Älterer Herr setzt seine Ersatzerben in Form eines handschriftlichen Testaments fest (Beispielbild: iStock)
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Ersatzerben

Für den Fall, dass ein Erbe vorverstirbt oder das Erbe ausschlägt, sollte man Vorkehrungen treffen, indem man sogenannte „Ersatzerben“ festlegt. So kann der Erblasser sicherstellen, dass die von ihm gewünschten Personen in jeder Konstellation erben. Die Ersatzerbeneinsetzung ist von der Nacherbeneinsetzung abzugrenzen.

Artikel verfasst von Jil Zaugg, M.A. HSG in Law am
16. August 2018

Wieso braucht es Ersatzerben?

Es gibt Konstellationen, in denen der ursprünglich vorgesehene Erbe nicht mehr erbfähig ist und der Erblasser auch keine Möglichkeit mehr hat, einen anderen Erben einzusetzen. Man denke z.B. an einen gemeinsamen Unfall des Erblassers und des gewünschten Erben. So kann es sein, dass anstelle des eigentlich gewünschten Erben dessen Nachkommen zum Zug gelangen, was der Erblasser unter Umständen gar nicht so gewünscht hat.

In Patchwork-Konstellationen kann es beispielsweise vorkommen, dass dann die Kinder der vorverstorbenen neuen Partnerin erben, obwohl der Erblasser diesen Teil evtl. lieber seinen eigenen Kindern aus einer vorherigen Beziehung überlassen hätte. Wenn man seine gewünschte Erbfolge in allen Konstellationen durchsetzen möchte, lohnt es sich, auch Ersatzerben zu benennen. Die Ersatzerbeneinsetzung ist in Art 487 ZGB geregelt. Sie kann jederzeit wieder aufgehoben werden. Selbstverständlich ist es auch denkbar, eine juristische Person als Ersatzerben zu ernennen.

Wie formuliert man eine solche Klausel?

Einen Ersatzerben kann man durch eine Klausel im Testament oder Erbvertrag festlegen:

„Bei Wegfall meiner Schwester als Erbin (wegen Vorversterbens, Ausschlagung oder Erbunwürdigkeit) soll meine Lebenspartnerin XY Ersatzerbin sein“.

Es ist auch möglich, dass der Erblasser mehrere Personen als Ersatzerben ernennt. Der Erblasser kann verschiedene Ersatzerben miteinander ernennen (bspw. „als Ersatzerben bestimme ich meine Tante sowie meinen Bruder je zu einer Hälfte“). Auch bei der Bestimmung von Ersatzerben müssen die allfälligen Pflichtteile anderweitig bestehender gesetzlicher Erben unbedingt berücksichtigt werden, da sie sonst der Herabsetzungsklage unterliegen.

Auch bei einem Vermächtnis ist es möglich, einen „Ersatzvermächtnisnehmer“ einzusetzen, falls der ursprüngliche Vermächtnisnehmer wegfallen sollte. Ein Erblasser könnte beispielsweise eine wohltätige Organisation/NGO ersatzweise für ein Legat einsetzen.

Übrigens ist die Ersatzerbeneinsetzung nicht mit der Nacherbeneinsetzung zu verwechseln. Bei sog. Nacherben regelt man die Erbfolge über zwei Erbgänge hinweg. Es wird also ein Teil des Nachlases einer Person, dem sogenannten “Vorerben” zugewiesen und dieser hat die Verpflichtung die Zuwendung später an den sogenannten “Nacherben” weiterzugeben. Bei der Ersatzerbeneinsetzung geht es, wie oben beschrieben, um den Fall, dass ein Erbe in demselben Erbgang nicht mehr erbfähig ist und die Frage, wer diesfalls an seine Stelle treten soll.

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