Das öffentliche Inventar - Bilanz der Verstorbenen
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Das öffentliche Inventar – Bilanz der Verstorbenen

Durch den Tod eines geliebten Mitmenschen wird die Erbteilung eingeleitet. Teilweise ist jedoch die finanzielle Lage des Verstorbenen unklar und die Erben laufen Gefahr, sich bei Annahme der Erbschaft einen Schuldenberg aufzubürden. Ein öffentliches Inventar erleichtert die Entscheidung über das Schicksal der Erbschaft und verschafft Klarheit über seine Zusammensetzung.

Artikel verfasst von Dario Buschor, B.A. HSG in Law & Economics am
27. Februar 2019

Das wichtigste in Kürze

Bei Unklarheit über die Ergiebigkeit einer Erbschaft empfiehlt es sich, ein öffentliches Inventar erstellen zu lassen. Dieses ist bei der Behörde, bei welcher auch die Ausschlagung gemeldet werden müsste, zu ersuchen (siehe dazu: Vorlage Aufnahme öffentliches Inventar in unserem Downloadcenter). Die Frist dazu beträgt einen Monat ab dem Tod des Erblassers bzw. ab Kenntnis des Todes und kann von jedem Erben beantragt werden. Nachdem das öffentliche Inventar erstellt wurde, haben die Erben wiederum einen Monat Zeit um zu entscheiden, wie es mit der Erbschaft weitergehen soll. Das öffentliche Inventar hat zusätzlich den Vorteil, dass sich die Erbenhaftung bei seiner Annahme auf die aufgeführten Schulden beschränkt.

Der Rechnungsruf

Um ein öffentliches Inventar zu erstellen, fordert die zuständige Behörde alle Schuldner und Gläubiger auf, ihre Schulden und Forderungen anzumelden. Dazu veröffentlicht das Amt die Personalien des Verstorbenen sowie einen Hinweis auf die Folgen der Unterlassung der Anmeldung. Den Gläubigern und Schuldnern wird eine Frist zur Anmeldung gesetzt. Nach deren Ablauf wird das öffentliche Inventar geschlossen.

Achtung Kostenfalle!

In der Regel werden die Kosten direkt mit dem Nachlass verrechnet. Reichen jedoch die flüssigen Mittel der Erbschaft voraussichtlich nicht aus, um die Gebühren zu decken, verlangt das zuständige Amt vom Gesuchsteller einen Kostenvorschuss. Dieser kann mehrere Tausend Franken betragen. Dazu kommen Anordnungskosten der Gerichte. Bei Vorhandensein der Mittel wird der gesuchstellende Erbe aus dem Nachlass entschädigt, ansonsten haftet er mit seinem Kostenvorschuss. Deshalb ist es vor allem bei kleineren Erbschaften immer ratsam, gut darüber nachzudenken, ob sich die Erstellung eines öffentlichen Inventars auch lohnt.

Siehe auch: „Hilfe, ich erbe Schulden!“ – Das Erbe ausschlagen

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