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Der Nachlass – Zusammensetzung der Erbmasse

Wenn ein Mensch verstirbt, hinterlässt er, je nach seiner persönlichen finanziellen Situation, unterschiedliche Gegenstände aus seinem Eigentum. Diese werden in einem Inventar geschätzt, im Nachlass zusammengefasst und unter den Erben aufgeteilt. Nicht immer kann der Nachlass die wertmässigen Ansprüche der Erben befriedigen. Wenn sie zu keiner Einigung gelangen, muss unter Umständen ein Teil des Nachlasses veräussert werden.

Artikel verfasst von Bernhard Gerstl, B.A. HSG in Law & Economics am
18. Mai 2018

Inventar, vermögenswerte Ansprüche und Erbteilung

Ausgangspunkt für die Bestimmung des Nachlasses ist in der Regel ein dem kantonalen Recht unterstelltes, obligatorisches Inventar. Dieses wird benötigt für die Erbteilung (Erbschaftsinventar) und die Veranlagung der Erbschaftssteuer (Steuerinventar; gegebenenfalls werden hier gewisse Wertkorrekturen zum Erbschaftsinventar vorgenommen).

Die Erstellung des Inventars übernimmt eine Urkundsperson, meist ein Notar, aufgrund der ihm durch Erben, Willensvollstrecker oder Erbschaftsverwalter eingereichten Unterlagen. Im Inventar sind auf der Aktivseite die Vermögensgegenstände des Erblassers und ihre Schätzung oder Bewertung ersichtlich. Auf der Passivseite finden sich offene Schulden und Verpflichtungen des Erblassers.

Jeder einzelne Erbe hat binnen Monatsfrist nach Eintritt des Todesfalls ausserdem das Recht, ein öffentliches Inventar zu verlangen. Es ist allen Beteiligten zur Einsicht verfügbar, damit diese ihre Ansprüche abklären können. Die Ansprüche beziehen sich, wenn nicht testamentarisch anders verfügt, bloss auf einen Geldwert, nicht aber auf einzelne Sachen.

Bewegliche Sachen und Vorsorgeleistungen

Den zahlenmässig grössten Anteil am Nachlass bilden üblicherweise bewegliche Sachen (Fahrnis). Relativ einfach festzustellen ist die Erbmasse bei alleinstehenden oder verwitweten Erblassern. Bei Ehepaaren (siehe dazu: Der Nachlass verheirateter Erblasser) hingegen kann es Probleme bereiten, abzugrenzen, welche Gegenstände des gemeinsamen Haushaltes im Eigentum des Erblassers stehen und welche dem überlebenden Ehegatten gehören. Gegenstände im Besitz des jeweils anderen Ehegatten wandern zurück zu ihrem ursprünglichen Eigentümer.
Da anders als bei Grundstücken kein Register geführt wird, muss der Notar an dieser Stelle auf Erklärungen und Dokumentation von Erblasser und Angehörigen zurückgreifen. Hinzu kommt die zwingende güterrechtliche Auseinandersetzung, bei der die Vermögensmassen der Ehegatten ausgeschieden werden.

Gesondert zu behandeln sind Guthaben und Anwartschaften aus Vorsorgeplänen. Aus der 1. Säule AHV/IV besteht unter gewissen Bedingungen ein Anspruch auf Witwer-, Witwen- oder Waisenrenten. Die Guthaben der beruflichen Vorsorge (2. Säule) werden nicht nach dem Erbrecht, sondern nach eigener Regelung im Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge durch die Pensionskassen ausbezahlt. Private Vorsorgestiftungen und Versicherungen der 3. Säule zahlen allfällige Saldi direkt an die Begünstigten aus.

Grundstücke und dingliche Rechte daran

Seltener, dafür aber von umso grösserem Wert sind Immobilien, die einen Bestandteil des Nachlasses bilden.

Beim Grundstücksübergang unter Lebenden bedarf es zur Wirksamkeit einer öffentlichen Beurkundung des Verpflichtungsgeschäfts (meist ein Grundstückskaufvertrag). Anders im Todesfall: Hier kann der Berechtigte das Grundstück auch per letztwilliger Verfügung übertragen.
Eigentümer sowie dinglich Berechtigte an Grundstücken (Liegenschaften und Anteile daran, selbständige und dauernde dingliche Rechte wie zum Beispiel Dienstbarkeiten, Grundlasten, Pfandrechte, etc.) sind sodann im Grundbuch einzutragen (Verfügungsgeschäft) und damit eindeutig identifizierbar.

Dafür ergibt sich aus dem hohen Wert von Liegenschaften ein Problem in der Erbteilung: Ist der Schätzwert eines Grundstücks so hoch, dass er einen überwiegenden Anteil an der Erbschaft ausmacht, können möglicherweise die Ansprüche oder gar Pflichtteile einzelner Erben aus dem restlichen Nachlass nicht befriedigt werden. Das Grundstück fällt entweder den Erben zu Miteigentum zu oder muss durch den Erwerber ausgekauft werden. Kommt kein Konsens zustande, muss im schlimmsten Fall die Liegenschaft veräussert und die Erbteile in bar ausbezahlt werden. Dabei kann es zu erheblichen Abschlägen kommen, was den Interessen der Erbengemeinschaft ebenso zuwiderläuft. Erblasser wie Erben sind also gut beraten, Grundstückserbschaften rechtzeitig und einvernehmlich zu regeln.

Im Todesfall werden die Vermögensgegenstände des Erblassers inventarisiert und bilden den Nachlass bzw. die Erbmasse. Zu unterschiedlichen Zwecken existieren unterschiedliche Inventartypen. Die Erben wirken an der Erstellung des Inventars durch Urkundspersonen mit und können selbst Informationsrechte wahrnehmen.
Das Vermögen des Erblassers wird ausgesondert, geschätzt und nach den Regeln über die Erbteilung aufgeteilt. Besondere und kompliziertere Verfahren bringen ihrer Natur nach Anwartschaften sowie in vielen Fällen Grundbesitz mit sich.

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