TV Sendung zum Thema Bestattungsplanung. Eveline Falk interviewt DeinAdieu-Autor Martin Schuppli vor dem Engel-Mietgrab. (Foto: Bruno Torricelli)
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TV SRF dreht Film über Bestattungsplanung

DeinAdieu-Autor Martin Schuppli fürchtet den Tod nicht. Seine Bestattungsplanung interessiert das SFR. Dokumentarfilmerin Evelin Falk drehte einen «Puls»-Beitrag.

Artikel verfasst von Martin Schuppli, Autor am
06. Januar 2017

«Auf Ihrer Webseite lese ich, dass Sie Ihre Beerdigung, resp. Ihre Bestattung geplant haben», sagt TV-Journalistin Eveline Falk am Telefon zum Autor. «Stimmt das wirklich?», hakt sie nach. «Ja. Das stimmt», antwortet der Autor. «Und warum machten Sie das», will Eveline Falk wissen. «Das muss ich doch», sagt der Autor. «Schliesslich will ich den Bestattungsplaner von DeinAdieu.ch glaubwürdig anpreisen.»

Über diesen Online-Bestattungsplaner und über DeinAdieu.ch wolle sie einen Film realisieren, sagte die TV-Journalistin. Er würde Anfangs Januar im Gesundheitsmagazin «Puls» ausgestrahlt. Also an einem Montagabend ab 21 Uhr. «Würden Sie mitmachen?» «Natürlich bin ich dabei», war die Antwort des Chronisten.

Über die letzten Wünsche reden

Warum also plant einer seine Bestattung. Ein Mann, der mit 61 Jahren das Gefühl hat, noch mitten im Leben zu stehen. Diese Frage wurde dem Chronisten schon oft gestellt. Die Antwort fällt jedes Mal ziemlich provokativ aus. «Warum nicht.» Schliesslich wird jeder von uns einmal bestattet. Beerdigt. Zu Grabe getragen. Warum also nicht rechtzeitig darüber reden, darüber schreiben? Ja sogar bei einem Film zum Thema mitzumachen.

«Der Tod ist eine Realität des Lebens», sagte DeinAdieu-Beirat Dr. med. Roland Kunz einst zum Autor. Und Alice Hofer, Unternehmerin aus Thun und Geschäftsführerin der Praxis für «angewandte Vergänglichkeit» sagt: «Der Tod ist nicht nur eine bitterernste, tieftraurige Sache, sondern auch eine grossartige Chance.»

Der Tod, eine bitterernste, tieftraurige, grossartige Chance

Jolenda Elsener, Baldegger Schwester und Leiterin des Sterbehospiz in Hurden SZ sagte im März 2016 bei der Recherche zum Blog-Beitrag: «Es ist wichtig, dass ich mit meinen Gästen über den Tod rede. Oft planen wir den Abschied so, wie andere Leute eine Hochzeit.»

Funeralplanning sagen die Amerikaner. Bestattungsplanung nennt sich das bei uns. Von Oma Cécile wusste der Autor, dass sie einst eingeäschert und dann auf dem Gemeinschaftsgrab des Manegg-Friedhof in Zürich Wollishofen beigesetzt werden wollte. Das geschah 1986. Der Vater des Autors meldete sich 1982 beim Verein für Feuerbestattung in Florenz an, nachdem er mit seiner Gattin in die Toskana ausgewandert war. Seine Frau, die Mutter des Chronisten, reservierte derweil Grabplätze auf dem Friedhof einer kleinen Kirche nahe des Wohnortes bei Camaldoli.

Das Gespräch über den Tod, über das Sterben war nie etwas Fremdes. Warum sich also jetzt zieren, mit 61 Jahren?

Bestattungsplanung online möglich

Für den Autor liegt es nahe, die eigene Bestattung zu planen, das Lebensende mitzugestalten. Zumal mit dem Bestattungsplaner von DeinAdieu ein perfektes Tool, ein einfach zu handhabendes Planungsinstrument zur Verfügung steht.

Nimmt es Sie wunder, was denn diese Pläne sind? Wohlan. Da sich Auswärtige, etwa Aargauer, in der Stadt Zürich bestatten lassen können, möchte der Autor dereinst eingeäschert und auf dem Sihlfeld Friedhof beigesetzt werden. Nein, nicht in einem gewöhnlichen Gemeinschaftsgrab, sondern in einem Engel-Mietgrab. Das kostet pro Jahr etwas mehr als 200 Franken. Die schicke Adresse ist das Wert. Die Grabpflege ist ebenfalls im Preis inbegriffen, ebenso die Erwähnung des Namens auf einer hellen Steinplatte zu Füssen des Grabmals. So einen Vertrag mit dem Engel schliesst man in der Regel für 20 Jahre ab. Verlängerung ist möglich.

