Pascal Vincent, Leiter Friedhof der Stadt Luzern, in «seinem» Friedental. (Foto: Peter Lauth)
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Friedhof Friedental. Oase für ewige Ruhe

Pascal Vincent, Leiter Friedhof in Luzern, zeigt DeinAdieu sein Friedental und erklärt, wie sich der einstige Gottesacker zum prächtigen Park entwickelte.

Artikel verfasst von Martin Schuppli, Autor am
24. Juni 2016

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Luzern. Eine Stadt der Superlativen. Die Leuchtenstadt liegt am Vierwaldstättersee, einem der schönsten Schweizer Seen, und am Fuss des Pilatus, einem der prächtigsten Berge im Alpenraum. Zudem trumpft die Zentralschweizer Metropole auf mit einem weltberühmten Holzbauwerk: der Kappellbrücke. Damit nicht genug: Der Friedhof Friedental ist einer der schönsten im Land.

Der Friedhof als multifunktionaler Raum

Hier betreten Interessierte einen Park. Einen Ort der Stille, des Nachdenkens, des In-sich-Verharrens. Eine Oase der Ruhe. Pascal Vincent, Leiter Friedhof, gelernter Landschaftsgärtner und Bauführer Gartenbau lächelt, bedankt sich für diese Komplimente. «Für mich ist das Friedental nicht nur ein Ort der Verstorbenen, sondern auch ein Ort der Begegnung. Ein multifunktionaler Raum. Ein Ort der Entschuldung sowie eine ökologisch wertvolle Fläche für die Artenvielfalt von Flora und Fauna».

Ein Friedhof mit unterschiedlichsten Grabformen

Der Friedhof Friedental, 1885 eingeweiht, ist mit seinen 17 Hektaren Fläche nicht nur der grösste Luzerner Friedhof, sondern auch der fünftgrösste Friedhof der Schweiz. Das Angebot an Bestattungsformen ist vielfältig. Pascal Vincent zählt sie auf: «Neben den traditionellen Reihen-, Familien-, Platten und Hallengräbern bieten wir weitere Grabformen an. Etwa das Kinderfeld für frühverstorbene und totgeborene Kinder sowie die Baum- und Eichenwaldgräber. Dann natürlich die verschiedenen Gemeinschaftsgräber mit und ohne Namensnennung, ein Gemeinschaftsgrab für Erdbestattungen, eine Gedenkstätte der aufgehobenen Gräber, ein Grabfeld für Muslime, einen alten und einen neuen jüdischen Friedhof, sowie, ausserhalb des Friedhofs, eine Wasserbeisetzungsstelle an der Reuss für Hindus.»

Vier Weltreligionen bestatten im Friedental ihre Toten

Zurzeit deckt das Luzerner Friedhofsamt die Bestattungsbedürfnis von vier der fünf grossen Weltreligionen ab. «Wir stehen im engen Kontakt mit weiteren Glaubensgemeinschaften und mit freischaffenden Personen», sagt Pascal Vincent. «Durch diesen Austausch versuchen wir unser Angebot stets den verschiedenen Bedürfnissen anzupassen. Denn der Friedhof befindet sich, wie die Gesellschaft, in einem ständigen Wandel.»

Angeleinte Hunde dürfen mit ins Friedental

Die Regeln im Friedental sind sehr tolerant. So dürfen beispielsweise Menschen ihre Hunde angeleint mitnehmen. Wo die Grenzen seien, wollte der Autor vom 34-jährigen Leiter des Friedhofs wissen? «Alles, was die Würde des Ortes und der Verstorbenen stören könnte, tolerieren wir nicht. Gleichzeitig möchten wir die fünf Stadtluzerner Friedhöfe für die Bevölkerung öffnen, um für das Thema Sterben, Tod zu sensibilisieren.»

Kultur hat ihren Platz auf dem Friedhof

Auf den Luzerner Friedhöfen ist deshalb Platz für kulturelle Events. Eine der grössten Veranstaltung dieses Jahres ist der «Tag des Friedhofs» am Samstag, 17. September 2016. Thema: «Denkanstösse Sterben – Tod». «Bei uns finden regelmässig kulturelle Anlässe statt», sagt Pascal Vincent. «Es gibt Gesangsdarbietungen des Kinder- und Kirchenchors. Denkbar sind auch Ausstellungen, Vernissagen, Lesungen oder sinnliche Konzerte.»

Servicezentrum rund um Tod und Sterben

Als weitere Dienstleistung für die Bevölkerung wurde das Empfangsgebäude im Friedental umgebaut zu einem eigentlichen Servicezentrum rund ums Sterben, um Bestattungen sowie Aufbahrungen etc. «Die zentrale Anlaufstelle ‹Sterben – Tod› ist im Februar 2016 sehr gut angelaufen und wird sehr geschätzt», sagt Pascal Vincent. «Melden die Leute einen Todesfall, lernen sie alle Dienstleistungen der Friedhofsverwaltung kennen. Für die Angehörigen ist nur noch ein Behördengang nötig. Das schafft Vertrauen zu unseren Mitarbeitenden und zum Ort. Die Leute schätzen, dass wir mehr Zeit haben für sie. Sie können die Räume anschauen und sich vor Ort über Bestattungsformen orientieren.»

