Ein Willensvollstrecker ist nicht dasselbe wie ein Erbschaftsverwalter, beiden Funktionen weisen aber viele Gemeinsamkeiten in ihren Aufgaben auf. (Beispielbild: iStock)
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Der Unterschied zwischen Willensvollstrecker und Erbschaftsverwaltung

Auf den ersten Blick scheint es, dass Willensvollstreckung und Erbschaftsverwaltung eine ähnliche, wenn nicht sogar die gleiche Funktion, mit unterschiedlichen Begriffen umschreiben. Dass dem aber in der Praxis nicht so ist und was die Unterschiede sind, erklären wir Ihnen im Folgenden.

Artikel verfasst von Bernhard Gerstl, B.A. HSG in Law & Economics am
04. März 2019

Der Willensvollstrecker handelt im Auftrag des Erblassers

Der Erblasser kann nach Art. 517 ZGB durch Verfügung von Todes wegen (Testament oder Erbvertrag) eine oder mehrere Personen mit der Vollstreckung seines letzten Willens beauftragen. Dafür kommen sowohl natürliche als auch juristische Personen infrage.

Notwendig ist, dass diese für die Dauer ihrer Aufgabe handlungsfähig sind. Natürliche Personen müssen also volljährig und urteilsfähig sein, bei juristischen Personen müssen die nach Gesetz und Statuten erforderlichen Organe bestellt worden sein. Die Willensvollstrecker benötigen die Handlungsfähigkeit, um Rechtsgeschäfte im Interesse des Erblassers bzw. seiner Erbmasse wahrzunehmen. Ist dem Testament keine anderslautende Bestimmung zu entnehmen, so können mehrere Willensvollstrecker nur gemeinsam handeln.

Ihr Auftrag wird ihnen von Amtes wegen durch die Eröffnungsbehörde mitgeteilt und sie haben Anspruch auf eine angemessene Vergütung für ihre Funktion, die zumeist aus den hinterlassenen Vermögenswerten beglichen wird. Bei einfachen Sachverhalten mit niedrigem Konfliktpotential sollte man sich aus Kostengründen daher fragen, ob die Einsetzung eines Willensvollstreckers überhaupt notwendig ist. Seine wichtigsten Aufgaben umfassen in der Regel die Tilgung offener Schulden, die Erledigung administrativer Aufgaben sowie die Bewirtschaftung und Werterhaltung des Nachlasses. Er bereitet ferner die Erbteilung vor, vermittelt zwischen den Erben und setzt sonstige Wünsche des Erblassers in die Tat um.

Es ist ratsam, eine vom Erblasser wie auch den Erben unabhängige Person mit der Willensvollstreckung zu betrauen, da nur so Interessenkonflikte zuverlässig vermieden werden können. Spezialisierte Institutionen bringen wertvolle Fachkenntnisse im Erbrecht sowie z.B. in Geldanlage- oder Steuerangelegenheiten mit sich. Sie sind, anders als einzelne natürliche Personen, auch weniger dem Risiko von Arbeits- oder Amtsunfähigkeit ausgesetzt. Zudem haben solche Dienstleister ein distanziertes Verhältnis zum Erbfall und den daran Beteiligten, was wichtig ist, um Ungleichbehandlungen der Erben vorzubeugen und den letzten Willen des Erblassers neutral zu auszuführen.

Die Erbschaftsverwaltung wird von Amtes wegen angeordnet

Die amtliche Erbschaftsverwaltung wird in besonderen, vom Gesetz vorgesehenen Fällen, durch die Eröffnungsbehörde (zwingend) angeordnet, namentlich im Interesse eines dauernd und ohne Vertretung abwesenden Erben, wenn kein Anwärter sein Erbrecht nachzuweisen vermag oder das Vorhandensein eines Erben ungewiss ist oder wenn nicht alle Erben bekannt sind (Art. 554 f. ZGB). Das Gesetz kann darüber hinaus weitere Fälle umschreiben, in denen die Erbschaftsverwaltung greift.

Solange er unter der Obhut der Erbschaftsverwaltung steht, ist den Erben der Zugriff auf den Nachlass verwehrt. Der Erbschaftsverwalter nimmt die Sachen in seinen Besitz, erstellt ein Inventar und erledigt auf dessen Grundlage die notwendigen administrativen Handlungen bis zum Abschluss des Erbgangs.

Das erste Bindeglied zwischen Willensvollstreckung und Erbschaftsverwaltung ist Art. 518 ZGB, dessen erster Absatz bestimmt, dass sich die Rechte und Pflichten des eingesetzten Willensvollstreckers mit denen der amtlichen Erbschaftsverwaltung decken, sofern der Erblasser ihm nicht besondere Weisungen und Befugnisse erteilt hat.

Das zweite ist Art. 554 ZGB, laut dessen zweiten Absatz einem allfälligen Willensvollstrecker zugleich die Aufgaben der Erbschaftsverwaltung zu übertragen sind, da es doch Überschneidungen der beiden Funktionen gibt.

Ein Willensvollstrecker ist nicht dasselbe wie ein Erbschaftsverwalter. Der Willensvollstrecker wird durch den Erblasser per letztwilliger Verfügung ernannt, die Erbschaftsverwaltung von Gesetzes wegen durch die Eröffnungsbehörde angeordnet. Obwohl sich ihre Entstehungsgründe unterscheiden, weisen die beiden Funktionen viele Gemeinsamkeiten in ihren Aufgaben auf, sodass sie in gewissen Fällen zusammenfallen können.

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