Warum ein Willensvollstrecker die Erben entlastet und wie man ihn absetzt (Beispielbild iStock)
Home / Info Beiträge / Warum ein Willensvollstrecker die Erben entlastet und wie man ihn absetzt

Warum ein Willensvollstrecker die Erben entlastet und wie man ihn absetzt

Der Willensvollstrecker „vollzieht“ das Testament. Eine neutrale, aussenstehende Person oder Institution kann dabei eine grosse Entlastung für die emotional belasteten Erben sein. Erben können einen Willensvollstrecker nicht eigenhändig absetzen. Zuständig ist eine Aufsichtsbehörde. Deren Entscheide können weitergezogen werden.

Artikel verfasst von Jil Zaugg, M.A. HSG in Law am
04. Februar 2019

Der Willensvollstrecker – Bedeutung

Der Willensvollstrecker „vollzieht“ das Testament für den Erblasser (Art. 517 ZGB). Grundsätzlich kann jede handlungsfähige Person diese Funktion übernehmen. Dies kann also ein Erbe, ein unbeteiligter Dritter, beispielsweise ein Rechtsanwalt, aber auch eine juristische Person, wie beispielsweise eine Bank oder eine Versicherung sein. Es kann sinnvoll sein, einen Ersatzkandidaten vorzusehen, wenn der gewünschte Kandidat das Mandat, aus welchen Gründen auch immer, nicht annehmen oder nicht zu Ende führen können sollte.

Der Willensvollstrecker wird durch letztwillige Verfügung (Testament oder Erbvertrag) eingesetzt. 14 Tage nach der Eröffnung, also der gehörigen Mitteilung, wird diese Wahl definitiv, wenn sich der vorgesehene Willensvollstrecker nicht dagegen ausspricht. Er verwaltet den Nachlass und bereitet die Erbteilung vor. Die Erben haben das Recht, durch den Willensvollstrecker gleich, respektive neutral, behandelt zu werden. Des Weiteren haben sich das Recht auf umfassende Auskunft und periodische Rechnungslegung.

Aufgaben des Willensvollstreckers

Die Aufgaben des Willensvollstreckers sind in Art. 518 ZGB festgehalten. Er hat den Nachlass zu verwalten und die Teilung zu vollziehen. Er ist verpflichtet, die Erben laufend über die Nachlassabwicklung zu informieren. Der Willensvollstrecker bereitet die Teilung vor, nachdem er sich einen Überblick über die finanziellen Verhältnisse verschafft hat. Er hat den Erben also einen oder mehrere Teilungsvorschläge zu unterbreiten. Der Willensvollstrecker hat Anspruch auf eine angemessene Entschädigung für seine Tätigkeit, die in der Regel aus der Erbmasse beglichen wird.

Eine emotionale Entlastung

Viele Angehörige sind nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen emotional überfordert. Auch wenn der Nachlass geregelt ist, kann eine Erbteilung die Hinterbliebenen überfordern. Wenn Sie Ihre Angehörigen entlasten möchten, setzen Sie im Testament oder Erbvertrag einen professionellen Willensvollstrecker ein. Der Willensvollstrecker unterstützt die Hinterbliebenen im Erbteilungsprozess und nimmt ihnen die Verwaltung des Nachlasses ab. Bei Differenzen unter den Erben sucht er nach Lösungen, um die Teilung des Nachlasses nicht zu gefährden.

Die Wahl des Willensvollstreckers sollte gut überlegt sein. Wenn Sie ihre Ehefrau oder einen anderen Erben auswählen, überfordern Sie diesen möglicherweise. Eine neutrale Institution, die sich mit Anlagen, Steuern, Immobilien und Erbrecht auskennt, ist oftmals eine sinnvolle Wahl.

Absetzung des Willensvollstreckers

Wie kann man sich von einem Willensvollstrecker trennen? Selbst durch einstimmigen Beschluss kann die Erbengemeinschaft den Willensvollstrecker nicht absetzen. Sie muss sich dafür an die zuständige Aufsichtsbehörde wenden. Jeder Willensvollstrecker unterliegt nämlich einer Aufsicht (Art. 518 Abs. 1 i.V.m. Art. 595 Abs. 3 ZGB). Es kann folglich gegen Handlungen und Verfügungen des Willensvollstreckers bei der Aufsichtsbehörde durch die Erben Beschwerde erhoben werden. Die Aufsichtsbehörde kann vom Willensvollstrecker Aufschluss über sein Schaffen verlangen, ihm Weisungen erteilen oder ihm das Amt wegen Unfähigkeit, Interessenskonflikten oder grober Pflichtverletzung entziehen.

Der Entscheid der Aufsichtsbehörde kann weitergezogen werden, sogar bis ans Schweizerische Bundesgericht als höchste Instanz. In einem Entscheid des Bundesgerichts, 5A_794/2011 vom 24. März 2012, setzte es einen Willensvollstrecker wegen groben Pflichtverletzungen ab. Da er sich weigerte, erblasserische Anordnungen zu vollstrecken, folgte die Absetzung durch das Bundesgericht.

Weitere Artikel zum Thema:
Der Willensvollstrecker – Wächter über das Testament

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Vorsorge, Testament & Erbe

Kann man Passwörter vererben? Juristisch gesehen ist die Frage einfach zu beantworten: Aufgrund der Universalsukzession, d.h. des Übergangs aller Aktiven und Passiven des Erblassers, gehen alle seine Besitztümer in die Erbmasse über. Da aber weder […]

no Kommentare

Weitere Artikel:

Vorsorge, Testament & Erbe

Pensionskasse im Todesfall – wer hat Anspruch und wie macht man ihn geltend? Wenn eine versicherte Person stirbt, finanziert die Pensionskasse die Hinterbliebenenrente, die dem Ehepartner oder eingetragenen Partner zusteht. Ehegatten resp. eingetragene Partner erhalten […]

no Kommentare

Weitere Artikel:

Vorsorge, Testament & Erbe

Setzen Sie Regeln fest Mit Regeln, die der Erblasser zu Lebzeiten festsetzt, insbesondere in Bezug auf Immobilien im Nachlass, kann unter Umständen eine aufreibende und lang andauernde Erbteilung verhindert werden. Es kann beispielsweise einzelnen Erben teilweise schwer […]

no Kommentare

Weitere Artikel: