Dorette Lüdi hat dieses Bild ausgesucht, als DeinAdieu sie um ein Foto bat für den Blog-Beitrag vom 22. April 2016. (Foto: zVg/Bearbeitung: Peter Lauth)
Home / Blog / Gute Reise liebe Dorette

Gute Reise liebe Dorette

Dorette Lüdi ist tot. Die 69-Jährige litt an ALS. Sie starb am 1. Februar 2018 im Spital Bülach ZH – wenige Tage vor ihrem 70. Geburtstag. DeinAdieu nimmt Abschied von einer liebgewordenen, starken Frau.

Artikel verfasst von Martin Schuppli, Autor am
02. Februar 2018

Schlagwörter: ,

«S Mami isch tot», sagte mir Dorettes Tochter Katharina am Telefon. «Sie starb heute im Kreise ihrer Liebsten auf der Palliativstation im Spital Bülach. Wir sind traurig, weil sie nicht mehr unter uns weilt – und wir sind dankbar, wurde sie von ihren Leiden erlöst.»

Diese traurige Nachricht hat mich tief getroffen.

«Liebe Dorette, ich erinnere mich gut an unsere erste Begegnung. Es war ein kühler Frühlingstag. Du öffnetest die Türe deiner Wohnung, sassest im Rollstuhl und schenktest mir ein herzliches Lachen. Du batest mich, dich Dorette zu nennen. Eine tolle Frau warst du. Die Folgen deiner Erkrankung, ‹dieser Scheiss-Krankheit›, wie du ALS nanntest, trugst du mit Grandezza. Du klagtest nicht, obwohl du allen Grund gehabt hättest. Du freutest dich auf die Kreuzfahrt mit deinem Mann, erzähltest mir, wie die Enkelkinder mit deinem Rollstuhl durch die Wohnung düsen würden.

Anna Rossinelli und Dorette Lüdi

Anna Rossinelli (l.) sang am ALS-Gedenktag in Zürich und liess sich zusammen mit Dorette Lüdi ablichten. (Foto: Bruno Torricelli).

Du engagiertest dich für den Verein ALS-Schweiz. Sassest im Vorstand und begeistertest die Öffentlichkeit mit deinem entwaffnenden Lachen. Noch gut erinnere ich mich an den ALS-Gedenktag auf dem Zürcher Bürkliplatz. Du posiertest mit Anna Rossinelli für Bruno, unseren Fotografen. Ein schönes Bild. Zwei Frauen, die um die Wette strahlen.

Du hast dein Schicksal vorbildlich gemeistert. Als die Krankheit schlimmer wurde, die Beschwerden grösser, hast du dich zurückgezogen. So, wie du es mir damals erklärt hast. Du wusstest um dein unausweichliches Ende. Wusstest, dass du uns allen vorangehen würdest.

Als deine «kleine Schwester» vor einigen Wochen starb, war deinen Angehörigen klar, du würdest ihr bald folgen. Und so geschah es.

Liebe Dorette, ich kann nicht in Worte fassen, was du mir gegeben hast. In den Gesprächen mit dir lernte ich, offen und direkt über das Leben zu reden, über den Tod und das Sterben.

Nun bist Du gestorben. Du fehlst. Warte auf uns. Wir werden dir folgen.

Ich schick Dir einen letzten Grizzlybärendrücker. Sei behütet, liebe Dorette. Danke für alles.»

 

 

 

 

 

 

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Schicksalsschlag: Tanja (M.), Christian und Felicia.
Sterben, Betroffene, Spiritualität & Trauer

«Ja, es ging weiter. Mein Leben, unser Leben», sagt Tanja. «Aber wie. Die Beziehung zwischen Christian und mir geriet aus den Fugen. Drohte zu zerbrechen.» Ein Schicksalsschlag. Beginnen wir von vorn, im Jahr 2008. Tanja, […]

2 Kommentare

Weitere Artikel:

Begegnete dem Tod: Der pensioniert Tunnelbau-Ingenieur Christoph Müller
Sterben, Betroffene, Spiritualität & Trauer

Mattmark. Eine Katastrophe. Eingebrannt ins Gedächtnis des Autors. Montag, 30. August 1965. Kurz nach 17 Uhr lösen sich riesige Eismassen vom Allalin-Gletscher im südlichen Ende des Saastals und begraben die Baustelle für den Mattmark-Staudamm unter […]

no Kommentare

Weitere Artikel:

Friedhöfe Zürich: Rolf Steinmann, Leiter Bestattungs- und Friedhofamt der Stadt Zürich im Friedhof Sihlfeld
Professionals, Grab, Beerdigung, Sarg & Urne, Zürich

Herr Steinmann: Was passiert mit den immer grösser werdenden freien Friedhofsflächen? Wie sieht Ihr Friedhofspark der Zukunft aus? Rolf Steinmann. Leiter Bestattungs- und Friedhofamt 
der Stadt Zürich: Auf diese Frage ist keine allgemeingültige Antwort möglich. Jeder Friedhof hat […]

2 Kommentare

Weitere Artikel: