Tierhalter sollten die Vorsorge für ihren Liebling frühzeitig regeln

Unzählige Tiere brauchen Schutz und Hilfe. Sie benötigen Liebe und Unterstützung. Dafür engagiert sich der Zürcher Tierschutz. Alexandra Schmid, Verantwortliche für Stiftungen und Nachlässe, und Marcus Rocca, Verantwortlicher für Grossspenden und Philanthropie, beantworteten Fragen zum Thema Tiervorsorge.

Ohne meinen siebenjährigen Hund Bilbo könnte ich mir das Leben nicht mehr vorstellen. Wir gehen zusammen spazieren, ich füttere ihn regelmässig, sorge mich um seine Gesundheit, spiele mit ihm. Er dankts mit fröhlichem Wesen und grosser Treue. Manchmal heischt er bellend nach einem Zusatz-Leckerli. Meist lässt sich der Chef erweichen.

Nicht allen Hunden und Katzen gehts so gut wie meinem «Müllkind» aus Griechenland. Alexandra Schmid und Marcus Rocca vom Zürcher Tierschutz erzählen mir andere, traurige Geschichten. Die beiden engagierten Mitarbeiter beschaffen die dringend benötigten finanziellen Mittel, damit sich die Organisation u.a. um Findelkinder und Verzichtshunde kümmern kann. «Ist ein Hund beispielsweise nicht sozialisiert, müssen wir mit ihm arbeiten», sagt Alexandra Schmid. «Werden uns Findeltiere gebracht, müssen sie in der Regel gesundheitlich versorgt werden, manche brauchen gar Physiotherapie.» 

Neue Tierhalter finden, braucht Zeit

Nicht selten kommts vor, dass jemand auf sein Haustier verzichten will, verzichten muss. So ein Tier landet, wenns ihm gut gehen soll, beim Zürcher Tierschutz. Dann gälte es, abzuklären, ob überhaupt Platz im Tierhaus vorhanden sei. Würden sie es aufnehmen, müssten die Vorbesitzer etwas bezahlen. Marcus Rocca: «Haben wir mögliche neu Halter gefunden, kontrollieren wir, ob das Plätzchen geeignet ist. Wir wollen wissen, ob das Tier in einer Familie landet, obs Kinder hat und sich der Hund oder die Katze dort wohlfühlen wird.»

Marcus Rocca, Zürcher Tierschutz
Marcus Rocca wuchs mit Tieren auf. Sein Grossvater, ein Wildaufseher, habe ihm Dinge erklärt, die er heute noch wisse. «Meine Liebe zu den Tieren hat wohl dort ihren Ursprung», sagt der Engadiner. (Foto: Paolo Foschini)

Der Zürcher Tierschutz kümmert sich um alle vernachlässigten Tiere

Manchmal landen Tiere beim Zürcher Tierschutz, weil sie von den Behörden beschlagnahmt werden mussten. Etwa weil sie vernachlässigt wurden oder weil eine Halterbewilligung fehlt. Bis in solchen Fällen ein Gerichtsurteil gültig ist, lebt das Tier bei den Tierschützern. Und die kümmern sich nicht nur um Hunde und Katzen, sondern ebenso um Kleintiere. Etwa um Kaninchen, Meerschweinchen, Schnecken, Schlangen oder andere Exoten.

Tiere schützen, aufpäppeln, medizinisch versorgen, für sie Plätzchen organisieren und diese kontrollieren, das kostet Geld. Alexandra Schmid und Marcus Rocca erklären im Interview, wie sie das nötige Geld beschaffen, wie sie Spenderinnen, Spender gewinnen und betreuen. 

