Bestattung, die mit der Zeit geht – Körperspende, Anatomiegrab & Kryonik

Die Körperspende – Sterbliche Überreste in den Dienst des Gemeinwohls stellen

 Die Körperspende ist ein jahrhundertealtes Institut, bei dem der Spender seine gesamten sterblichen Überreste für Forschungs- und Lehrzwecke in den Fächern Medizin oder Biologie zur Verfügung stellt. Universitäten und andere Forschungsstätten sind auf Körperspenden angewiesen, um angehende Ärzte in Präparier- und Operationskursen bestmöglich auf ihre spätere Arbeit und Berufung, das Retten menschlichen Lebens, vorzubereiten. Neue chirurgische Verfahren werden an gespendeten Körpern getestet, bevor sie am lebenden Menschen zum Einsatz gelangen. In den Worten des Anatomischen Instituts der Universität Zürich: «Die Körperspende ist ein Akt der Solidarität und das Geschenk eines Menschen an seine Mitmenschen, insbesondere an die nächste Generation.» Nach Abschluss der Untersuchungen am gespendeten Körper kann dieser auf Wunsch nach wie vor traditionell beigesetzt werden. Die Städte Zürich und Basel beispielsweise bieten Körperspendern sogar kostenlos die Möglichkeit, ihre Urne im Ehrengrab der Anatomie (Gemeinschaftsgrab) beizusetzen.

Wie kann ich meinen Körper spenden?

Die meisten Universitäten bzw. Institute haben eigene Reglemente und Merkblätter zur Körperspende, die Voraussetzungen sowie Modalitäten festlegen. Es empfiehlt sich daher, zunächst ein Institut zu kontaktieren, sich ausführlich über das Körperspendeverfahren zu informieren und sodann per hinterlegtem Formular anzumelden.

Viele Institute in der Schweiz stellen die wesentlichen Informationen auch online zur Verfügung:

Die Organspende – Nach dem Tod noch Leben retten

 Anders als bei der Körperspende wird bei der Organspende, wie schon die Bezeichnung vorwegnimmt, nicht der gesamte Körper eines Verstorbenen zur Verfügung gestellt, sondern einzelne Organe. Auch geschieht dies nicht primär für Forschungs- oder Ausbildungszwecke, sondern mit der Absicht, konkrete Organtransplantationen und damit die Rettung anderer Leben zu ermöglichen. In der Schweiz gilt die sogenannte «erweiterte Zustimmungslösung», was bedeutet, dass für die Organspende die aktive Zustimmung des Spenders bzw. seiner Angehörigen benötigt wird. Der Spender kann seinen Willen in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung dokumentieren; diese gehen Auskünften der Angehörigen vor. Hat der Verstorbene keine Stellungnahme zur Organspende dokumentiert, so können die Hinterbliebenen gemäss seinem mutmasslichen Willen entscheiden. Ohne ausdrückliche Zustimmung bleibt die Entnahme von Organen untersagt.

Kryonik – Science-Fiction oder Realität?

Ein Verfahren, das bis vor wenigen Jahren noch tief in der Welt der Science-Fiction verortet wurde, gewinnt zunehmend an Popularität: die Kryonik. Es handelt sich dabei um das unverzügliche, schonende Einfrieren der präparierten Körper verstorbener Menschen auf minus 196°C, in der Hoffnung, sie durch technischen Fortschritt in der Zukunft zurück ins Leben holen zu können. Wie seriöse Forscher auf dem Gebiet zugeben, steckt die Kryonik nach wie vor in ihren Kinderschuhen und momentane Erfolgsaussichten sind begrenzt. Doch der exponentielle Fortschritt der Wissenschaft im 20. und 21. Jahrhundert lässt hoffen: Viele natürliche Todesursachen, einst als unerklärlich und unvermeidlich abgetan, sind heute kein Thema mehr. Das Verfahren der Kryokonservierung ist allerdings experimentell und dementsprechend kostspielig. Der Schweizerische Verein für Kryonik, CryoSuisse, gegründet durch den Basler Molekularbiologen Patrick Burgermeister, ist hierzulande federführend auf dem Gebiet. Die internationalen Pioniere finden sich demgegenüber in den USA, Großbritannien und Russland, wo ihnen die liberale Rechtslage entgegenkommt.

Zur Übersicht der Grabarten

 

Fortschritte in unterschiedlichen Disziplinen von Anatomie über Medizin bis hin zur experimentellen Kryonik machen es heute möglich, den eigenen Körper über den Tod hinaus zur Verfügung zu stellen, sei es für das andere Menschen oder für eine spätere Wiederbelebung. Bei der Körperspende wird der gesamte menschliche Körper als Forschungsobjekt hingegeben, bei der Organspende zur Transplantation einzelner Körperteile an Mitmenschen, die diese dringend benötigen. Das Präparieren und Einfrieren des menschlichen Körpers (Kryonik) soll ein Zurückholen in der Zukunft ermöglichen.

Weitere Artikel zum Thema:

«Ohne gespendete Lunge wäre ich tot»

«Wenn ich tot bin, brauche ich meine Organe nicht mehr»

Organspende: Dr. Franz Immer über die Lebensqualität von Transplantierten

Organspende: Hirntote sind für Gabriel Looser Sterbende und keine Toten

Patientenverfügung

Kommentar verfassen