In solchen roten Boxen werden transplantierte Organe transportiert. (Foto: zVg)
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Mit Transplantationen von 1074 Nieren 1,6 Milliarden Franken sparen

Interview mit PD Dr. med. Franz Immer, CEO Swisstransplant über lange Wartelisten und die Kosten einer Transplantation.

Artikel verfasst von Martin Schuppli, Autor am
05. April 2016

Herr Immer: Viele Organempfänger sind zu lebendig, um zu sterben, aber zu schwach, um ohne Hilfe zu Überleben. So kosten etwa Nierenpatienten vor der Transplantation viel Geld. Und brauchen danach deutlich weniger?
PD Dr. med. Franz Immer: So ist es. Nieren-Transplantationen bergen ein mächtiges Sparpotenzial: Eine Dialyse kostet jährlich 80 000 Franken. Eine Nierentransplantation 58 000  Franken. Die verpflanzte Niere funktioniert 15 bis 20 Jahre. Einsparung pro Patient 1,5 Millionen Franken. Auf der Warteliste stehen derzeit 1074 Nierenpatienten. Das ergäbe ein Sparpotenzial von 1,6 Milliarden Franken. Zudem können die Patienten arbeiten und erhalten Lebensqualität zurück. Ich denke, viele wären bereit, nach dem Tod eine Niere zu spenden, nur wissen das die Angehörigen nicht.

Die Wartelisten sind länger, seit das neue Transplantationsgesetz in Kraft ist.
Franz Immer: Einzelne Transplantationszentren nehmen Nierenpatienten schneller auf die Liste als früher. Wenn diese Patienten in einigen Jahren ein neues Organ brauchen, rutschen sie auf der Liste nach vorne, weil sie schon eine lange Wartezeit hinter sich haben. Deshalb ist es wichtig, dass Nierenpatienten so schnell wie möglich auf die Liste kommen. Also durch den Hausarzt einem spezialisierten Zentrum zugewiesen werden.

PD Dr. med. Franz Immer, Direktor Swisstransplant Bern. (Foto: zVg)

PD Dr. med. Franz Immer, Direktor Swisstransplant Bern. (Foto: zVg)

Sicher gibt es Vorschriften, nach welchen Kriterien Organe verteilt werden.
Franz Immer: Ja. Es sind dies Dringlichkeit, medizinische Erfolgschancen und die Wartezeit. Dringlich gelistet werden Patienten, die so schwer krank sind, dass sie zu sterben drohen. Nehmen wir das Beispiel einer jungen Frau, deren Leber ausgestiegen ist, weil sie auf ein Medikament, dass sie einnahm reagierte. Die Frau wird in die Intensivstation eingeliefert. Sie hat keine Chance mehr, wird in drei, vier Tagen sterben. In so einem Fall kann die Expertengruppe entscheiden, jemanden zuoberst auf die Liste zu stellen.

Interview: Martin Schuppli  I Foto: Swisstransplant

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  • Wille Norman

    Vielen Dank für das Interview. Es hat mich nachdenklich gemacht. Ganz persönlich bin ich der Ansicht, dass über Organtransplantation zu wenig offen, zu wenig ehrlich und mit zu vielen Halbwahrheiten gearbeitet wird. Es stellt sich mir die Frage, ob es überhaupt legitim ist, Angehörige vor die Entscheidung zu stellen, Organe entnehmen zu dürfen. Oder nicht.

    Ich meine, das ist es nicht. Wir müssen den Weg der ganz persönlichen Eigenentscheidung, des Organspendeausweises, konsequent weiter gehen. Mit Werbeplakaten werden wir nicht viel erreichen. Mit „Gut zureden“ noch viel weniger. Es ist die noch immer weitgehende Tabuisierung von Krankheit und Tod. Über einen Organspendeausweis nachzudenken, das heisst immer auch, sich mit der eigenen Verletzbarkeit, dem eigenen Sterben, auseinanderzusetzen. Das haben wir nicht gelernt. Und wir lernen es auch heute nicht. Nirgends. Es wird auch nicht darüber gesprochen. Es ist dem Gesunden allzu oft unangenehm, mit Krankheit oder auch Tod konfrontiert zu werden.

    Und es ist Hilflosigkeit; nicht zu wissen, was man sagen soll. Wie man reagieren soll. Dabei „soll“ man eigentlich überhaupt nichts „sollen“. Wenn die Krankheit oder der bevorstehende Tod des Gegenübers betroffen macht. Dann darf ich betroffen sein. Traurig. Ratlos. Hilflos. Und – ich darf Fragen stellen. Wenn ich sie jetzt nicht stelle, werde ich nie wieder eine Antwort darauf bekommen. Schuldgefühle, warum mein Gegenüber krank ist, und ich nicht. Die braucht es nicht.

    Gesund oder Krank sein ist keine Frage der Schuld oder Nichtschuld. Erst wenn wir in der Gesellschaft als Ganzes wieder lernen, mit Krankheit und Tod so umzugehen, wie es uns entspricht. Erst dann werden wir als Gesellschaft frei werden, und erst dann wird es uns gelingen, Organspenden nicht als ein Geschenk zu sehen. Sondern als allerletzten Dienst an unserer Gemeinschaft, ohne die auch wir selber unser Leben nicht hätten leben können.

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