Mehr als nur ein Grab – eine würdige Gedenkstätte (Bild: iStock)
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Mehr als nur ein Grab – eine würdige Gedenkstätte

Während die Bestattung ein prägendes, aber letztlich punktuelles Ereignis ist, überdauert das Grab meist viele Jahrzehnte. Deshalb macht es Sinn, wenn Sie sich überlegen, ob Sie ein klassisches Grab wünschen, und falls ja, wo Sie in welcher Art von Grab bestattet werden möchten – oder ob Sie sich eine alternative Bestattungsart in der Natur besser vorstellen können. DeinAdieu.ch zeigt auf, welche Möglichkeiten Sie haben.

Artikel verfasst von Bernhard Gerstl, B.A. HSG in Law & Economics am
14. September 2018

Was ist ein Grab?

Das Grab ist die letzte Ruhestätte, in der ein verstorbener Mensch bestattet wird; in den Worten unseres erfahrenen Beirats Jean-Louis Parel ist es «der letzte Wohnsitz eines Stillgewordenen». Wie bei der Zeremonie des Begräbnisses, bei der die Angehörigen Abschied nehmen und den Sarg bzw. die Urne platzieren, ist der Leichnam bzw. die Asche im Inneren des Grabes von grundlegender Bedeutung. Gedenkstätten, an denen keine sterblichen Überreste zu finden sind, können  Verstorbenen etwa als Mahnmal oder Schrein gewidmet werden. 

Gräber sind abhängig vom Verfahren der Bestattung in unterschiedlichen Varianten denkbar: Einerseits bietet sich die Möglichkeit des klassischen Erdgrabes am Friedhof, in das der Sarg hinabgelassen wird, andererseits kann eine Urne mit Asche an unterschiedlichen Plätzen beigesetzt oder ausgestreut werden.

Welche Form herrscht in der Schweiz vor?

Nachdem in der Schweiz die Kremation bevorzugt wird (heutzutage über 80 Prozent), sind Urnengräber innerhalb wie ausserhalb von Friedhöfen am häufigsten anzutreffen. Die Tendenz zum Urnengrab hin ist eine Entwicklung der jüngeren Geschichte im Zusammenhang mit der Erlaubnis auch durch die katholische Kirche. Dies hat zur Folge, dass auf den historisch gewachsenen Friedhofsgeländen in der Schweiz die freien, ungenutzten Grünflächen grösser werden. Hinzu kommen unterschiedliche Typen der Naturbestattung, die Friedhöfe explizit meiden und sich wachsender Beliebtheit erfreuen, ohne Grabplätze zu beanspruchen. Im Zuge der Säkularisierung der Gesellschaft erwartet Jean-Louis Parel nach seiner langjährigen Erfahrung im Zürcher Bestattungswesen insgesamt eine weitere Zunahme von Kremationen sowie von Gemeinschaftsgräbern. 

Die Erdbestattung ist besonders verbreitet in ladinischen und orthodoxen Kreisen sowie in unterschiedlichen Freikirchen, weist also einen starken Zusammenhang mit dem Glauben des Stillgewordenen auf. 

Wichtig ist auch, dass Gemeinwesen im konkreten Einzelfall aus ökonomischen oder raumplanerischen Überlegungen keinen Druck auf Betroffene in eine bestimmte Richtung ausüben; am Ende ist die Grabwahl eine höchstpersönliche Entscheidung, in die nicht leichtfertig eingegriffen werden darf.

Deinadieu.ch bietet eine Vorstellung einzelner Grabarten an, die Ihnen dabei helfen können, Informationen über einen für Sie geeigneten Typ zu finden.

Friedhofzwang in der Schweiz?

