Sorgfältig schiebt Bestatter David Näf einen Sarg in den Bestattungswagen. (Foto: Daniela Friedli)
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Bestat­tun­gen: Mit klei­nen Ges­ten gros­se Wir­kung erzie­len

Mit lei­sen Tönen und char­man­ten Ges­ten küm­mern sich die Bestat­tungs­un­ter­neh­mer David Näf und Mari­an­na Rein­hard um Still­ge­wor­de­ne.

Artikel verfasst von Martin Schuppli, Journalist BR am
05. Februar 2016

Lei­se, fast bedäch­tig, schiebt David Naef einen Sarg über die Schot­ter­stei­ne zum unauf­fäl­li­gen, creme­far­be­nen Kas­ten­wa­gen. Eini­ge Vögel zwit­schern, in der Fer­ne röhrt ein Trak­tor, noch wei­ter weg hört man das hohe Krei­schen einer Motor­sä­ge. Sonst ist es still. Die Räder des Wägel­chens sind luft­ge­fe­dert. Da stört kein Hol­pern, da schlägt nichts auf. Beim Auto ange­kom­men, hebt der Bestat­ter den Sarg vor­ne behut­sam an. Stellt ihn auf ein Stück Tep­pich und schiebt ihn vor­sich­tig hin­ein in den so genann­ten Lei­chen­wa­gen. Oben auf dem schlich­ten Holz­sarg liegt eine rote Rose. Unge­fähr dort wo das Herz des Ver­stor­be­nen ist. Eine noble Ges­te. Geräusch­los schiebt Näf den ein­fa­chen Holz­sarg ganz ins Auto und ver­schliesst dann lei­se, fast zärt­lich, die Türe.

Bestattung. Rote Rose auf dem Sarg

Eine rote Rose liegt auf jedem Sarg und beglei­tet den Ver­stor­be­nen auf sei­nem letz­ten Weg. (Foto: Danie­la Fried­li)

Es sind die lei­sen Töne, die einen beein­dru­cken, wenn man das Bestat­tungs­un­ter­neh­men Finis in Stett­len BE kon­tak­tiert. Viel­leicht lernt man zuerst Mari­an­na Rein­hard ken­nen, Bestat­te­rin und Trau­er­red­ne­rin. Ihr ist wich­tig, die ver­wir­ren­den Gefüh­le und Ängs­te im Ange­sicht des Todes zu beach­ten, sie zu wür­di­gen. «Es ist die­se Stil­le, die sich aus­brei­tet. Sie kann andäch­tig sein, einen oft aber auch ohn­mäch­tig machen. Und genau die­ser Stil­le öff­ne ich mein Herz, höre hin, um die Bot­schaft des Augen­blicks zu ver­neh­men», sagt sie. Mit trau­ern­den Men­schen sucht Mari­an­na das Gespräch. «Gemein­sam fin­den wir den Weg, der dem Ver­stor­be­nen gerecht wird und gleich­zei­tig den Abschieds­schmerz lin­dert, ihn gar hei­len kann. Als pen­sio­nier­te Heim­lei­te­rin mach­te ich es mir zur Auf­ga­be, Men­schen auf die­sem Abschnitt acht­sam zu unter­stüt­zen. Es erfüllt mich tief, wenn ich spü­re, dass sie mir ver­trau­en.»

Der Geschäfts­part­ner von Mari­an­na Rein­hard ist David Naef, Bestat­ter, Trau­er­red­ner und Musi­ker auf Kla­vier und Akkor­de­on. Er stu­dier­te Phi­lo­so­phie und Reli­gi­ons­wis­sen­schaf­ten, lern­te früh, sich mit den zen­tra­len Fra­gen des Lebens aus­ein­an­der­zu­set­zen. Und die­ses Leben woll­te Naef hand­fest ken­nen­ler­nen. «Dar­um lern­te ich nach dem Stu­di­um noch Bau­er. Schloss als eidg. dipl. Bio­land­wirt ab. Wäh­rend die­ser Zeit war es mir mög­lich, mich ganz kon­kret mit dem Leben beschäf­ti­gen. Ich melk­te Kühe, half bei Gebur­ten, säte Acker­früch­te und ern­te­te sie. Ich leb­te mit den Jah­res­zei­ten, setz­te mich mit dem Leben und mit dem Ster­ben auf dem Bau­ern­hof aus­ein­an­der.»

«Vie­les an mei­ner Arbeit ist Hand­werk – geis­tig und emo­tio­nal»

Der Span­nungs­bo­gen zwi­schen geis­ti­ger und boden­stän­di­ger Welt bewog Naef dann dazu, einen Beruf zu wäh­len, der bei­des in sich ver­eint. «Und die­sen Beruf habe ich gefun­den. Als Bestat­ter ste­he ich in Situa­tio­nen, in denen das Erle­ben echt und unmit­tel­bar ist. Vie­les an mei­ner Arbeit ist Hand­werk – geis­tig und emo­tio­nal.»

Die Drit­te im Bund ist Gabrie­la Sie­gen­tha­ler. Sie küm­mert sich und Admi­nis­tra­ti­on und Sup­port. «Es war eine neue Erfah­rung für mich, zu rea­li­sie­ren, dass unser Leben mit einem kon­kre­ten End­da­tum ver­se­hen ist. Mehr und mehr erah­ne ich, wie wun­der­voll tröst­lich es ist, an die­ser Weg­zwei­gung ein­fühl­sa­me Men­schen an der Sei­te zu wis­sen. Men­schen, die sich zuver­läs­sig um das For­mel­le küm­mern. Men­schen, die vor allem aber da sind, um Mut zu machen. Men­schen, die einen bewusst hel­fen, in der Trau­er den per­sön­li­chen Weg zu suchen – und zu fin­den.»

