gleichgeschlechtliches Paare müssen anders vorsorgen (Beispielbild: iStock)
Home / Info Beiträge / Gleichgeschlechtliche Paare müssen anders vorsorgen

Gleichgeschlechtliche Paare müssen anders vorsorgen

Neben dem Familienrecht sind auch Alters- und Hinterlassenenvorsorge sowie das Erbrecht von den inzwischen 15 Jahren geltenden Regelungen betroffen und haben eingetragenen Paaren in vieler Hinsicht eine der Ehe ähnliche Lebensplanung ermöglicht. Allerdings sind nicht alle Aspekte des Zusammenlebens parallel geregelt, sodass Personen in einer eingetragenen Partnerschaft in mancher Hinsicht anders planen müssen als Ehegatten. Wir erklären Ihnen, welche Besonderheiten die eingetragene Partnerschaft von der Ehe unterscheiden und worauf Sie bei Ihrer Lebens- und Nachlassplanung achten müssen.

Artikel verfasst von Bernhard Gerstl, B.A. HSG in Law & Economics am
14. April 2020

Allgemeine Wirkungen der eingetragenen Partnerschaft

Mit dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes vom 18. Juni 2004 über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare (PartG) hat sich die rechtliche Lage zahlreicher Personen in einer solchen Lebensgemeinschaft deutlich verändert – in aller Regel zum Positiven. Sie können mit deutlich mehr Rechtssicherheit und eheähnlichen Lösungen rechnen, als dies bei Konkubinatspartnern (also Lebensgemeinschaften ohne entsprechenden Zivilstand) der Fall ist.

Zunächst wurde ein neuer Personenstand geschaffen: dieser lautet «in eingetragener Partnerschaft» (Art. 2 Abs. 3 PartG) und kann bzw. muss, wie auch die Eheschliessung, beim Zivilstandsamt Ihrer Wahl ins Zivilstandsregister aufgenommen werden. Das Vorverfahren ist in beiden Fällen am Wohnsitz einer der beiden volljährigen und urteilsfähigen Parteien gleichen Geschlechts zu absolvieren und ermächtigt sie zur Eintragung in der gesamten Schweiz innert dreier Monate (Art. 3-8 PartG). Ausländische Partnerschaften oder gleichgeschlechtliche Ehen werden (auf Antrag) hierzulande als eingetragene Partnerschaften gemäss dem Schweizer Recht anerkannt (vgl. Art. 45 Abs. 3 und 65 ff. IPRG). Das erleichterte Einbürgerungsverfahren (Art. 21 BüG) steht für eingetragene Partner ausländischer Staatsangehörigkeit, anders als für Ehegatten, nicht zur Verfügung.

Die Eintragung ändert, wie seit 2013 auch die Eheschliessung, grundsätzlich nichts an den Namen der einzutragenden Partner, wobei es möglich ist, anzugeben, dass einer von beiden wünscht, künftig den Familiennamen des anderen zu führen. Auch sogenannte «Allianznamen», die beide Nachnamen mit einem Bindestrich trennen, sind möglich, gelten aber nicht als amtliche Namen. Nach der Auflösung der Partnerschaft oder dem Tod eines eingetragenen Partners kann der andere jederzeit am Zivilstandsamt erklären, wieder seinen Ledignamen führen zu wollen (Art. 30 f. ZGB).

Den Partnern kommen Rücksichts- und Beistandspflichten (Art. 12 PartG) sowie allenfalls diejenige zur Unterstützung in Erziehung von Kindern bzw. Unterhalt der Familie zu. Eingetragenen Partnern ist zwar die Stiefkindadoption der Kinder des jeweils anderen gestattet, nicht aber die gemeinschaftliche Adoption von anderen Kindern. Auch fortpflanzungsmedizinische Massnahmen sind ihnen in der Schweiz untersagt (Art. 27 ff. PartG; Art. 264 ff. ZGB).