Der Friedhofszwang gilt in der Schweiz nur für den Sarg mit dem Leichnam des Verstorbenen. Dieser muss in einem Erdgrab bestattet werden. Eine Urne kann grundsätzlich an beliebigen Orten aufbewahrt oder ausgestreut werden. Eine gewisse politische Kontroverse besteht um die Grenzen des Ascheausstreuens: Nicht zuletzt aus Pietätsgründen gibt es laufend Bestrebungen, das Ausstreuen an gewissen Orten zu untersagen oder auf ausgewählte Zonen zu beschränken, beispielsweise am Bodensee oder am Zürichsee. Angesichts der geringen Auswirkungen auf die Umwelt steht Jean-Louis Parel den Einschränkungen des Ascheausstreuens eher kritisch gegenüber. Zweifelsohne aber ist es die Aufgabe von Politik und Verwaltung, Rahmenbedingungen stellen, unter denen Ausstreuungen gemeinverträglich und statthaft sind, etwa mit der Regulierung gewerblicher Beisetzungen durch Bestattungsunternehmen. 

Braucht es überhaupt eine Grabstätte als Ort des Gedenkens?

Jede/r Angehörige muss für sich spüren, ob er für sein/ihr Gedenken eine Grabstätte braucht, oder ob es genügt, einen spirituellen Ort zu haben, an dem man einem Stillgewordenen begegnen kann. Dabei handelt es sich um eine Frage des individuellen Loslassens, der persönlichen Einstellung zu Abschied und Gedenken. 

Von zentraler Bedeutung dabei sind die Wünsche des Verstorbenen, da sein Wille keinesfalls übergangen werden sollte. Doch auch der Verstorbene muss nicht nur an sich denken, sondern idealerweise mit den Angehörigen klären, ob ein Ort des Gedenkens sinnvoll und gewünscht ist, denn am Ende liegt die Entscheidung und die Verantwortung bei ihm. Bei Uneinigkeit kann häufig ein klärendes Beratungsgespräch helfen, eine Kompromisslösung zu finden, die die Standpunkte und Ansichten der Betroffenen zusammenführt.

Wider Erwarten finden sich auch im 21. Jahrhundert nicht wenige junge Leute, die ihre Angehörigen auf Friedhöfen besuchen. Jean-Louis Parel schreibt dies der besonderen Atmosphäre auf Friedhöfen zu. Sie sind vielfach als wie Parks angelegt und damit Orte, an denen man zur Ruhe kommen, in sich gehen und gedenken kann.

Wer kümmert sich um ein Grab?

Die Entscheidung für eine bestimmte Grabform ist richtungsweisend dafür, wie diese später zu pflegen ist. Neben den Hinterbliebenen, die im Zuge ihrer Grabbesuche häufig Blumen und Kerzen mitbringen, werden grössere Aufgaben, die die Kapazitäten der Angehörigen übersteigen, durch professionelle Betreuer übernommen.

Wünscht jemand einen Grabstein mit individueller Gravur, so kann dieser bei einem Steinmetz bestellt werden. Nicht wenige Unternehmen haben sich dabei auf die Herstellung von Grabsteinen spezialisiert und können darüber hinaus Expertise und fachmännischen Rat anbieten. 

Bei einem Haingrab sollte sich nach der Bepflanzung weiterhin ein Gärtner um die Pflege und Erhaltung des Grabschmucks kümmern, um ihn in einem guten Zustand zu erhalten.

Auch Bestatter pflegen häufig Kontakte zu Steinmetz- und Gärtnereibetrieben und können so Empfehlungen abgeben sowie Betroffene vermitteln.

 

Das Grab ist die letzte Ruhestätte eines Stillgewordenen; es ist gleichzeitig ein Platz des spirituellen Andenkens für Hinterbliebene und der Ort, an dem sterbliche Überreste bestattet werden. In letzter Zeit haben sich zahlreiche unterschiedliche Typen von Gräbern entwickelt, viele Leute verzichten inzwischen auch gänzlich auf eine physische Grabstätte. Sie bevorzugen eine sogenannte Naturbestattung. Dieser Trend hat mit der Liberalisierung des Umgangs mit der aus der Kremation hervorgehenden Asche zu tun und wird sich noch weiter verstärken. Unabhängig davon ist die Wahl der Grabart eine zutiefst individuelle Entscheidung, die einzig bei den Betroffenen liegt und von deren Abschiednahme abhängt. Verschiedene Gräber sind in der fortlaufenden Pflege unterschiedlich aufwändig, sodass eine professionelle Betreuung vor allem im Zusammenhang mit einer klassischen Erdbestattung bzw. einem Haingrab ratsam sein kann.

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