Patchwork-Familien kommen immer häufiger vor (Beispielbild: iStock)
Home / Info Beiträge / Lösungen im Erbrecht für Patchwork-Familien

Lösungen im Erbrecht für Patchwork-Familien

Leider halten nicht immer alle Ehen und es können neue Familienkonstellationen entstehen. Da sich die gesetzlich geregelte Erbfolge weiterhin am klassischen Familienmodell orientiert, sollten Sie selbst frühzeitig Lösungen finden.

Artikel verfasst von Jil Zaugg, M.A. HSG in Law am
11. Mai 2018

Moderne Familien

In der Schweiz werden 4 von 10 Ehen wieder gelöst. Wer sich danach wieder neu bindet, befindet sich häufig in einem komplexen Beziehungsgeflecht mit Stiefkindern etc. Da das Erbrecht und oft auch das Familienrecht nicht auf moderne Patchwork-Familien ausgerichtet sind, sondern sich noch am klassischen Familienmodell orientieren, sollte man selbst frühzeitig Vorkehrungen treffen, um für alle die beste Lösung zu finden.  

Nacherbeneinsetzung

Wenn man beispielsweise neu verheiratet ist, aber Kinder aus erster Ehe mitbringt, können sich einige Fragen zur Erbschaft stellen. Bevorzugt man vorerst die Ehefrau und diese verpflichtet sich, ihrerseits die Stiefkinder als Erben einzusetzen, entstehen daraus abhängig vom Wohnsitzkanton des Erblassers oftmals steuerrechtliche Konsequenzen. Eine Befreiung von der Erbschaftssteuer gilt nämlich häufig nur in der geraden Linie (eben für direkte Nachkommen und deren Nachkommen etc.). Dies kann man über das Instrument der Nacherbeneinsetzung ausschliessen. Die Vor- und Nacherbeneinsetzung kann mit einem Erbvertrag oder durch ein Testament geregelt werden.

Wir schauen dies in einem Beispiel an: Peter heiratet Barbara und bringt die Kinder Marco und Sophie mit. Barbara soll als Vorerbin maximal begünstigt werde; nach ihrem Tod geht das Erbe an Marco und Sophie als Nacherben über. Hier ist allerdings zu beachten, dass Barbara gegenüber Peter einen gesetzlichen Pflichtteilsanspruch von 25% hat. Dieser Pflichtteil kann nicht mit einer Nacherbeneinsetzung belastet werden.

Was passiert mit den Kindern?

Auch wenn man sich nicht gerne mit diesem Thema beschäftigt, sollte man sich doch überlegen, wer das Sorgerecht für die Kinder bekommen sollte, wenn einem selbst etwas zustösst. Mit dem Instrument der Sorgerechtsverfügung kann man zu diesem Thema einen Vorschlag machen (siehe dazu: Die Sorgerechtsverfügung – Vormund im Todesfall). Dies ist insbesondere dann relevant, wenn man in Patchwork-Konstellationen lebt. Der Vorschlag ist nicht bindend für die Behörden. Die KESB wird den Vorschlag aber als wichtige Hilfestellung in ihre Entscheide miteinbeziehen.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Beerdigung, Bestattung

Was genau ist eine Bestattung? Was macht sie aus? Die Bestattung ist allgemein ein Akt der letzten Ehre, den Angehörige, Freunde und enge Bekannte einem oder einer Verstorbenen erweisen. Der Begriff umfasst unterschiedliche Formen der […]

no Kommentare

Weitere Artikel:

Vorsorge, Testament & Erbe

Wann braucht es eine Erbteilung und was geschieht bis dahin? Die Erbteilung ist im letzten Titel des Erbrechts, in den Artikeln 602 bis 640 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, geregelt. Gibt es nur einen einzigen Erben bzw. […]

no Kommentare

Weitere Artikel:

Vorsorge, Testament & Erbe

Das Parentel-System In der Schweiz basiert die gesetzliche Erbfolge auf dem sogenannten Parentel-System. Die gesetzliche Erbfolge kommt immer dann zur Geltung, wenn der Erblasser selber nichts in einem Testament oder Erbvertrag verfügt hat. Dann ist, […]

no Kommentare

Weitere Artikel: