitere Artikel: