Der Willensvollstrecker – Wächter über das Testament

Beim Tod eines geliebten Familienmitglieds haben die Angehörigen nicht nur mit der Trauer zu kämpfen. Oft geht das Ableben einer Person einher mit der aufwendigen und schwierigen Teilung der Erbschaft. Im schlimmsten Fall geraten die Erben sogar in Streit über die Verteilung des Nachlasses. Um den Angehörigen viel Aufwand zu ersparen und drohenden Auseinandersetzungen vorzubeugen, kann im Testament ein Willensvollstrecker eingesetzt werden.

Was ist ein Willensvollstrecker und was sind seine Aufgaben?

Der oder die Willensvollstrecker werden durch eine Klausel im Testament ernannt. Seine Aufgabe besteht in erster Linie darin, die Erbschaft zu verwalten und die Erbschaftsschulden zu begleichen. Im Anschluss hat er die Teilung der Erbschaft nach den im Testament festgehaltenen Wünschen des Verstorbenen beziehungsweise, bei Konflikt (z.B. bei der Missachtung von Pflichtteilen und darauf beruhender Anfechtung), nach Gesetz vorzubereiten.

Wem kann der Auftrag erteilt werden?

Theoretisch kann jede handlungsfähige (d.h. urteilsfähige und über 18 Jahre alte) Person zum Willensvollstrecker ernannt werden. Eine entsprechende Ausbildung oder andere Voraussetzungen gibt es nicht. Es macht aber durchaus Sinn, sich bei der Wahl des Willensvollstreckers an gewisse Kriterien zu halten: So sollte der Beauftragte unparteiisch sein und im besten Falle die Vermögens- und Familiensituation des Erblassers kennen. Aufgrund der oftmals verzwickten finanziellen Verhältnisse macht es vielfach Sinn, die Verwaltung und Teilungsvorbereitung der Erbschaft durch einen langjährigen Anwalt oder Treuhänder vornehmen zu lassen.

Wie kann ich mich als Erbe zur Wehr setzen?

Erben haben zwei Möglichkeiten sich gegen den Willensvollstrecker zu wehren. Erstens können sie einstimmig erklären, dass sie die Erbengemeinschaft weiterführen wollen. Damit wird die Erbschaft nicht verteilt und der Vollstrecker wird obsolet. Zweitens unterstehen Willensvollstrecker einer Aufsicht. Bei dieser können die Erben Beschwerde einreichen. Die Aufsichtsbehörde kann Auskunft verlangen, Weisungen erteilen oder den Willensvollstrecker disziplinieren. Als letztes Mittel und nur bei grober Pflichtverletzung im Wiederholungsfall kann die Behörde diesen auch absetzen.

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