Dr. med. Daniel Zimmermann, Hausarzt Affoltern am Albis. (Foto: Bruno Torricelli)
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«Als Hausarzt bin ich Teil eines interdisziplinären Teams»

Hausärzte, Hausärztinnen können keine Einzelkämpfer mehr sein. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist gefragt. DeinAdieu.ch sprach mit Daniel Zimmermann, Hausarzt in Affoltern am Albis.

Artikel verfasst von Martin Schuppli, Autor am
19. Juli 2016

Herr Zimmermann, wer gehört zu den Ansprechpartnern des Hausarztes?
Dr. med. Daniel Zimmermann FMH, Facharzt für Innere Medizin sowie Facharzt für Endokrinologie und Diabetologie: Zu meinen Ansprechpartnern in der Altersmedizin gehören natürlich in erster Linie die Patienten und ihre Angehörigen. Sie sind wichtiger als alle anderen Mitspieler. Als nächstes kommen dann oft Spitex oder ähnliche Organisationen, die zu Hause helfen. Immer wieder arbeite ich zusammen mit der medizinischen Abteilung des lokalen Spitals und natürlich mit der Palliativ Care unseres Bezirksspitals. So bin ich als Hausarzt Teil eines interdisziplinären Teams.

Wie kann der Hausarzt mithelfen, seinen Patienten ein möglichst selbstbestimmtes Lebensende zu ermöglichen?
Der Patient wünscht heute in den meisten Fällen ein selbstbestimmtes Lebensende. Im Vordergrund steht dabei oft das Verbleiben zu Hause. Ich versuche grundsätzlich, allen meinen Patienten, dabei zu helfen. Das heisst, ich mache bei Bedarf Hausbesuche und koordiniere die verschiedenen Mitspieler und Organisationen.

Wo sehen Sie als Hausarzt die Notwendigkeit von Exit, Dignitas oder Lifecircle? Diese Organisationen ermöglichen ihren Mitgliedern unter vorgegebenen Umständen den Freitod?
Eine direkte Notwendigkeit von Exit, Dignitas oder Lifecircle sehe ich nicht. Allerdings ist der Suizid heute in der Allgemeinheit als konfliktfreies Ende des Lebens nicht anerkannt. Dort können diese Organisationen eventuell helfen. In meiner Erfahrung ist die vorbereitende Diskussion mit dem Patienten und seiner Familie über das Thema Freitod bei Weitem das Wichtigste.

Was bleiben einem Betroffenen für Alternativen, wenn er die Diagnose Demenz erhält, aber nicht zum Pflegefall werden möchte? Also ein selbstbestimmtes Lebensende ins Auge fasst?
Für ein selbstbestimmtes Lebensende mit der Diagnose Demenz gibts nur zwei Möglichkeiten: Suizid oder den Service einer Freitod-Organisation.

Kann der Hausarzt Vertrauensperson sein?

Wo sehen Sie die Gefahr, dass alte Menschen das Gefühl bekommen, sie hätten kein Recht, alt zu werden?
Eine sehr schwierige Diskussion. Dieses Gefühl sollten alte Menschen auf keinen Fall bekommen. Sie haben das Recht auf ein Leben. Sie haben das Recht auf ein Leben in Krankheit oder in der Pflege. Das Denken, sie sollten keine Kosten mehr verursachen, finde ich persönlich grauenhaft.

Wer sein Lebensende selbst bestimmen möchte, braucht eine Patientenverfügung, braucht eine Vertrauensperson. Kann das der Hausarzt sein?
Der Hausarzt sollte sich grundsätzlich für die Diskussion zur Verfügung stellen, allerdings nicht als erste Vertrauensperson, sondern als Fachmann mit Wissen um die Vorteile und die Probleme einer solchen Verfügung. Die erste Vertrauensperson ist mit Vorteil eine Person aus dem engen Familien- oder Freundeskreis.

Unterhalten sich über Altersmedizin: Dr. Roland Kunz, Dr. Daniel Zimmermann, Dr. Markus Minder und Dein Adieu-Autor Martin Schuppli (v.l.n.r.).

Unterhalten sich über Altersmedizin: Dr. Roland Kunz, Dr. Daniel Zimmermann, Dr. Markus Minder und Dein Adieu-Autor Martin Schuppli (v.l.n.r.). Foto: Bruno Torricelli

Wie beraten Sie Ihre Patienten, Patientinnen betreffend Patientenverfügung.
Ich weise meine Patienten auf die Patientenverfügung der FMH hin, also der Verbindung Schweizer Ärzte und Ärztinnen. Dort gibts Patientenverfügungen in kurzer oder langer Form. Diese genügen aus meiner Sicht vollkommen.

Patienten, Patientinnen brauchen möglicherweise das Gespräch mit einer umfassend informierten Person, also einem Hausarzt, einer Hausärztin. Haben Sie Zeit dafür?

Ich nehme mir immer die Zeit für ein Gespräch. Nur wird sie eingeschränkt durch die Bedürfnisse aller andern Patienten, die auch noch warten und mit mir sprechen möchten.

Darum hat unser Interview nun sein Ende. Danke, Daniel Zimmermann.

Interview: Martin Schuppli/Fotos: Bruno Torricelli

 

www.fmh.ch

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