Frau Schmid, Herr Rocca: Wer mit Haustieren zusammenlebt, sollte vorsorgen, was nach dem Tod des Tierhalters geschehen soll. Wie macht man das?
Alexandra Schmid: Wer die Obhut und Pflege des eigenen Haustieres im Todesfall übernimmt, sollte im Testament handschriftlich festgehalten werden. Dabei ist es wichtig, die Person oder Organisation im Vorfeld darüber in Kenntnis zu setzen und über gesundheitliche Probleme, Pflegebedarf und bisherige Tierarztpraxis zu informieren. Der Zürcher Tierschutz stellt Textvorlagen zur Verfügung, um diese Regelung im Testament zu integrieren. (siehe Vorsorge-Flyer)

Gibt es die Möglichkeit ebenso für einen Spitalaufenthalt oder für Ferienzeiten vorzusorgen?
Marcus Rocca: Ferien können glücklicherweise im Voraus geplant werden, und somit kann auch der Verbleib des Haustieres geregelt werden. Sollte niemand aus dem persönlichen Umfeld die Betreuung übernehmen können, gibt es Tierferienpensionen. Der Zürcher Tierschutz führt ebenfalls ein Katzenferienheim.

Alexandra Schmid, Zürcher Tierschutz
Alexandra Schmid geniesst das Zusammensein mit den vielen Tieren im Tierhaus am Züriberg. «Es ist die schönste Umgebung, die man haben kann.» (Foto: Paolo Foschini)

Nach Schicksalsschlägen unnötiges Tierleid verhindern 

Alexandra Schmid: Gesundheitliche Probleme oder einschneidende Schicksalsschläge können unvermittelt eintreten. Damit Tiere in solchen Situationen nicht unnötig leiden, sollte auf jeden Fall das persönliche Umfeld über deren Existenz informiert werden. Weiter ist es empfehlenswert, stets eine Notfallkarte mit dem Hinweis auf das Haustier bei sich zu tragen. Dadurch kann im Notfall schnell reagiert und sich um das daheim gelassene Tier gekümmert werden. Wir raten frühzeitig abzuklären, welche Privatperson oder Organisation bereit ist, sich im Notfall um das Tier zu kümmern. Um die Obhut und Pflege für diesen Zeitraum rechtskräftig festzulegen, sollte ein Vorsorgeauftrag erstellt werden. Auch hierzu kann beim Zürcher Tierschutz eine Textvorlage angefordert werden (siehe Informationen auf Webseite).

Kennen Sie die Menschen, die einen Tiervorsorgeauftrag ausgefüllt haben und die Dienste des Zürcher Tierschutz in Anspruch nehmen?
Marcus Rocca: Über den Grossteil der Vorsorgeaufträge werden wir in Kenntnis gesetzt. Dies ist wichtig, damit wir alle notwendigen Informationen zum Tier haben und eine reibungslose und schnelle Aufnahme bei uns sicherstellen können. 

Da müssen Sie Fragen klären.
Alexandra Schmid: Genau. Beispielsweise, wer hat Zugang zum Haus? Wie kann das Tier am schnellsten transportiert werden? Grundsätzlich helfen wir aber in jedem Fall notleidenden Tieren und nehmen diese wenn möglich in unserem Tierhaus auf. Ungeachtet dessen, ob ein Vorsorgeauftrag besteht oder nicht. Jedoch können den Tieren mit einer solchen Vereinbarung lange Wartezeiten erspart und bei gesundheitlichen Problemen eine schnelle Behandlung sichergestellt werden. 

Marcus Rocca, Zürcher Tierschutz
Marcus Rocca hält privat zwei Hunde. Einen Flatcoated Retriever und einen Jack Russell. Zudem trainiert er Therapiepferde auf einem Pferdehof. (Foto: Paolo Foschini)

Heimtiervorsorge als kostenlose Dienstleistung

Was machen Menschen, die zunehmend an Demenz leiden? Wie lange können sie ihre Tiere zuverlässig versorgen?
Marcus Rocca: Das ist sehr individuell und hängt ebenso vom Umfeld ab. Ist eine Person alleinstehend und kann keine Unterstützung vom persönlichen Umfeld erwarten, muss eine anderweitige Lösung gefunden werden. Hier kann der Zürcher Tierschutz Unterstützung bieten.