Bestatter Team Finis GmbH Stettlen

Das Bestat­tungs Trio von Finis in Stett­len BE: David Naef, Mari­an­na Rein­hard und Gabrie­la Sie­gen­tha­ler (von links) mit Gol­den Ret­ri­ver Will­ma. (Fotos: Danie­la Fried­li, ihrefotografin.ch)

Dem Finis-Team liegt der sorg­sa­me Umgang mit Ver­stor­be­nen und Ange­hö­ri­gen am Her­zen. «Denn die­ser Umgang ist Aus­druck unse­rer Lie­be gegen­über den Leben­den und gegen­über den Toten», sagt Gabrie­la Sie­gen­tha­ler.

Wird David Naef in einen Haus­halt geru­fen, wo ein Ver­stor­be­ner, eine Ver­stor­be­ne zu bekla­gen ist, trägt er in der Regel All­tags­klei­dung. Im Kit­tel aber steckt immer ein Poschett­li. «Das ver­leiht mei­nem Auf­tritt eine gewis­se Wür­de, ohne dass ich die Kun­din­nen, Kun­den schwarz­ge­klei­det und mit Kra­wat­te beschä­me, wenn sie mir wei­nend, viel­leicht im Trai­ner und in Adi­let­ten, die Haus­tü­re öff­nen.»

Als Bestat­ter ein Gene­ral­un­ter­neh­mer

Die Bestat­ter von Finis sehen sich als kom­plet­te Dienst­leis­ter. «Wir bie­ten einen Voll­ser­vice, erfül­len, was immer die Kun­den, Kun­din­nen wün­schen», sagt David Naef. «Wir klei­den Ver­stor­be­ne ein, berei­ten sie für eine Auf­bah­rung vor. Die kann zu Hau­se statt­fin­den. Auch wäh­rend der Som­mer­mo­na­te. Dafür gibts spe­zi­el­le Kühl­plat­ten. Es eilt also nicht so sehr mit der Kre­ma­ti­on oder der Erd­be­stat­tung. Muss ein Enkel aus Neu­see­land anrei­sen, ist das kein Pro­blem.» Die Bestat­ter von Finis orga­ni­sie­ren und koor­di­nie­ren die Auf­bah­rung, die Trau­er­fei­er, suchen nach geeig­ne­ten Räum­lich­kei­ten. Auf Wunsch ver­fas­sen David oder Mari­an­na Lebens­läu­fe, hal­ten Trau­er­re­den, füh­ren wür­di­ge Abschieds­ri­tua­le durch. Sie ver­sen­den Leid- und Dan­kes­kar­ten, gestal­ten Zei­tungs­in­se­ra­te, orga­ni­sie­ren den Grab­schmuck und reser­vie­ren das pas­sen­de Restau­rant für ein Leid­mahl, ver­pflich­ten die Musi­ker.

Bestat­tun­gen nicht nur im Raum Bern

Finis führt für sei­ne Kun­din­nen, Kun­den Abschieds­fei­ern und Bestat­tun­gen vor allem im Raum Bern durch, aber auch im Rest der Schweiz . So eine Fei­er kann auf einem Fried­hof sein, in einer Kir­che, im Säli eines Restau­rants, in der Natur – ganz nach den per­sön­li­chen Wün­schen des Ver­stor­be­nen, resp. sei­ner Ange­hö­ri­gen.

«Die einen haben ihren Tod vor­be­rei­tet. Schrie­ben nie­der, was für eine Art der Bestat­tung sie wün­schen, oft steht da, wie die Fei­er gestal­tet wer­den soll, was in den Leid­zir­ku­la­ren und Todes­an­zei­gen ste­hen soll», sagt David Naef. «Ande­re haben kei­ne Anwei­sun­gen hin­ter­las­sen. Das kann die Ange­hö­ri­gen ganz schön her­aus­for­dern. Wer unvor­be­rei­tet kon­fron­tiert wird, den Abschied von einem gelieb­ten Men­schen zu orga­ni­sie­ren, zu koor­di­nie­ren, ist mög­li­cher­wei­se über­for­dert. Dann ist Trau­er­ar­beit kaum mög­lich. Das Team von Finis über­nimmt die­se Arbeit, erle­digt den Büro­kram. Mari­an­na Rein­hard: «Dann hel­fen wir, hal­ten uns im Hin­ter­grund und sor­gen dafür, dass die Fei­er wür­dig gestal­tet ist.» So kön­nen sich die Hin­ter­blie­be­nen ganz auf den Abschied und die neue Lebens­si­tua­ti­on kon­zen­trie­ren. Mari­an­na Rein­hard: «Sie sol­len sich sicher auf­ge­ho­ben füh­len in dem, was der Tod an äus­se­ren Hand­lun­gen und inne­rer Ver­ar­bei­tung ver­langt. Wie viel und was sie an Unter­stüt­zung brau­chen, ent­schei­den in jedem Fall die Kun­din­nen, Kun­den.»

Text: Mar­tin Schuppli/Fotos: Danie­la Fried­li

finis GmbH, Bern­stras­se 1
3066 Stett­len BE
Bestat­tung Tag und Nacht: Tel. 031 944 44 00
info@finis.ch  |  www.finis.ch

  • Mar­tin Schupp­li

    Dank David, Mari­an­na und Gabrie­la habe ich Berüh­rungs­ängs­te abge­baut. Der Tod, das Ster­ben ver­liert sei­nen Schre­cken.

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