Ehepaar informiert sich über das Thema Erbschaft (Beispielbild: iStock)
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Hinterlassenschaft, Erbschaft, Nachlass – was ist das?

Die Erbschaft, oft auch als Hinterlassenschaft, Nachlass oder einfach Erbe bezeichnet, ist ein relativ klarer und doch für viele Involvierte abstrakter Begriff. DeinAdieu.ch erklärt Ihnen, wie sich das Erbe zusammensetzt, welches Vermögen abfliesst und welchen Prozeduren der Nachlass unterliegt.

Artikel verfasst von Bernhard Gerstl, B.A. HSG in Law & Economics am
18. Mai 2018

Zuordnung zur Erbmasse & Wertbestimmung

Nach Eintritt eines Erbfalles und Eröffnung einer allfälligen letztwilligen Verfügung ist häufig die erste Frage der Erben welchen Wert und Umfang die Erbschaft hat. Diese entspricht grundsätzlich den Vermögenswerten des Erblassers zum Zeitpunkt seines Todes. Darunter fallen zunächst sämtliche Gegenstände in seinem Eigentum, die einen minimalen objektiven Wert aufweisen. Darüber hinaus kann er auch mittels Erbvertrag oder Testament Hausrat oder Sachen von bloss ideellem Wert, z.B. Tagebücher oder Fotoalben, explizit bestimmten Personen zuteilen.

Für Grundstücke gibt in der Schweiz das öffentliche Grundbuch Aufschluss über das Eigentum und dingliche Rechte daran. Bei beweglichen Sachen wird auf die Eigentumsvermutung des Besitzers (Art. 930 ZGB), Dokumente des Erblassers (Rechnungen, Quittungen, Bestätigungsschreiben ö.ä.) sowie Auskünfte der Betroffenen zurückgegriffen, um sie dem Nachlass zuzuordnen oder sie daraus auszusondern. Der Wert der Erbsachen wird geschätzt und in einem Erbschaftsinventar seinen Schulden gegenübergestellt.

Komplexer gestaltet sich die Wertbestimmung der Hinterlassenschaft bei verheirateten Erblassern, da im Zeitpunkt des Todes bei der güterrechtlichen Auseinandersetzung sein Vermögen von dem des überlebenden Ehegatten getrennt werden muss und jeder sein im Besitz des anderen stehendes Eigentum zurücknimmt. Je nach ehevertraglichem oder ordentlichem Güterstand kann dabei der Wert der Erbmasse unterschiedlich hoch ausfallen.

Tilgung von Schulden & Abgaben auf die Hinterlassenschaft

Die Erben erwerben die Erbschaft als Ganzes (das bedeutet, inklusive der zugehörigen Schulden und Verpflichtungen), mit dem Tod des Erblassers. Da der Nachlass bis zur Teilung eine Gesamtheit bildet, sind die Erben auch nur gemeinsam (als sogenannte Erbengemeinschaft) verfügungsberechtigt. Übersteigen die Erblasserschulden seine vorhandenen Vermögenswerte, so haften die Erben solidarisch für seine Verpflichtungen. Vor dieser Haftung können sie sich nach Einsicht in das Erbschaftsinventar durch Ausschlagen des Erbes schützen. Forderungen des Erblassers gegenüber Dritten gehen von Gesetzes wegen als Teil der Erbschaft auf die Erben über.

Neben Schulden des Verstorbenen kommt ein weiterer Faktor hinzu, der die Erbschaft bzw. die Empfänger belastet: Bis auf den Kanton Schwyz kennen alle schweizerischen Kantone eine Erbschaftssteuer und meist auch eine parallel laufende Schenkungssteuer (um Umgehungen durch Schenkung zu Lebzeiten zu vermeiden). Um Familienmitglieder nicht zu belasten, sind Nachkommen und Ehegatten des Erblassers fast immer, Konkubinatspartner (siehe dazu: Absicherung des Konkubinatspartners – wie geht man am besten vor?) und Eltern in manchen Kantonen davon ausgenommen. Die Steuerbeträge hängen also mit anderen Worten meist von der Beziehung zwischen Erblasser und Empfänger ab. Eine schweizweite Übersicht für die Erbschaftssteuern anhand der Beispielsumme von 500‘000 Franken finden sie hier. Jeder Erbe hat seine Erbschaftssteuern auf den ihm zustehenden Anteil am Erbe zu entrichten.

Was bleibt?

Nach Abzug der Schulden und fiskalischen Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Erbe bleibt den Erben netto also nur mehr ein Teil des vom Erblasser vermachten Vermögens. Dies hat seinen Grund darin, dass seine Gläubiger durch den Todesfall nicht unerwartet mit Forderungsausfällen konfrontiert werden sollen und geht sogar so weit, dass die Erben für Schulden des Erblassers haften müssen. Auch der Staat, in der Schweiz die Kantone, profitiert über Nachlasssteuern (unabhängig von der Person des Empfängers) oder Erbanfallsteuern (gestuft nach Beziehung der involvierten Personen) vom Erbfall mit. Dennoch machen Erbschaftssteuern nur einen marginalen Anteil an den gesamten Steuereinnahmen der Eidgenossenschaft aus. Der Grossteil des Erblassereigentums kommt somit den Nachlassempfängern zugute.

Das Eigentum des Erblassers fällt nach seinem Tod an die gesetzlichen, erbvertraglichen oder testamentarischen Erben und gegebenenfalls Vermächtnisnehmer. Es muss dazu dem Erbe zurechenbar, ausgeschieden und nachlassfähig sein. Aus dem Nachlass werden Schulden des Erblassers beglichen, für die subsidiär auch die Erben haften. Auf die Hinterlassenschaft sind, besonders durch Erben, die in keiner Verwandtschaftsbeziehung zum Erblasser stehen, kantonale Erbschaftssteuern zu entrichten.

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