Martin Schuppli im Gespräch mit Dokumeantarfilmerin Eveline Falk und Kameramann Andreas Baumberger. (Foto: Bruno Torricelli)

Trauerrednerin weiss Bescheid

Die Planung geht natürlich weiter. Reden soll eine versierte Trauerrednerin. Eine Vertraute des Autors. Murielle Kälin. Mit ihr kann der Chronist locker über allfällige Schwerpunkte reden – etwa bei einem Apéro im Oltner Flügelrad.

Auch die Musik ist bestimmt. In Planungsdokument sind einige Lieblingsrockstücke erwähnt. Etwa von «Stairway to heaven» Led Zeppelin, von «Amoi segn wir uns wieder» von Andreas Gaballier oder von «Sea of Joy» von Blind Faith. Das ist nicht alles.

Urnenbeisetzung zu «Hymn to Freedom»

Während der Arbeit für DeinAdieu.ch lernte der Autor den Trompeter Christoph Luchsinger kennen. Er würde bei der eigentlichen Urnenbeisetzung auf dem Flügelhorn das «Hymn to Freedom» von Oscar Peterson spielen – mit Improvisationsteil. Der Start zu meiner letzten Reise werde allen durch Mark & Bein gehen, versprach der Thurgauer Musiker. «Das rüttelt an den Emotionen.»

Was gibts noch zu planen? Das Traueressen. Logisch würde der Autor gerne ins Zürcher Restaurant Birchegg einladen. Nur Michele Casale ist einige Jahre älter als der Autor. Und hier beginnt ein Punkt, über den es bei einer Bestattungsplanung nachzudenken gilt. Einer Bestattungsplanung, die der Verfasser jederzeit ändern kann.

Trotzdem, was bringts, wenn jemand mit 61 Jahren, im Dezember 2016 seine Bestattung plant? Erstens kommt es anders, und zweitens als der Autor denkt.

Bestattungsplanung bald normale Handlung

Das ist gut möglich. Trotzdem. Die geplante Bestattung bietet Anhaltspunkte. Legt Meilensteine fest. Angehörige können damit etwas anfangen. Es ist allen klar, wie viel Geld nötig ist, um alle Wünsche zu erfüllen. Musiker und Trauerrednerin sind junge Leute. Engel-Mietgräber wird es bestimmt in Zukunft noch geben. Die Parkfläche auf dem Friedhof Sihlfeld wird wachsen. Erdbestattungen wohl immer seltener werden. Das Sterben verliert Jahr für Jahr mehr von seinem Schrecken. Und die Bestattungsplanung wird wohl in einigen Jahren das normalste sein auf der Welt.

So ratet das DeinAdieu-Team den Leserinnen und Leser, nehmen Sie das unweigerlich eintretende Lebensende von der spielerischen Seite. Klicken Sie sich mal durch das Planungstool, notieren Sie Ihre Wünsche, Ihre Vorstellungen und Pläne. Drucken Sie schlussendlich ihr PDF aus und denken Sie nach. Der Tod ist eine Realität des Lebens. Wir tun gut daran, das zu anerkennen.

Text: Martin Schuppli /Fotos: Bruno Torricelli

Zürcher Themen-Mietgräber

Das Bestattungs- und Friedhofamt bietet seit einiger Zeit Themen-Mietgräber an. Sie befinden sich in den Friedhöfen Sihlfeld und Manegg und bieten für Leute der ganzen Stadt eine Alternative zum herkömmlichen Gemeinschaftsgrab.

Von Béatrice Christen ©Lokalinfo

Wer die letzte Reise angetreten hat, wird im Friedhof zur Ruhe gebettet. Das Bevölkerungsamt der Stadt Zürich bietet verschiedene Bestattungsmöglichkeiten an. Seit kurzem gehören Themen-Mietgräber dazu. Zurzeit befinden sich solche in zwei städtischen Friedhöfen.

