Erbvorbezug und Schenkung (Beispielbild iStock)
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Erbvorbezüge und Schenkungen zu Lebzeiten

Erbvorbezüge und Schenkungen können steuerlich von Vorteil sein. Auch profitieren Kinder oftmals in jungen Jahren mehr von dem Geld ihrer Eltern, solange sie selbst noch keine ausreichenden Mittel haben. Gesetzliche Erben sind jedoch bei der Erbteilung zur Ausgleichung verpflichtet. Auch gemischte Schenkungen sind zu beachten.

Artikel verfasst von Jil Zaugg, M.A. HSG in Law am
26. Februar 2019

Darf man zu Lebzeiten frei verfügen?

Zu Lebzeiten können Nachkommen sich nicht einmischen, wie ihre Eltern mit dem Geld umgehen. Das ändert sich in gewissem Umfang mit dem Tod. Die gesetzlichen Erben (z.B. Kinder und Ehegatten) müssen Zuwendungen und Erbvorbezüge, die sie zu Lebzeiten des Erblassers erhalten haben, zum Zeitpunkt der Erbteilung ausgleichen. Ausgenommen sind Gelegenheitsgeschenke bis ca. 3’000 CHF sowie Zuwendungen an Kinder im Zusammenhang mit der Erziehung oder Ausbildung (Studium etc.), wenn sie das übliche Mass nicht übersteigen.

 

Wenn Eltern möchten, dass die Begünstigten die Zuwendung nicht ausgleichen müssen, können sie sie im Testament explizit von der Ausgleichungspflicht befreien. Die Pflichtteile sind trotzdem geschützt und müssen beachtet werden. Der Ausgleichungswert bestimmt sich übrigens auch im Zeitpunkt der Erbteilung. Es muss demnach der Verkehrswert (nicht der damalige Wert) zur Ausgleichung gebracht werden.

Auch „gemischte Schenkungen“ sind zu beachten. Wenn der Kaufpreis unter dem damaligen Verkehrswert lag, nennt man dies eine gemischte Schenkung. Das bedeutet, dass die Differenz zwischen bezahltem Preis und damaligem Verkehrswert als Erbvorbezug gilt, wenn eine Sache unter Wert übertragen wurde. Bei der Erbteilung muss diese Differenz nun ausgeglichen werden.

 

Übrige (gewillkürte) Erben haben keine Ausgleichungspflicht. Allerdings kann die Möglichkeit einer Herabsetzungsklage gegeben sein, wenn die Schenkung weniger als fünf Jahre zurückliegt und Pflichtteile gesetzlicher Erben verletzt.

 

Gibt es Verjährungsfristen?

Für den Ausgleichungsanspruch bei einer Schenkung oder einem Erbvorbezug gibt es keine Verjährungsfrist. Nach dem Tod des Erblassers müssen Kinder sich gegenseitig alles ausgleichen, was sie von ihren Eltern zu Lebzeiten unter Anrechnung auf Ihren Erbteil erhalten haben. Dies umfasst auch Schenkungen, die der Existenzsicherung dienten, z.B. Immobilien. Liegenschaften werden zum Verkehrswert im Todeszeitpunkt angerechnet.

Nach der allgemeinen Regel des Obligationenrechts (Art. 127 OR) verjährt allerdings die Durchsetzbarkeit von Forderungen auf dem Klageweg 10 Jahre nach ihrer Entstehung. Es ist daher nicht ratsam, mit der Geltendmachung einer Ausgleichung absichtlich lange zuzuwarten.

 

 

Was ist der Vorteil eines Erbvorbezugs / einer Schenkung zu Lebzeiten?

Es können steuerliche Vorteile entstehen: Durch einen Erbvorbezug können schenkende Eltern ihr steuerbares Vermögen verkleinern. Dies kann sich besonders bei progressiven Steuersätzenl lohnen, da die Eltern meist ein grösseres steuerbares Vermögen als ihre Kinder aufweisen und die Kinder oftmals in jungen Jahren mehr von dem Geld haben als später, wenn sie selbst genügend Eigenmittel haben, um sich beispielsweise ein Eigenheim zu finanzieren.

Auch gegenüber anderen Erben kann sich eine Schenkung zu Lebzeiten lohnen. Konkubinatspartner sind oftmals stärker als Nachkommen durch Erbschaftssteuern belastet. Darum kann es sich lohnen, eine Schenkung über mehrere Jahre zu verteilen und so von Freibeträgen bei Schenkungssteuern zu profitieren.

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