Soll ich einen Vorsorgeauftrag erstellen oder doch lieber eine Patientenverfügung? (Beispielbild iStock)
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Unterschied Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung – brauche ich beides?

Sowohl der Vorsorgeauftrag als auch die Patientenverfügung dienen der Vorsorge für den Fall, dass eine plötzliche Handlungs- und/oder Urteilsunfähigkeit eintreten sollte. Die Patientenverfügung bezieht sich auf die Vertretung in medizinischen Fragen,der Vorsorgeauftrag auf die Vertretung in verschiedenen Fragen des alltäglichen Lebens.

Artikel verfasst von Jil Zaugg, M.A. HSG in Law am
14. Februar 2019

Der Vorsorgeauftrag

Der Vorsorgeauftrag muss strengen Formvorschriften genügen, um gültig zu sein. Er muss, wie ein Testament, von Anfang bis zum Ende eigenhändig verfasst, datiert und unterschrieben werden.

Falls Ihnen die eigenhändige Ausfertigung Mühe bereiten sollte, können Sie auch eine im jeweiligen Kanton zuständige Urkundsperson, z.B. einen Notar, damit beauftragen. Das Verfahren der öffentlichen Beurkundung ist in jedem Kanton unterschiedlich geregelt. Deshalb müssen Sie sich in ihrem Wohnkanton informieren, welche Personen dort beurkunden dürfen.

Mit dem Vorsorgeauftrag beauftragt eine handlungsfähige Person für den Fall ihrer späteren Urteilsunfähigkeit eine oder mehrere natürliche oder juristische Personen mit der Erledigung der von ihr festgelegten Aufgaben und erteilt die entsprechenden Vollmachten.

Der Vorsorgeauftrag kann vom Erteilenden nach Wunsch festgelegt werden. Er lässt sich für einzelne Teile oder die gesamte Personen (z.B. Pflegemassnahmen) und Vermögenssorge (Finanzen) sowie die Vertretung im Rechtsverkehr erteilen. Höchstpersönliche Rechte können allerdings nicht übertragen werden. Die Ausfertigung eines Testaments bspw. lässt sich per se nicht delegieren.

Die als Vertreter gewählte Person muss sowohl urteils-, als auch handlungsfähig sein. Für die Vermögensvorsorge kann auch eine juristische Person beauftragt werden. Dies ist bei der Personenvorsorge wiederum nicht möglich.

Ein Vorsorgeauftrag ist vor allem für Lebenspartner im Konkubinat wichtig, denn ein gesetzliches Vertretungsrecht kommt nur Ehegatten zu.

Die Patientenverfügung

Sollte ein medizinischer Notfall vorliegen, entscheiden die behandelnden Ärzte über die medizinischen Massnahmen beim Patienten in seinem Interesse und nach seinem mutmasslichen Willen.

Falls kein dringender Notfall vorliegt, klärt das medizinische Team ab, ob die Person eine Patientenverfügung verfasst und eine Ansprechperson für medizinische Belange definiert hat. Wenn Sie keine Patientenverfügung verfasst haben, gibt das ZGB die Reihenfolge der zu befragenden Personen vor.

Gemäss ZGB werden nacheinander konsultiert:

der Beistand oder die Beiständin mit Vertretungsrecht bei medizinischen Massnahmen

der Ehegatte/die Ehegattin (gleichgestellt: eingetragene Partner)

der Lebenspartner (Konkubinat)

die Kinder

die Eltern

die Geschwister

Ausserdem können in einer Patientenverfügung Details für das eigene Ableben (Bestattungswünsche) festgelegt werden.

Des Weiteren kann der Verfasser selbst Grundsätze der medizinischen Behandlungen festlegen. Dies können Behandlungswünsche je nach Stadium einer Erkrankung, medizinische Behandlung im Sterbeprozess, Vorrang lebenserhaltender Massnahmen, etc. sein.

Die Patientenverfügung muss nicht ganz so strengen Formvorschriften genügen. Es können vorgedruckte Formulare verwendet werden. Sie müssen allerdings Ort, Datum und Unterschrift enthalten. Die Patientenverfügung geht dem Vorsorgeauftrag vor.

Die Errichtung einer Patientenverfügung und der Ort der Hinterlegung des Dokuments können auf der Versichertenkarte der Krankenkasse eingetragen werden, um die Auffindung zu erleichtern.

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