Vermögensrecht («Güterrecht»)

Für Ehepaare gilt grundsätzlich der ordentliche Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung, sofern sie nicht in einem öffentlich beurkundeten Ehevertrag Modifikationen oder die vertraglichen Güterstände der Gütergemeinschaft bzw. der Gütertrennung vereinbart haben (Art. 181 ff. ZGB).

Bei eingetragenen Partnern ist dies anders: Für sie gilt prinzipiell die Gütertrennung, also, dass auch die nach der Verpartnerung erworbenen Vermögenswerte und Schulden jeweils bei der verantwortlichen Person alleine verbleiben (Art. 18 PartG). Die Partner sind einander dennoch zur Auskunft über Vermögens- und Schuldenstand sowie zur Mitwirkung an einem öffentlichen Inventar verpflichtet. Bei grösseren finanziellen Entscheidungen ist u.U. die Zustimmung des Partners einzuholen (bspw. Wohnungsmiete, Autokauf).

Es gibt keine gemeinsame Gütermasse, wie dies bei den Ehegatten die Errungenschaft im Zeitpunkt der güterrechtlichen Auseinandersetzung ist, sondern nur zwei Eigengüter – eines für jeden Partner bzw. jede Partnerin. Die güterrechtliche Auseinandersetzung ist in diesem Fall denkbar simpel: das Eigengut wird dann im Todesfall unmittelbar zum Nachlass der verstorbenen Person und nach den Regeln des Erbrechts an die Begünstigten weitergegeben.

Die Partner können aber einen öffentlich beurkundeten Vermögensvertrag nach Art. 25 PartG schliessen, der in seiner Funktion im Wesentlichen dem Ehevertrag entspricht. Allerdings können sie darin höchstens die Errungenschaftsbeteiligung nach Art. 196 ff. vereinbaren; das Institut der Gütergemeinschaft steht gleichgeschlechtlichen Paaren nicht offen.

Wenn Sie also Ihre eingetragene Partnerin bzw. Ihren eingetragenen Partner im Auflösungsfall güterrechtlich an den während der Partnerschaft erworbenen Vermögenswerten teilhaben lassen möchten, müssen Sie dies vertraglich festhalten. Das Ergebnis der güterrechtlichen Auseinandersetzung kann einen signifikanten Einfluss auf den Wert der Erbschaft bzw. das Vermögen des überlebenden Ehegatten haben. Dieser Einfluss zeigt sich vor allem dann, wenn ein Partner den Grossteil des laufenden Einkommens erwirtschaftet, während der andere den Haushalt führt und nur auf wenige Ersparnisse zurückgreifen kann. In diesem Fall sollten Sie sich Massnahmen überlegen, um finanziellen Schwierigkeiten im unerwarteten Ablebensfall vorzubeugen. Insbesondere können Sie nach Art. 216 ZGB i.V.m. Art. 25 Abs. 2 PartG die Vorschlagsbeteiligung Ihres Partners maximieren, solange die Pflichtteile Ihrer Nachkommen davon unberührt bleiben.

Erbrecht und Steuern

Im Erbrecht sind die eingetragenen Partner den Ehegatten so gut wie vollständig gleichgestellt. Das bedeutet, dass sie – nach der vermögensrechtlichen Auseinandersetzung – im Verhältnis zueinander gesetzliche Erbrechte und einen Pflichtteilsanspruch haben.