Den Bestattungsprozess entschleunigen

Mit dem zentrieren der Dienstleistungen an einen Ort, wollte das Luzerner Zivilstandsamt und das Friedhofsamt den Bestattungsprozess entschleunigen. «Genau das ist unser primäres Ziel», sagt Pascal Vincent. «Viele Angehörige möchten nach einem Todesfall alles sofort erledigt und abgeschlossen haben. Oft treffen sie in dieser Ausnahmesituation Entscheide, die sie im Nachhinein bedauern.» Und genau da soll die neue Anlaufstelle greifen. «In einer einfühlsamen Beratung zeigen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Kunden die Vor- und Nachteile der einzelnen Bestattungsmöglichkeiten. So helfen wir mit, Fehlentscheide zu vermeiden.»

Pascal Vincent, Leiter Friedhof Luzern und DeinAdieu-Autor Martin Schuppli

Interview im Friedental: Pascal Vincent, Leiter Friedhof Luzern im Gespräch mit DeinAdieu-Autor Martin Schuppli. (Foto: Peter Lauth)

Mit Rat und Tat Vertrauen schaffen

Familien die sich nicht einig sind über die Grabart, haben die Möglichkeit, über eine Entscheidung nachzudenken, sie zu überschlafen und ihren Wunsch der Friedhofsverwaltung später, in aller Ruhe, mitzuteilen. «Zudem stellen wir immer wieder fest, dass die Bevölkerung sehr dankbar ist für unsere Dienstleistung, den Beisetzungstermin in Absprache mit den Kirchgemeinden zu organisieren. Auch melden wir Verstorbene an zur Kremation. Wir informieren zudem das Zivilstandsamt und stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite. Das schafft Vertrauen.»

In Luzern finden jährlich noch ungefähr 90 bis 100 Erdbestattungen statt. Das sind ungefähr 10 bis 15 Prozent aller Beerdigungen. Pascal Vincent: «So ist es möglich, die Friedhofanlage Friedental gemäss einem Parkpflegewerk* unseren Bedürfnissen stetig anzupassen.» Zurzeit stehen die vier weiteren Luzerner Friedhöfe im Fokus der Verwaltung. «Wir prüfen neuen Grabformen, die wir auf diesen Friedhöfen eventuell einführen möchten.»

Text: Martin Schuppli | Fotos: Peter Lauth

* Ein Parkpflegewerk ist ein Instrument der Gartendenkmalpflege. Es gründet auf einer Analyse und Dokumentation historischer Gärten, Parks, Plätze sowie Grünanlagen und fasst die Massnahmen zu ihrer Pflege, Erhaltung und Restaurierung in einer Planung zusammen. Zweck eines Parkpflegewerks ist es, dabei auf der Grundlage dieser Informationen unter allen Beteiligten ein verbindliches Programm für die Pflege, Unterhaltung oder Umgestaltung einer Gartenanlage zu erzielen und so ihren Denkmalwert nachhaltig zu sichern.

Museumswiese erhaltenswerter Grabdenkmäler im Luzerner Friedental Friedhof. (Foto: Peter Lauth)

Idyllisch gelegen: Museumswiese erhaltenswerter Grabdenkmäler. (Foto: Peter Lauth)

Stadt Luzern, Friedhofverwaltung
Friedentalstrasse 60, 6004 Luzern
Tel. +41 41 240 09 67
Öffnungszeiten Büro/Auskunft: Mo bis Fr 8 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr
www.stadtluzern.ch

Der Friedhof Friedental ist mit den Buslinien 18 und 19 erreichbar und täglich durchgehend geöffnet.

Aufbahrungshallen: Täglich 7.30 bis 20 Uhr geöffnet
Bestattungszeiten: Mo bis Fr jeweils 8 bis11.30 Uhr,
Urnenbeisetzungen zusätzlich am Nachmittag 13.30 bis 15 Uhr

Links vor dem Hauptportal des Friedhofs Friedental und bei der Halle Ost befinden sich rollstuhlgängige WC-Anlagen. Gehbehinderten Personen stellt die Friedhofverwaltung einen Rollstuhl zur Verfügung.

Mehr Informationen zum «Tag des Friedhofs» in Luzern
PDF Download

  • Therese Hunziker

    Meine Mutter hat wo wir auch waren den Friedhof besucht

  • Christine Schütz

    Mein Onkel ruht auf diesem schönen Friedhof

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