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Testamentseröffnung und Erbschein

Nach einem Sterbefall klären die kantonalen Behörden von Amtes wegen die Berechtigung an seinem Nachlass ab. Sie eröffnen den Erben das Testament, sichern zwischenzeitlich die Erbschaft und stellen Erbscheine (Erbenbescheinigungen) aus. Diese berechtigen die Erben provisorisch am Nachlass.

Artikel verfasst von Bernhard Gerstl, B.A. HSG in Law & Economics am
17. April 2019

Wann und wie wird ein Testament «eröffnet»?

Wenn ein Erblasser verstirbt und ein handschriftliches Testament hinterlässt, ist jeder, der Kenntnis von seiner Existenz und seinem Aufbewahrungsort hat, verpflichtet, dieses bei der zuständigen kantonalen Behörde einzureichen (Art. 556 Abs. 1 ZGB). Dies gilt nicht nur für Erben oder Vermächtnisnehmer, sondern auch unter Umständen für ansonsten unbeteiligte Dritte, die von der Verfügung Kenntnis haben. Die Unterdrückung der Urkunde ist bei Strafe verboten und kann daneben diverse zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen (z.B. Erbunwürdigkeit, Schadenersatzpflicht).

Ein öffentlich beurkundetes Testament wird von vornherein durch eine öffentliche Urkundsperson (Notar o.ä.) aufbewahrt, sodass seine Einreichung und korrekte Eröffnung mit bedeutend grösserer Sicherheit gewährleistet ist.

Innerhalb eines Monats nach Zugang der letztwilligen Verfügung informiert die zuständige Behörde in Anwesenheit der Erben und ggf. Vermächtnisnehmer über ihren Inhalt und damit über den letzten Willen des Erblassers (Art. 557 ZGB). Sie bekommen auch einen schriftlichen Abzug des Testaments auf Kosten des Nachlasses ausgehändigt.

Bis zur Erbteilung können mehrere Erben nur gemeinsam (zur gesamten Hand, vgl. Art. 652 ff. ZGB) über die Erbmasse verfügen. Falls vermutet wird, es gebe unbekannte Erbberechtigte, werden diese mittels öffentlichem Erbenruf, dazu angehalten, sich bei der Behörde zu melden. Wird die Erbberechtigung eines Erben (bspw. aufgrund einer anderen Testamentsurkunde) durch Miterben bestritten, wird die Erbschaft vorübergehend nicht ausgehändigt und ggf. eine Erbschaftsverwaltung eingesetzt.

Andernfalls können die Erben von der Behörde, die das Testament eröffnet hat, die Ausstellung eines Erbscheins (Erbenbescheinigung) verlangen.

Wozu braucht es einen Erbschein und was steht darauf?

Der Erbschein ist ein Legitimationsausweis und die behördliche Bestätigung, dass dessen Empfänger gemäss Eröffnungsprüfung als Erbe am Nachlass berechtigt ist. Gesetzliche Erben (Ehegatten und Blutsverwandte) erhalten auch ohne Vorliegen eines Testaments einen Erbschein, der ihre Verfügungsberechtigung über den Nachlass begründet.

Er wird frühestens nach Ablauf der Ausschlagungsfrist unter der Voraussetzung, dass die Erben das Erbe antreten, zugestellt. Bis dahin ist das Vermögen des Erblassers blockiert, da die Erben ohne den Erbschein nicht darüber verfügen können, auch nicht, um bspw. Bestattungskosten oder offene Rechnungen des Erblassers zu bezahlen. Ein Weg, Geld auf Bankkonten im Ablebensfall verfügbar zu halten, ist, ein Konto einzurichten, das auf den Namen des Erblassers und seines Ehegatten oder eines engen Vertrauten lautet.

Doch selbst ein Erbschein bedeutet keine endgültige Berechtigung an der Erbschaft, da er nur unter dem Vorbehalt erbrechtlicher Klagen Legitimation verschafft. Mit anderen Worten steht es den Erben nach wie vor frei, untereinander insbesondere die Ungültigkeit oder die Herabsetzung des Testaments einzuklagen. In solchen Verfahren können ausgestellte Erbscheine die prozessuale Stellung ihrer Eigentümer verbessern, da sie die Beweislast und ggf. die Prozessrollen umkehren.

Nachdem die Berechtigungen der Erben am Nachlass dann endgültig abgeklärt sind, können sie das Vermögen und allfällige Sachgegenstände in Besitz und (Allein-)Eigentum nehmen.

 

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Ein Testament ist im Ablebensfall der kantonalen Behörde zur Eröffnung einzuliefern. Diese informiert die Erben in der Regel mündlich und schriftlich über seinen Inhalt. Bis zur Erbteilung ist der Nachlass blockiert bzw. die Erben nur gemeinsam daran verfügungsbefugt.

Sie können die Ausstellung eines Erbscheins auf ihren Namen verlangen, um provisorische Rechte am Nachlass zu erhalten. Diese können aber immer noch durch erbrechtliche Klagen beschränkt oder aufgehoben werden.

Weitere Artikel zum Thema:

Das handschriftliche Testament

Das öffentlich beurkundete Testament

Die Erbfolge nach dem Gesetz

Ungültigkeitsklage eines Testaments

Die Herabsetzungsklage

 

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