Das Vermächtnis – eine Alternative zur Erbenstellung

Durch ein Vermächtnis erhält eine Person einen bestimmten Vermögensgegenstand, ohne dabei eine Erbenstellung zu erhalten. Da im Gegensatz zur Erbschaft andere Rechte und Pflichten existieren, ist die Abgrenzung wichtig.

Was versteht man unter einem Vermächtnis?

Mit einem Vermächtnis können sämtliche Geld- oder Sachwerte von Todes wegen von einer Person einer anderen Person übertragen werden. Dies kann beispielsweise ein bestimmter Betrag, ein Schmuckstück oder eine Liegenschaft sein. Wird dagegen ein fester Prozentteil am Erbe zugesprochen, geht man von einer Erbenstellung aus. Der Vermächtnisnehmer hat einen Herausgabeanspruch gegenüber der Erbengemeinschaft. Das bedeutet, dass der Vermächtnisnehmer (oder auch Legatar genannt) ein Recht dazu hat, dass die Erben ihm den Vermächtnisgegenstand herausgeben. Dieses Recht kann er vor Gericht durchsetzen, wenn die Erben dies verweigern.

Da die Pflichtteile der gesetzlichen Erben nicht verletzt werden dürfen, müssen diese auch bei einem Legat stets berücksichtigt und eingehalten werden.

Legat oder Erbschaft: Worin liegt der Unterschied?

In einem Testament oder einem Erbvertrag kann eine Person festlegen, was nach dem Ableben mit ihrem Vermögen geschehen soll. Ob darin von einem Vermächtnis resp. Legat oder einer Erbschaft die Rede ist, macht einen erheblichen Unterschied.

Ein Erbe ist Mitglied der Erbengemeinschaft. Er erhält somit einen bestimmten Teil der Erbschaft und haftet im Gegenzug auch für die Schulden des Erblassers (siehe dazu: „Hilfe, ich erbe Schulden!“ – Das Erbe ausschlagen). Im Gegensatz dazu erlangt ein Vermächtnisnehmer das Recht auf Herausgabe eines einzelnen Vermögensgegenstandes, ohne sich an der Erbengemeinschaft und der Deckung der Schulden zu beteiligen. Umgekehrt hat ein Vermächtnisnehmer nicht den gleichen Anspruch auf Informationen wie ein Erbe. Daneben ist die Kombination beider Institute möglich. So kann ein Erbe neben seiner Erbquote zusätzlich mit einem Vermächtnis begünstigt werden. Wichtig hierbei ist, das Legat immer als solches zu bezeichnen. 

Wann macht ein Vermächtnis Sinn?

Sinnvoll ist ein Vermächtnis speziell dann, wenn nicht erbberechtigte Personen eine Zuwendung erhalten sollen. Begünstigen lassen sich somit nahestehende Personen, Unternehmen oder auch gemeinnützige Organisationen. Da in fast allen Kantonen gemeinnützige Organisationen von der Erbschaftssteuer befreit sind, können diese vollumfänglich von dem Legat profitieren (siehe dazu: Berücksichtigung einer gemeinnützigen Organisation). Die NGOs erhalten dann diese Zuwendung von Todes wegen und müssen sich um den restlichen Erbgang und die damit verbundenen Verpflichtungen nicht kümmern.

Das sollten Sie beachten

  • Überlegen Sie sich, wem Sie ein Vermächtnis vermachen wollen, ohne die Person als Erben einzusetzen. Gibt es bestimmte gemeinnützige Organisationen, die Sie mit Ihrem Nachlass unterstützen wollen? Hier finden Sie vertrauenswürdige Organisationen.
  • Vergewissern Sie sich, dass das Vermächtnis in Ihrer letztwilligen Verfügung erkennbar ist und sie dieses klar bezeichnen.
  • Erklären Sie Ihren Erben und Nachkommen, dass Sie einer NGO ein Vermächtnis vermachen wollen. So werden diese Personen dieses Legat eher akzeptieren. Lesen Sie diesbezüglich unseren Blogartikel.
  • In unserem Download-Center finden Sie Vorlagen zum Erbvertrag und Testament.

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