Die ärztliche Todesbescheinigung
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Die ärztliche Todesbescheinigung

Die Todesbescheinigung ist eines der ersten Dokumente, das nach einem Todesfall ausgestellt wird und bildet die Grundlage für zahlreiche weitere administrative Vorgänge. Wir fassen Ihnen die wichtigsten Fakten zur Todesbescheinigung, auch als “Totenschein” bezeichnet, kurz und verständlich zusammen.

Artikel verfasst von Bernhard Gerstl, B.A. HSG in Law & Economics am
17. Dezember 2019

Wann und wie erhalte ich eine ärztliche Todesbescheinigung?

Wer eine Person leblos vorfindet, ist prinzipiell verpflichtet, zumutbare Erste Hilfe zu leisten und insbesondere Arzt oder Rettung zu verständigen (Notruf: 144). Zuwiderhandeln kann als Unterlassung der Nothilfe nach Art. 128 StGB mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe geahndet werden, wenn einem die Hilfestellung zumutbar war.

Ist den Umständen nach bei der Leichenschau oder fachlich Legalinspektion genannten persönlichen Untersuchung nur mehr der Tod der betreffenden Person feststellbar, so wird der Arzt dies mit Ort und Zeitpunkt in einem amtlichen Formular, der ärztlichen Todesbescheinigung, vermerken. Wie schon aus dem Namen hervorgeht, kann die Todesbescheinigung nur durch eine «Arztperson» ausgestellt werden. Darunter fällt grundsätzlich jeder Arzt bzw. jede Ärztin, sowohl Hausarzt, Notarzt als auch unterschiedliche Fachärzte. Häufig gelten allerdings für Ärzte in näherer Beziehung mit Verstorbenen (Ehe, Lebensgemeinschaft, Verwandtschaft, etc.) aufgrund vermuteter Interessenskonflikte Ausstandspflichten, sodass sie in diesen Fällen nicht selbst einen Totenschein ausstellen dürfen.

Falls eine Schweizerin oder ein Schweizer im Ausland ums Leben kommt, so werden die ausländischen Behörden den eidgenössischen Vertretungsbehörden dies mitteilen und ihnen die dem ausländischen Recht entsprechende Todesurkunde übergeben. Diese informiert und leitet das Dokument an die Heimatgemeinde sowie die Angehörigen der verstorbenen Person im Inland weiter.

Was hat sie zum Inhalt?

Form und Inhalt der Todesbescheinigung variieren aufgrund der abweichenden Bestattungsverordnungen von Kanton zu Kanton und zum Teil auch nach den Bestimmungen der Gemeinden. Im Kanton St. Gallen sind bspw. Name und Vorname, Geschlecht, Beruf, Konfession, Geburtsdatum, Heimatort bzw. Herkunftsland, Wohnsitz, Zivilstand sowie möglichst präzise Todeszeitpunkt und Sterbeort zu nennen. Die verstorbene Person ist mit diesen Daten eindeutig bestimmbar und im Zivilstandsregister auffindbar.

Ferner muss der Arzt bzw. die Ärztin die Umstände des Todesfalles angeben: Bei zweifellos natürlichen Todesursachen ist die Bestattung ohne weitere Vorkehren innert einer gewissen Frist zulässig. Ist die Todesursache unklar oder nicht natürlich (Unfall, Suizid oder Straftaten sowie Spätfolgen davon), so hat der Arzt Meldung an die Polizei oder Staatsanwaltschaft zu erstatten, damit diese von Amtes wegen weitere Abklärungen treffen kann. Neben den Strafverfolgungsbehörden und Gerichten kann eine Obduktion (auch Autopsie) auch von der Gesundheitsbehörde, den Angehörigen oder sogar dem Verstorbenen selbst (durch lebzeitige oder letztwillige Verfügung) verlangt werden und ist nicht nur kriminalistisch relevant, sondern auch, um bspw. bislang unbekannte Leiden oder Behandlungsfehler festzustellen.

Der untersuchende Arzt bzw. die Ärztin bestätigt die Richtigkeit der Angaben mit Ort, Datum, Unterschrift und Stempel. Ohne diese erlangt die Todesbescheinigung keine rechtliche Gültigkeit.

Wofür benötige ich sie?

Ein Todesfall ist innert zweier Werktage durch die Angehörigen an die zuständigen Behörden zu melden. Je nach Wohnort und Kanton kann es sich dabei um das Zivilstandsamt des Sterbeortes oder um das Bestattungsamt am Wohnort des Verstorbenen handeln. Bei der Meldung sind folgende (und möglicherweise noch weitere) Dokumente möglichst vollständig vorzulegen: Ärztliche Todesbescheinigung, Familienschein, Schriftenempfangsschein bzw. Meldebestätigung sowie Personalausweis oder Identitätskarte bzw. Reisepass, ggf. mit Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung (Ausländerausweis).

Wenn sich ein Todesfall in einer Anstalt wie bspw. in einem Pflegeheim, Krankenhaus, Hospiz oder Gefängnis ereignet, wird die Bescheinigung für gewöhnlich ohne weiteres durch deren Mediziner ausgestellt und an die zuständige Behörde weitergeleitet. Angehörige erhalten ebenfalls ein Exemplar.

Die Zivilstands- oder Bestattungsämter stellen nach Erhalt der Dokumente des Verstorbenen die sogenannte Todesurkunde oder Sterbeurkunde aus. Sie ist nicht mit der ärztlichen Todesbescheinigung zu verwechseln und erfüllt einen anderen Zweck: Die ärztliche Todesbescheinigung gibt aus medizinischer Sicht Aufschluss über die Umstände eines Todesfalles, die amtliche Sterbeurkunde bestätigt zivilstandsrechtlich den Tod einer Person. Die Sterbeurkunde ist Voraussetzung und Grundlage für die Bestattung, die Eröffnung letztwilliger Verfügungen sowie des Erbganges allgemein. Sie wird u.U. auch benötigt, um Verträge oder sonstige Rechtsbeziehungen des Verstorbenen von Todes wegen zu aufzukündigen oder Lebensversicherungen, Todesfallversicherungen, Vorsorgeverträge, etc. einzulösen.

 

Die Todesbescheinigung wird unmittelbar nach der Todesfeststellung im Rahmen der Leichenschau durch den untersuchenden Arzt ausgefüllt und unterschrieben. Sie gibt insbesondere Aufschluss über die Person des Verstorbenen sowie Ort, Zeitpunkt und Ursache des Ablebens. Die Todesbescheinigung wird zusammen mit weiteren Ausweisdokumenten des Verstorbenen benötigt, um den Todesfall bei den Zivilstandsbehörden zu melden. Diese stellen daraufhin die Sterbeurkunde aus, die die rechtliche Grundlage der weiteren Vorgänge, namentlich der Bestattung und des Erbganges, bildet.

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