Diese bestimmen sich abhängig davon, mit wem die überlebenden Partner zu teilen haben: Von Gesetzes wegen erhalten sie gegenüber Nachkommen des verstorbenen Ehegatten (sog. erste Parentel) die Hälfte des Nachlasses, gegenüber Erben des elterlichen Stammes (zweite Parentel; Eltern, Geschwister, Neffen/Nichten, etc.) drei Viertel davon, ansonsten die ganze Erbschaft (Art. 462 ZGB). Vorbehalten bleibt eine anderweitige Regelung in einer letztwilligen Verfügung (Testament oder Erbvertrag) des Erblassers, in der er die frei verfügbare Quote vollumfänglich dem überlebenden Partner zuweisen kann. Auch die Einräumung eines Nutzniessungs- oder Wohnrechts kann eine Überlegung wert sein. Überdies kann der überlebende Partner im Rahmen der Erbteilung verlangen, dass ihm das Eigentum an der Wohnung und dem Hausrat zugewiesen werde, in dem er mit dem Erblasser zusammen gelebt hat (Art. 612 Abs. 4 ZGB).

Der Pflichtteilsanspruch des überlebenden Partners umfasst die Hälfte seines oben umschriebenen gesetzlichen Erbanspruches (Art. 471 Ziff. 3 ZGB). Er kann ihm nur verweigert werden, wenn Enterbungsgründe (Art. 477 ff. ZGB), Erbunwürdigkeitsgründe (Art. 540 f. ZGB) oder ein gültiger Erbverzichtsvertrag (Art. 495 ff. ZGB) vorliegen.

In Bezug auf Steuern, sind die eingetragenen Partner den Ehegatten von Bundesrechts wegen gleichgestellt, auch wenn die Steuerhoheit bei den Kantonen liegt (vgl. Art. 9 Abs. 2 DBG, Art. 3 Abs. 4 StHG).

Betreffend Erbschafts- und Schenkungssteuern sind eingetragene Partnerinnen und Partner damit – insbesondere in Abgrenzung zu Konkubinatspartnern – in allen Kantonen von der Erbschaftssteuer befreit. Eine erbrechtliche Mehr- oder Meistbegünstigung des überlebenden Partners kann daher auch steuerrechtlich sinnvoll sein.

AHV/IV, berufliche und private Vorsorge

Ehegatten haben in der Regel auch gegenseitige Ansprüche aus ihren Vorsorgeplänen, wobei für jede der drei Säulen eigene Regeln gelten. Diese Ansprüche gehören zum Sozialversicherungsrecht, nicht zum Erbrecht, und sind daher gesondert zu behandeln. Eine grundsätzliche Gleichstellung ist dank Art. 13a ATSG auch für eingetragene Partnerinnen und Partner vorgesehen:

  1. Solange eine eingetragene Partnerschaft dauert, ist sie im Sozialversicherungsrecht einer Ehe gleichgestellt.
  2. Stirbt eine Partnerin oder ein Partner, so ist die überlebende Person einem Witwer gleichgestellt.
  3. Die gerichtliche Auflösung einer eingetragenen Partnerschaft ist einer Scheidung gleichgestellt.

Aus der AHV (1. Säule) haben überlebende Partner folglich einen Anspruch auf Hinterlassenenrente, solange sie für unterhaltspflichtige Kinder bis zum 18. Lebensjahr sorgen. Sie sind damit geschlechtsunabhängig Witwern gleichgestellt, aber schlechter gestellt als Witwen (Art. 13a Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 23 ff. AHVG sowie 29 Abs. 3 und 32 UVG).

Ähnliches gilt für die berufliche Vorsorge (2. Säule): Sie sieht eine Witwen- bzw. Witwerrente vor, wenn der überlebende Partner ein Kind unterhält oder mindestens 45 Jahre alt ist und die Partnerschaft zumindest fünf Jahre gedauert hat. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, so besteht ein Anspruch auf eine einmalige Abfindung in Höhe von drei Jahresrenten (Art. 19 f. BVG). Pensionskassenreglemente können weitere, darüber hinausgehende Leistungen vorsehen (Art. 20a BVG).

Bei der gebundenen Selbstvorsorge (Säule 3a, Anlageformen mit ausschliesslichem und unwiderruflichem Vorsorgezweck) ist der eingetragene Partner dem Ehegatten als primärer Begünstigter im Todesfall gleichgestellt (Art. 2 Ziff. 1 lit. b Ziff. 1 BVV 3). Er hat damit Anspruch auf das gesamte Vermögen, das der Erblasser bei Versicherungen oder Bankstiftungen angelegt hat.