Platz für 26 Urnen beim Engel

«Zürich West» hat mit Bruno Bekowies vom Bestattungs- und Friedhofamt das Themen-Mietgrab Engel im Friedhof Sihlfeld A aufgesucht. Ein historisches Grabmal, die Skulptur eines grossen Engels mit wallendem Gewand aus dem 18. Jahrhundert wacht über dieser Grabstätte, die eine Alternative zum herkömmlichen Gemeinschaftsgrab sein könnte. Im Themenmietgrab werden Urnen beigesetzt. In der Mietgebühr für 20 Jahre sind ein Teil des obligatorischen Grabunterhalts und die Gravur auf dem Inschriftenstab eingerechnet. Die Dauer der Mietzeit kann nach 20 Jahren verlängert werden. Der Ort der Urnenbeisetzung ist nicht gekennzeichnet, das gesamte Grab bietet Platz für 26 Urnen und ist mit Rasen bedeckt. Für Blumenschmuck, Kerzen und Gedenkzeichen steht ein gemeinsamer Ablageort zur Verfügung.

Mietgräber im Baumhain

Das zweite Themen-Mietgrab befindet sich im Friedhof Manegg. Wie es die Bezeichnung sagt, befinden sich dessen Urnengräber in einem Baumhain. Für die Grabstellen werden Grabkreuze aus Eisen zum Kauf oder historische Schmiedeeisen-Ausführungen im Nutzungsrecht angeboten. Auf dem gemieteten Grabplatz können zwei Urnen beigesetzt werden. In der Mietgebühr für 20 Jahre sind – im Gegensatz zum Themen-Mietgrab des Engels – das Grabmal aus Eisen, die Namensinschrift und ein Anteil am obligatorischen Grabunterhalt enthalten. Eine Verlängerung der Mietzeit ist möglich.

Die Gräber im Baumhain sind mit einer Krautschicht bedeckt. Blumenschmuck und Bepflanzung sind hier nicht möglich. Doch es besteht auch hier eine Ablagefläche für Blumen, Kerzen und Gedenkzeichen. Bruno Bekowies erzählt: «In den Themen-Mietgräbern werden nicht nur Urnen von in Zürich lebenden Menschen beigesetzt. Auch Auswärtige dürfen diese Art der Grabstätten nutzen. Für diese ist die Mietgebühr etwas höher als für die Einheimischen.»

Auf die Frage, ob in der Stadt Zürich weitere Themen-Mietgräber vorgesehen seien, sagt Bekowies: «Ja, im Laufe der Zeit werden bestimmt noch in anderen Friedhöfen Themen-Mietgräber eingerichtet.» Übrigens: Wer sich bereits zu Lebzeiten mit der künftigen Bestattungsart befasst, sollte daran denken, seine Wünsche dem Bestattungsamt zu melden. Oft entdecken die Angehörigen nämlich erst, wenn sie Einsicht ins Testament des Verstorbenen haben, was er sich im Hinblick auf seine letzte Reise gewünscht hätte. Leider ist es dann oft zu spät, weil der Verstorbene bereits beigesetzt ist.

Weitere Informationen unter www.stadt-zuerich.ch oder Telefon 044 412 31 70.

© 2016 bei Lokalinfo AG, Buckhauserstrasse 11, 8048 Zürich

 

  • Saxer Margrith

    Mann kann nie frühgenug alles erledigen und planen das erspart den Hinterbliebenen viel Stress,leider möchten viele Menschen vom Tod gar nicht reden,aber wenns zeit ist zum gehen wirst Du nicht gefragt.

  • Hans Schelling

    …. Puls vom 9.1. …. für mich war diese Sendung sehr speziell … Sargprobeliegen zB…. doch eher etwas makaber … unnötig und irgendwie distanzlos … schade!

  • Martin Schuppli

    Da, lieber Hans Schelling, können die Meinungen geteilt sein. Warum soll ich mich von einem Sarg distanzieren, warum soll ich mich vom Tod distanzieren. Nötig war das Probeliegen nicht. Aber mir hats gut getan. Und die anschliessenden Diskussionen mit meinem Umfeld, mit Töchtern, Freunden und Freundinnen waren sehr anregend. Ich bin froh in dieser Hinsicht distanzlos gewesen zu sein. Und noch etwas: Ihr Buch liest sich gut. Ich freue mich, Sie kennenzulernen.

  • Hans Schelling

    … lieber Martin Schuppli – ich ebenso – sicher eine gute Begegnung !

    • Martin Schuppli

      Ich meinte natürlich dein Buch. Herzlich

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