Kerstin Schlagenhauf arbeitet auf dem Zürcher Friedhofsamt und schminkt regelmässig Verstorbene Menschen. (Foto: Bruno Torricelli)
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«Eine Tote soll hübsch aussehen. Wie friedlich schlafend.»

Kerstin Schlagenhauf, Mitarbeiterin beim Bestattungs- und Friedhofamt in Zürich schminkt auf Wunsch Verstorbene.

Artikel verfasst von Martin Schuppli, Autor am
06. Januar 2016

Kerstin Schlagenhauf, Mutter zweier erwachsener Töchter, hat einen ungewöhnlichen Beruf. Sie empfängt auf dem Zürcher Friedhofsamt Angehörige von Verstorbenen, oder sie berät Menschen, die sich Gedanken über den Tod machen und sich für «das Sterben in Zürich» interessieren. Zusätzlich richtet sie, wenn gewünscht, Verstorbene kosmetisch wieder her.

Schminken nach einem Foto des Verstorbenen

Die gelernte Visagistin erklärt, was das heisst, was abläuft:  «Zuerst desinfiziere ich Verstorbene, schaue darauf, dass Mund, Augen geschlossen sind. Ich wasche, wenn nötig, den Verstorbenen die Haare. Kaschiere Hautverfärbungen mit Schminke, je nach Wunsch schminke ich den Damen Augen und Lippen, lackiere Nägel. Für das optimale Resultat benötige ich von den Angehörigen ein Foto des Verstorbenen, der Verstorbenen. Das hilft mir beim optimalen Herrichten. Denn schon die falsche Lage des Scheitels oder der Fransen kann das Bild verfälschen. Anschliessend kontrolliere ich die Lage, die Haltung sowie die Sauberkeit des Verstorbenen im Sarg.

Mein Wunsch ist, den Angehörigen ein schönes letztes Bild des geliebten Menschens zu hinterlassen. Nicht nur der erste Eindruck auch der Letzte bleibt»
Niemand kann die Wege des Schicksals verstehen
Den Anblick eines toten Menschen macht Kerstin Schlagenhauf nichts aus. «Ich wuchs in einer Familie auf, wo die Gespräche rund ums Sterben, rund um den Tod allgegenwärtig waren. Oft ging ich mit meiner Oma auf den Friedhof. Wohl darum hatte ich keine Berührungsängste, als Freiwillige Menschen in den Tod zu begleiten.» Trotz allem gibt es Momente, wo es auch für die erfahrene Frau schwierig ist, zu verstehen, warum das Schicksal gerade diesen jungen Menschen dahinraffte. «Dann bin ich froh, kann ich es abends mit meinem Mann besprechen, oder im Team darüber reden.»

Der Trauerschmerz hört nie ganz auf

Schöne Momente sind es jeweils, wenn sich Angehörige bedanken für die Arbeit der Visagistin. «Letzthin sagten mir Eltern, dass sie gemeint hätten, ihre Tochter würde noch atmen.» Kerstin Schlagenhauf strahlt viel Herzlichkeit aus und sie verfügt über eine Menge Empathie, Einfühlungsvermögen also. «Da kam eine Dame zu mir und wollte wissen, wie lange denn so ein Trauerschmerz anhalten würde. Nun, ich erklärte ihr, es sei wie nach einer Operation. Dann tue die Wunde weh, aber sie wachse zu. Bei den einen schneller, bei den anderen langsamer, aber die Schmerzen würden nachlassen. Zurück bliebe eine Narbe die bei gewissen Situationen immer wieder aber immer weniger Schmerzen auslösen könne. Die Narbe würde nie ganz verschwinden. So in etwa ist es beim Trauerschmerz.»

Kerstin Schlagenhauf und DeinAdieu-Autor unterhalten sich beim Zürcher Bellvue über «wie-friedlich-schlafend) geschminkte Stillgewordene. (Foto: Paolo Foschini)

«Ich habe gelernt, den Moment zu geniessen»

Zum Schluss will der Autor wissen, was sich denn im Leben verändert, wenn jemand einen Job auf dem Friedhofsamt hat? Wenn jemand täglich Trauernde empfängt, ihnen zuhört, sie berät. Sie tröstet. Kerstin Schlagenhauf lächelt leicht, schweigt einen Augenblick und sagt dann: «Ich habe gelernt, den Moment zu geniessen. Auch wenn es nicht immer gelingt, versuche,ich mich nicht bei Dingen aufzuregen, die ich nicht ändern kann. Ich weiss, alles ist vergänglich und es gibt viel Schlimmeres als mir bisher widerfahren ist. Ja. Ich bin dankbar, dass es meiner Familie und mir so gut geht.»

Interview: Martin Schuppli/Fotos: Bruno Torricelli/Paolo Foschini

Stadt Zürich
Bestattungs- und Friedhofamt
Stadthausquai 17, Stadthaus, 8001 Zürich
Tel. +41 44 412 31 78 | Fax +41 44 212 06 90

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