Ältere Frau bespricht Testament mit Willensvollstreckerin (Beispielbild: iStock)
Home / Info Beiträge / Der Willensvollstrecker – Wächter über das Testament

Der Willensvollstrecker – Wächter über das Testament

Beim Tod eines geliebten Familienmitglieds haben die Angehörigen nicht nur mit der Trauer zu kämpfen. Oft geht das Ableben einer Person einher mit der aufwendigen und schwierigen Teilung der Erbschaft. Im schlimmsten Fall geraten die Erben sogar in Streit über die Verteilung des Nachlasses. Um den Angehörigen viel Aufwand zu ersparen und drohenden Auseinandersetzungen vorzubeugen, kann im Testament ein Willensvollstrecker eingesetzt werden.

Artikel verfasst von Dario Buschor, B.A. HSG in Law & Economics am
10. Juni 2017

Was ist ein Willensvollstrecker und was sind seine Aufgaben?

Der oder die Willensvollstrecker werden durch eine Klausel im Testament ernannt. Seine Aufgabe besteht in erster Linie darin, die Erbschaft zu verwalten und die Erbschaftsschulden zu begleichen. Im Anschluss hat er die Teilung der Erbschaft nach den im Testament festgehaltenen Wünschen des Verstorbenen beziehungsweise, bei Konflikt (z.B. bei der Missachtung von Pflichtteilen und darauf beruhender Anfechtung), nach Gesetz vorzubereiten.

Wem kann der Auftrag erteilt werden?

Theoretisch kann jede handlungsfähige (d.h. urteilsfähige und über 18 Jahre alte) Person zum Willensvollstrecker ernannt werden. Eine entsprechende Ausbildung oder andere Voraussetzungen gibt es nicht. Es macht aber durchaus Sinn, sich bei der Wahl des Willensvollstreckers an gewisse Kriterien zu halten: So sollte der Beauftragte unparteiisch sein und im besten Falle die Vermögens- und Familiensituation des Erblassers kennen. Aufgrund der oftmals verzwickten finanziellen Verhältnisse macht es vielfach Sinn, die Verwaltung und Teilungsvorbereitung der Erbschaft durch einen langjährigen Anwalt oder Treuhänder vornehmen zu lassen.

Wie kann ich mich als Erbe zur Wehr setzen?

Erben haben zwei Möglichkeiten sich gegen den Willensvollstrecker zu wehren. Erstens können sie einstimmig erklären, dass sie die Erbengemeinschaft weiterführen wollen. Damit wird die Erbschaft nicht verteilt und der Vollstrecker wird obsolet. Zweitens unterstehen Willensvollstrecker einer Aufsicht. Bei dieser können die Erben Beschwerde einreichen. Die Aufsichtsbehörde kann Auskunft verlangen, Weisungen erteilen oder den Willensvollstrecker disziplinieren. Als letztes Mittel und nur bei grober Pflichtverletzung im Wiederholungsfall kann die Behörde diesen auch absetzen.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Vorsorge, Testament & Erbe

Was hat ein Ehevertrag mit meiner Erbschaft zu tun? Grundsätzlich untersteht Ihr Vermögen nach der Heirat in der Schweiz dem ordentlichen Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung nach Art. 196 ff. ZGB. Mittels eines öffentlich zu beurkundenden Ehevertrages […]

no Kommentare

Weitere Artikel:

Vorsorge, Digitaler Nachlass

Mein Social Media Account nach dem Tod Kaum jemand von uns hat sich bei der Registrierung auf einer von unzähligen Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter oder Snapchat Gedanken darüber gemacht, was nach dem Tod […]

no Kommentare

Weitere Artikel:

Vorsorge, Testament & Erbe

Sinn & Zweck einer Vollmacht In einer Vollmacht bestätigt eine Person mit ihrer Unterschrift, dass eine andere Person für sie gewisse Geschäfte erledigen oder Entscheidungen fällen darf. In der Wirtschaft wird so verhindert, dass Geschäftsherren […]

no Kommentare

Weitere Artikel: