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Rosenduft hilft, das Leben loszulassen

Erleichtert Rosenduft das Sterben? Barbara Bernath-Frei, diplomierte Aromatologin, lächelt und sagt dann: «Ja. Wir machten beste Erfahrungen, wenn wir in einem Sterbezimmer einen Hauch Rosenhydrolat in die Luft sprayten».

Artikel verfasst von Barbara Bernath, dipl. Aromatologin ISAO am
21. März 2016

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Die Duftexpertin schildert die Situation in einer Palliativstation: «Ich erinnere mich an Frau L. Das Atmen bereitete ihr Mühe, sie wirkte angespannt, lebte nicht mehr im so genannten Tagesbewusstsein. Die Palliativpflegerin und ich, wir spürten, Frau L. würde nicht mehr lange leben. Als sich im Zimmer der zarte Rosenduft ausbreitet, entspannt sich das Gesicht der Sterbenden, ihre Atemfrequenz verlangsamte sich. Innert einer halben Stunde verlöschte Frau L.s Lebenslicht. Zurück blieb ihr friedlicher, gelöster Gesichtsausdruck.»

Die diplomierte Aromatologin und Ausbilderin mit eidg. Fachausweis gibt ihr Wissen und ihre Erfahrung im Umgang mit natürlichen ätherischen Ölen seit 20 Jahren an Pflegefachpersonen weiter. Sie bildet Pflegefachpersonen aus und gibt ihr Wissen an andere Interessierte weiter. In vielen privaten und staatlichen Akutkliniken, in Alters- und Pflegezentren sowie auf Palliativ-Stationen setzen die Pflegeteams die Aromatherapiepflege erfolgreich ein. Barbara Bernath-Frei: «Die ätherischen Öle helfen, wenn es darum geht, Schmerzen zu lindern, die Mundschleimhaut zu befeuchten, Menschen mit Angstzuständen zu beruhigen».

«Ist es jemandem schlecht, hilfts, wenn man einen Tropfen Pfefferminzöl auf ein Kleenextuch gibt und der Betroffene, die Betroffene den Duft einatmet.»

Wer mit Düften, mit Aromen, mit ätherischen Ölen «arbeiten» möchte, muss unbedingt auf die Qualität der Produkte achten. Barbara Bernath-Frei: «Verwenden Sie unverfälschte, qualitativ hochstehende ätherische Öle aus biologischem Anbau.»

Ätherische Öle helfen, Schmerzen zu lindern

Zurück zu Frau L. Sie erlebte ihre letzten Tage auf einer Palliativstation. «Wegen des metastasierenden Lebertumors litt sie an einem aufgeblähten, schmerzenden Leib», sagt Barbara Bernath-Frei. «Die aromapflegerisch ausgebildete Pflegefachfrau massierte ihr in dieser Zeit regelmässig mit aromatisierten Ölen den Bauch. Das wirkte krampflösend und schmerzlindernd. Die Pflegefachfrau verwendete eine Mischung aus vorgewärmtem Mandelöl mit ätherischem Kreuzkümmelöl. Sehr sanft und ohne Druck verteilte sie es in rechtsdrehenden Bewegungen auf dem Bauch der Patientin.» Diese Darmmassagen wirken nicht nur auf die inneren Bauchorgane entspannend, sondern auf den gesamten Organismus. Und das trage wesentlich zum Wohlgefühl der Patientin bzw. des Patienten bei, sagt die Aromafachfrau.

Beduften Sie zurückhaltend

Räume beduften können «Laien» ohne nähere Kenntnisse der Aromatherapie und Aromapflege mit qualitativ wertvollen ätherischen Ölen. Wichtig ist für Barbara Bernath-Frei, dass man sehr, sehr zurückhaltend beduftet. Denn gerade sterbende Menschen haben ihre inneren Antennen oft nochmals ganz geöffnet. Ist der Duft zu grosszügig dosiert, könnte sie das überfordern.  «Sehr gut eignet sich etwa der Raumspray Vanilla-Mandarine. Ein Hub, oder ein ‹Sprutz›, genügt, um den Geborgenheit spendenden, tröstenden Duft ganz zart im Raum zu verteilen. Um den Menschen Wohlgefühl und Ruhe zu vermitteln. Gegen Ängste hilft ein Aromastone mit je einem Tropfen zehnprozentigem Neroliöl und einem Tropfen Lavendelöl.»

Wie erwähnt, spielen ätherische Öle bei der Pflege von kranken, von sterbenden Menschen eine wichtige Rolle. Sei es, um Schmerzen zu lindern oder den Mund zu pflegen. «Dem sagen wir ‹Arbeit am Körper›. Und diese Arbeit kann nur machen, wer über ein Basiswissen verfügt», sagt die Spezialistin. «Fachlich nicht korrekte Anwendungen können unerwünschte Wirkungen zeigen. Können sogar schaden.»

Melissenöl wirkt beruhigend, stimmungsaufhellend

Bei der palliativen Aromapflege hilft es enorm, wenn man die Biografie der Patientin, des Patienten kennt. Frau L. beispielsweise wohnte jahrzehntelang in einem Haus mit Garten. Dort pflanzte sie Blumen und Kräuter. «Verwöhnte sie  die Pflegerin mit Melissenöl oder beduftete damit den Raum, wirkte das beruhigend und stimmungsaufhellend. Es entlockte Frau L. regelmässig ein gelöstes Lächeln», sagt Barbara Bernath-Frei. «Heilen lassen sich schwere Erkrankungen nicht mit ätherischen Ölen. Aber das Allgemeinbefinden profitiert enorm von fachgerecht eingesetzten natürlichen Düften.»

In Ausbildungs- und Weiterbildungskursen ist es Barbara Bernath-Freis Ziel, «die wunderbare Wirkung der Aromatherapie in der Palliativpflege zu verbreiten. Schliesslich sollen möglichst viele Menschen von dieser natürlichen, effizienten und kostengünstigen Therapieform profitieren.»

Anwendungstipps

Ein Duft muss willkommen sein. Nur dann kann er seine Wirkung im seelischen Bereich entfalten. Ideal ist, wenn Pflegende die Duftvorlieben der Betroffenen kennen. Wichtig: Dosieren Sie niedrig. Ein Hub mit dem Spray reicht oder zwei bis drei Tropfen in der Duftlampe, auf dem Aromastone.

Raumbeduftung mit Aroma-Sprays, Duftlampe oder Aromastone

  • Entspannend wirken: Zitronenmelisse, Lavendel fein, Mandarine
  • Geborgenheit spenden: Vanille, Benzoe siam, Champaca
  • Atmung erleichtern: Zirbelkiefer, Weisstanne, Cajeput
  • Stimmungserhellend wirken: Grapefruit, Rose (10 %), Orange
  • Angstlösend wirken: Neroli, Bergamotte, Lavendel fein
  • Akzeptanz und innere Ruhe bringen: Rosen- und Orangenblütenhydrolat

Sanfte Einreibung. Dafür geben Sie fünf bis zehn Tropfen ätherisches Öl auf 50 ml Mandel- oder Jojobaöl. Eine leichte, feine Streichelmassage an Händen, Rücken oder Füssen ist sehr angenehm. Gut, wenn Sie sich vorher mit der betroffenen Person absprechen. Fragen Sie, was ihr angenehm sei.

  • Hautpflegend und beruhigend: Rosengeranie, Benzoe siam
  • Geborgenheit spendend: Vanille, Benzoe siam, Champaca
  • Den Übergang, das Sterben, erleichtern: Rose, Grapefruit, Iris

Wichtig: Machen Sie bitte keine gezielte Arbeit am Körper ohne solide Basiskenntnisse in der Aromatherapie.

Bearbeitung: Martin Schuppli

Verwenden Sie qualitativ hochstehende ätherische Öle

Wer Aromatherapie oder Aromapflege im palliativem Sinn einsetzten möchte, sollte unbedingt qualitativ hochstehende Produkte verwenden, wie sie unter anderem die Firmen Farfalla, Feelings, Primavera, Neumond und weitere Hersteller anbieten. Farfalla besitzt eigene Duftläden in Zürich, Bern, Luzern, Basel und Aarau. Andere Anbieter vertreiben ihre Produkte über Reformhäuser, Drogerien, Apotheken oder über WWF-Ladengeschäfte.

Weiterbildungsangebote finden Sie hier:
www.farfalla-seminar.ch  |  www.aromatherapieschule.ch  |  www.sela.ch

Literaturtipps:
Gudrun Huber, Christina Casagrande: Komplementäre Sterbebegleitung, Stuttgart, 2011
Stefan Theierl: Palliativpflege, Esslingen, 2014
Barbara Bernath-Frei: Duft-Meditation, Wiggensbach, 2012 (inkl. 2 CDs, auch als E-Book)

Barbara Bernath-Frei kontaktieren: www.bernath-aroma.ch

  • Martin Schuppli

    Das Wissen um die Möglichkeiten der palliativen Pflege hilft mit, dem Tod den Schrecken zu nehmen.

  • Rita Beier

    Ich liebe den Rosenduft sehr ,hoffentlich begleitet er mich auch mal !!!

    • DeinAdieu

      Das musst du halt einfädeln, mit Angehörigen drüber reden und so weiter. Oder mit mir schreiben und reden.

  • Fabienne Krauer

    Noch besser in Kombination mit Iris

  • Monika Aeschlimann

    Sehr interessant 🌹

  • Heidi Mettler Wiesflecker

    Und auf der rechten Seite liegend sagt das tibetische Totenbuch.

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