Testament, Ehevertrag, Patientenverfügung, etc... was bedeutet das alles? (Beispielbild: iStock)
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Vererben – was bedeutet das alles?

Seit dem Tod des Erblassers kann einige Zeit vergehen, bis die Empfänger ihren Erbteil oder ihr Vermächtnis erhalten. Dazwischen wird in einem mehrstufigen Prozess der Nachlass bewertet, besteuert und vermögenswerten Ansprüchen der Erben entsprechend geteilt. Der Erblasser kann über die Zuweisung seiner Hinterlassenschaft in den gesetzlichen Schranken frei verfügen.

Artikel verfasst von Bernhard Gerstl, B.A. HSG in Law & Economics am
18. Mai 2018

Unmittelbar nach Eintritt des Erbfalls

Mit dem ärztlich bescheinigten Tod des Erblassers tritt der Erbfall ein und allfällige letztwillige Verfügungen entfalten ihre Wirkung von Todes wegen. Sie werden den Erben nach ihrer verpflichtenden Einreichung durch die Behörde (Amtsnotariat, Zivilstandsamt, o.ä.) oder den Notar eröffnet.

Bis zur Erbteilung bilden die Erben eine Gemeinschaft und der Nachlass eine Vermögensmasse. Das Erbe muss inventarisiert und in seinem Gesamtwert geschätzt werden, um die geldwerten Ansprüche der einzelnen Berechtigten zu ermitteln.

Bevor das Erbe (Überschuss der Aktiven über die Passiven des Erbschaftsinventars) feststeht, werden Erblasserschulden bei allfälligen Gläubigern getilgt. Übersteigen die Schulden die vorhandenen Vermögenswerte, haften die Erben solidarisch für den Fehlbetrag. Davor können sie sich durch Ausschlagen der Erbschaft schützen.

Fast alle Kantone erheben zudem eine Erbschaftssteuer, wobei gewisse Pflichtteilserben von der Entrichtung befreit sind.

Die Berechnung der Ansprüche

Die Ansprüche der einzelnen Erben hängen vom Familien- bzw. Güterstand sowie dem letzten Willen des Erblassers und den Bestimmungen des Erbrechts ab. Sie lauten jeweils auf einen bestimmten Bruchteil vom vorgängig ermittelten Gesamtwert des Nachlasses.

Hat der Erblasser ein Testament hinterlassen, so ist darauf zu achten, ob dieses Pflichtteile gesetzlich privilegierter Erben, namentlich Kinder, Ehegatten oder Eltern, verletzt. Diese können die Berechtigten mit der Herabsetzungsklage durchsetzen. Formale Fehler oder andere Rechtsverletzungen machen das Testament ebenfalls anfechtbar.

Damit es nicht zu solchen Problemen kommt, die zu Friktionen unter den Erben führen können, steht es in der Verantwortung des Erblassers, sein Testament sorgfältig aufzusetzen und periodisch seinen Lebensumständen anzupassen. Je fehlerhafter ein Testament ist, desto mehr Uneinigkeiten und Hürden stehen dem Abschluss des Erbgangs im Wege. Beratungsangebote finden Sie auch auf DeinAdieu.

Für eine einvernehmliche, bilaterale Regelung kann der Abschluss eines Erbvertrags sorgen, mit dem ein Erbauskauf zu Lebzeiten, ein Verzicht auf das Erbe inklusive Pflichtteil, aber auch eine Begünstigung vereinbart werden kann. Liegt weder ein Testament noch ein Erbvertrag vor, greift die subsidäre gesetzliche Erbfolge (Link: 20180304 Die gesetzliche und die gewillkürte Erbfolge – wer erbt wie viel).

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Die Erbteilung und Ausrichtung von Vermächtnissen

Sind die Erbanteile letztlich im Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften und den Anweisungen des Erblassers berechnet, stellt sich die Frage, wie die Forderungen der Erben an die Hinterlassenschaft (siehe dazu: Hinterlassenschaft) befriedigt werden können.

Haben diese ein gutes Verhältnis zueinander, können sie sich oft über die Aufteilung der Gegenstände in der Erbmasse einigen. Ist ihnen dies nicht möglich, können sie untereinander gleichwertige Lose mit den Angaben des Erbschaftsinventars bilden und diese zuteilen oder ziehen. Sie können diesen Schritt auch an die zuständige Behörde delegieren, die sie unter Berücksichtigung des Ortsgebrauchs, der persönlichen Verhältnisse und der Wünsche der Erben wahrzunehmen hat. Manchmal kann eine Barauszahlung den Verkauf einzelner Erbsachen notwendig machen, was unter Umständen mit Werteinbussen einher geht.

Ist das Erbe dann unter den Berechtigten aufgeteilt, müssen sie je nach testamentarischem Willen noch Begünstigten ausserhalb der Erbengemeinschaft einen vermögenswerten Vorteil in Form eines Vermächtnisses ausrichten. Mit der Erfüllung sämtlicher Ansprüche geht die Erbmasse unter und der Erbgang endet.

Der Erbgang lässt sich grob in mehrere Phasen unterteilen:

Unmittelbar nach einem Todesfall stehen die Abschiednahme vom Verstorbenen bzw. Behördengänge und die Beendigung offener oder laufender Schuldverhältnisse im Vordergrund. Danach kann die Erbmasse ausgeschieden, geschätzt und inventarisiert werden.

Mit den erhaltenen Zahlen und einer letztwilligen Verfügung oder der gesetzlichen Erbfolgeregelung werden die Ansprüche der einzelnen Erben festgelegt. Wird dabei jemand ungerecht behandelt, so kann er sich unterschiedlicher Klagen bedienen, um zu seinem Recht zu kommen.

In einem letzten Schritt werden die Ansprüche aus der Erbmasse befriedigt, wobei das Verfahren grundsätzlich im Ermessen des Erblassers und der Erben steht. Uneinigkeiten machen jedoch mitunter die Einschaltung von Behörden zur Schlichtung und Erbteilung notwendig.

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