Wie finanzieren Sie Ihre Arbeit? 
Alexandra Schmid: Unsere Dienstleistungen im Bereich der Heimtier-Vorsorge stellen wir unentgeltlich zur Verfügung, denn im Zentrum steht für uns das Tierwohl. Finanziert wird dies, so wie alle Tierschutzprojekte des Zürcher Tierschutzes, ausschliesslich durch Spendengelder. Interessierte haben jederzeit die Möglichkeit, unsere Arbeit in Tierschutz und -fürsorge vor Ort kennen zu lernen.

Können Legate oder Spenden für ein spezielles Projekt gesprochen werden?
Marcus Rocca: Generell sind Privatspenden nicht zweckgebunden. Gerade bei Legaten kann auf Wunsch des Legatgebers, der Legatgeberin festgelegt werden, für welche bestehenden Tierschutzprojekte das Geld eingesetzt werden soll.

Alexandra Schmid und Marcus Rocca, Zürcher Tierschutz
Alexandra Schmid: «Zu Hause halte ich derzeit leider noch kein Tier. Es passte bis anhin nicht. In der Freizeit arbeite ich aber regelmässig auf einem Gnadenhof.» (Foto: Paolo Foschini)

Mit welchen Vorsorge- resp. Tierhaltungsproblemen wenden sich die Leute an Sie?
Alexandra Schmid: Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass nur Personen ohne ein persönliches Umfeld mit einer Organisation für ihre Haustiere vorsorgen. Oftmals besitzen die Kinder oder Bekannte beispielsweise bereits eigene Haustiere. Ist die geliebte Katze ein klar erklärter Einzelgänger, würde das neue Zuhause mit weiteren Katzen deren Bedürfnissen nicht gerecht werden. 

Sie müssen eine andere Lösung finden.
Marcus Rocca: Richtig. Und zwar zum Wohl des Tieres. In solchen Fällen kann ebenfalls mit dem Zürcher Tierschutz vorgesorgt werden. Muss die Tierhalterin, der Tierhalter in ein Pflegeheim, muss geklärt werden, ob das Haustier mit einziehen kann. In einigen Einrichtungen ist dies möglich. Dabei muss bedacht werden, wer das Tier im Todesfall übernehmen kann. Der Zürcher Tierschutz führt eine Kooperation mit einer Pflegeheim-Gruppe, da gibts Pflegeplätze sowie betreute Wohnungen. Wir nehmen im Notfall die Tiere der Bewohner, der Bewohnerinnen, bei deren vorübergehender Abwesenheit, in Obhut und Pflege. Zusätzlich kann auf Wunsch der Bewohner, der Bewohnerinnen die Vorsorge im Todesfall mit dem Zürcher Tierschutz vereinbart werden.

Alexandra Schmid: Kann eine Person aus dem persönlichen Umfeld die Fürsorge übernehmen, muss dies vorab besprochen werden. Oftmals gehen Tierhalter, Tierhalterinnen davon aus, dass eine ihnen nahestehende Person diese Aufgabe übernehmen würde, es wurde aber noch nie darüber gesprochen. In diesem Fall sollte man unbedingt das Einverständnis im Vorfeld einholen und das Vorgehen im Notfall besprechen.

Marcus Rocca: Weiter bietet der Zürcher Tierschutz für generelle Tierhaltungsprobleme eine kostenlose Heimtierberatung an unter der Telefonnummer +41 44 261 97 14. Und zwar von Montag bis Donnerstag, von 9 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr. Die häufigsten Fragen sind hier zusammengestellt.

Welches Anliegen möchten Sie an dieser Stelle formulieren?
Alexandra Schmid: Haustiere sind oft der beste Freund des Menschen und nicht selten vollwertiges Familienmitglied. Doch die Vorsorge für den tierischen Gefährten ist nur selten geregelt. Wir möchten Tierhalterinnen und Tierhalter dazu anhalten, für ihre Lieblinge vorzusorgen, damit diese im Notfall gut versorgt sind. 

Frau Schmid, Herr Rocca, ich danke Ihnen für dieses Gespräch und für Ihr grosses Engagement.

Interview: Martin Schuppli, Fotos: Paolo Foschini

Der Zürcher Tierschutz ist Partner von DeinAdieu. Hier finden Sie das Profil.

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