Im Rahmen der freien Selbstvorsorge (Säule 3b) steht es dem Erblasser frei, testamentarisch oder erbvertraglich über seine Vermögenswerte zu verfügen. Begünstigt er damit den überlebenden eingetragenen Partner, kann dieser es für gewöhnlich gegen Vorlage eines Erbscheins beziehen.

 

Die schweizerische Rechtslage für eingetragene Partnerschaften ist in vielerlei Hinsicht der Ehe ähnlich: Das Eintragungsverfahren läuft weitestgehend parallel zur Eheschliessung und die Wirkungen weichen insbesondere bei familienrechtlichen Fragen wie erleichterter Einbürgerung oder Adoption voneinander ab.

Im Güterrecht ist zu beachten, dass für eingetragene Partnerschaften von Gesetzes wegen die Gütertrennung gilt, während ein öffentlich beurkundeter Vermögensvertrag abweichend die Errungenschaftsbeteiligung vorsehen kann.

Erbrecht und Steuerrecht stellen eingetragene Partner den Ehegatten prinzipiell gleich und begünstigen sie damit deutlich gegenüber Konkubinatspartnern oder Lebensgefährten.

Trotz grundsätzlicher Gleichstellung im Sozialversicherungs- und Vorsorgerecht bestehen geringfügige Unterschiede, die eingetragene Partner im Zweifel schlechter stellen als Ehegatten (insbesondere betreffend Hinterlassenenrente).

Eine umfassende gemeinsame Vorsorgeplanung ist angesichts der genannten Besonderheiten unerlässlich, um Ihnen und Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner bestmögliche finanzielle Sicherheit in der Zukunft zu gewährleisten.

Weitere Artikel zum Thema:

Ehegüterrecht – der Nachlass verheirateter Erblasser

Der Ehevertrag

Die güterrechtliche Auseinandersetzung

Den Ehepartner maximal begünstigen

Die Pflichtteile im Erbrecht

Grundbegriffe rund um den Erbteil

Erbteil, Pflichtteile und verfügbare Quote

Nutzniessung – Nutzung ohne Eigentum

Das Wohnrecht – lebenslanges Wohnen im Eigenheim sichern

Wo erbt man und welcher Kanton ist wofür massgeblich?

Das Wichtigste zu Erbschafts- und Schenkungssteuern

Vergleich über die Erbschaftssteuer in der Schweiz

 

Externe Links:

Bundesgesetz über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare

Tabellarische Übersicht «Ehe und eingetragene Partnerschaft: Wichtigste Gemeinsamkeiten und Unterschiede»

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Beerdigung, Bestattung

Wer kümmert sich, wenn keine Angehörige vorhanden sind? Wer kümmert sich, wenn eine Person ganz allein, also ohne Angehörige, verstirbt? Wenn sich die Angehörigen nicht um die Bestattung kümmern oder die verstorbene Person keine Angehörigen […]

no Kommentare

Weitere Artikel:

Vorsorge, Testament & Erbe

Was versteht man unter einem Erbvorbezug? Beim Erbvorbezug als besondere Form der Schenkung sind, um späteren Konflikten vorzubeugen,  die gesetzlichen Pflichtteile der Erben zu beachten. Denn nach dem Tod des Erblassers werden die Vorbezüge grundsätzlich, […]

no Kommentare

Weitere Artikel:

Vorsorge, Testament & Erbe

Muss er korrekt kundgetan werden Damit Ihr letzter Wille als solcher erkenntlich und verbindlich ist, gibt es unterschiedliche Formen, derer Sie sich bedienen können und entsprechende Voraussetzungen, die Sie beachten müssen. Die klassische Verfügung von […]

no Kommentare

Weitere Artikel: