Dr. Markus Hodel, Chefarzt Geburtszentrum und Fetomaternale Medizin Frauenklinik Luzern sowie Co-Leiter Perinatalzentrum Luzern: «In einer frühen Schwangerschaftsphase, also etwa in der 22. bis 25. Schwangerschaftswoche, sprechen wir von den Grenzen der Lebensfähigkeit.» Foto: Peter Lauth
Home / Blog / Früh­chen: Team ent­schei­det über Leben und Tod

Früh­chen: Team ent­schei­det über Leben und Tod

Kommt ein Kind zu früh zur Welt, beginnt der Kampf ums Über­le­ben. Ob und wie viel Tech­nik bei Früh­chen ein­ge­setzt wird, ent­schei­den Eltern, Ärz­te, Heb­am­men und Pfle­gen­de.

Artikel verfasst von Martin Schuppli, Journalist BR am
18. Oktober 2017

«In Luzern kom­men jähr­lich ca. 2000 Kin­der zur Welt», sagt Mar­co Stü­che­li, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­lei­ter am Luzer­ner Kan­ton­spi­tal LUKS. «Zäh­len wir die ange­schlos­se­nen Spi­tä­ler in Zug, Schwyz, Alt­dorf, Stans, Sar­nen, Wol­hu­sen, Sur­see und dem Tes­sin hin­zu, sind es ca. 7500 Kin­der, die in unse­rem Ein­zugs­ge­biet zur Welt kom­men. Cir­ca 600 die­ser Kin­der sind Früh­ge­bur­ten. So genann­te Früh­chen.»

Über die­se Kin­der sprach DeinAdieu mit Dr. Mar­kus Hodel, Chef­arzt Geburts­zen­trum und Feto­ma­ter­na­le Medi­zin Frau­en­kli­nik Luzern sowie Co-Lei­ter Peri­na­ta­l­zen­trum Luzern.

Dr. Hodel kön­nen Sie eine Früh­ge­burt mit Medi­ka­men­ten etwas hin­aus­schie­ben?
Dr. Mar­kus Hodel: Die Prä­ven­ti­on von Früh­ge­bur­ten ist ein wich­ti­ges medi­zi­ni­sches The­ma. Ja, es birgt eine gesell­schaft­li­che Dimen­si­on. Wenn eine Frau vor­zei­ti­ge Wehen erlei­det und sich der Mut­ter­mund öff­net, ist es durch Gabe von soge­nann­ten Toko­ly­ti­ca, also Wehen­hem­mern mög­lich, die Geburt für sicher 48 Stun­den, teil­wei­se sogar län­ger hin­aus­zu­zö­gern.

Das gelingt in jedem Fall?
Meist, auf jeden Fall mit gros­ser Wahr­schein­lich­keit. Die­ses Hin­aus­zö­gern der Geburt ist des­halb wich­tig, weil in die­sen 48 Stun­den eine Organ- und ins­be­son­de­re eine Lun­gen­rei­fung der gefähr­de­ten Feten erfol­gen kann.

Wie lässt sich die Lun­ge rei­fen?
Die­se Lun­gen­rei­fung besteht aus einer Gabe von Ste­ro­iden, die wir der Mut­ter über ihre Venen oder die Mus­ku­la­tur ver­ab­rei­chen. Das Blut der Mut­ter trans­por­tiert es dann über die Pla­zen­ta und die Nabel­schnur zum Kind. Dort gelangt die­ses Ste­ro­id in die Alveo­len, also zu den Lun­gen­bläs­chen und dient zur Sta­bi­li­sa­ti­on deren Wän­de.

Dann ist das Früh­chen bereit für die Welt?
Nur so kön­nen wir gewähr­leis­ten, dass das Kind, falls es zu früh zur Welt kommt, eine suf­fi­zi­en­te und bes­se­re Atmung hat, als ohne die­se Lun­gen­rei­fung.

Glei­ches gilt für Hirn und Darm.
Ein Früh­ge­bo­re­nes ohne Ste­ro­id-Gabe hat ein schlech­te­res Out­co­me und ist des­halb «schlech­ter auf die Welt vor­be­rei­tet».

Was sind die Kri­te­ri­en, damit ein Kind über­le­ben kann?
In einer frü­hen Schwan­ger­schafts­pha­se, also etwa in der 22. bis 25. Schwan­ger­schafts­wo­che, spre­chen wir von den Gren­zen der Lebens­fä­hig­keit.

Dann spielt die Ein­stel­lung der Eltern eine wich­ti­ge Rol­le.
Auf jeden Fall. In die­sen frü­hen Wochen ist die Ein­stel­lung der Eltern sehr wich­tig. Wir klä­ren sie auf, infor­mie­ren sie, wie gross die Mög­lich­keit ist, dass das Kind über­lebt, wir reden über Inter­ven­tio­nen an ihrem früh­ge­bo­re­nen Kind. Danach müs­sen sie sich fra­gen: Wol­len wir uns auf die­sen Weg bege­ben.

Wel­ches sind medi­zi­ni­sche Kri­te­ri­en?
Es ist sicher wich­tig, eine abge­schlos­se­ne Lun­gen­rei­fung zu haben, ein geschätz­tes Kinds­ge­wicht, von etwa 500 Gramm und die Mut­ter soll­te sich unge­fähr rund um die 24. Schwan­ger­schafts­wo­che befin­den.

Gibt es natio­na­le, inter­na­tio­na­le oder gar spi­tal­ei­ge­ne Richt­li­ni­en?
Ja. Es gibt die inter­na­tio­nal bekann­te Schwei­zer Richt­li­nie: «Peri­na­ta­le Betreu­ung an der Gren­ze der Lebens­fä­hig­keit zwi­schen der 22. und 26. voll­ende­ten Schwan­ger­schafts­wo­che». Die­se Leit­li­nie aus dem Jah­re 2012 stützt sich auf inter­na­tio­na­le Daten, etwa aus US-ame­ri­ka­ni­schen, kana­di­schen und vie­len euro­päi­schen Län­dern.

Gibt es spi­tal­ei­ge­ne Richt­li­ni­en?
Wir hal­ten uns pri­mär stark an die Schwei­zer Emp­feh­lun­gen, an wel­chen wir mit­ge­ar­bei­tet haben. Wir sind ein Peri­na­ta­l­zen­trum und haben uns über Jah­re in der Schweiz eine gros­se Exper­ti­se erwor­ben in der Betreu­ung von Schwan­ger­schaf­ten, Gebur­ten und Neu­ge­bo­re­nen zwi­schen der 23. und 24. Schwan­ger­schafts­wo­che.

Frühchen

Kin­der mit sehr gerin­gem Geburts­ge­wicht (unter 1.500 Gramm) wer­den wahr­schein­lich über eini­ge Jah­re klei­ner als ihre Alters­ge­nos­sen sein.

Ent­schei­de fäl­len Sie inter­dis­zi­pli­när zwi­schen der 22. und der 24. Schwan­ger­schafts­wo­che?
Mit den Eltern natür­lich und sehr eng zusam­men mit allen betei­lig­ten Berufs­grup­pen: Heb­am­men, Geburts­hel­fer, Neo­na­to­lo­gen Die­ser gemein­sam getrof­fe­ne Ent­scheid ist schluss­end­lich immer indi­vi­du­ell und weicht gele­gent­lich von den rein fik­ti­ven Gren­zen der Leit­li­ni­en ab.

Wann set­zen Sie und Ihr Team all die ärzt­li­che und pfle­ge­ri­sche Kunst ein, damit ein Früh­chen über­le­ben kann und gesund bleibt?
Nun, über­le­ben und gesund über­le­ben, sind zwei ver­schie­de­ne Din­ge. Defi­ni­tiv kann ich sagen, dass wir am Peri­na­ta­l­zen­trum Luzern bei einem Gesta­ti­ons­al­ter von 24 + 0 Schwan­ger­schafts­wo­chen alles für das Früh­ge­bo­re­ne machen – vor­aus­ge­setzt die Eltern sind ein­ver­stan­den.

«Alles» heisst …?
Das sind die geburts­me­di­zi­ni­sche Mass­nah­men, also auch ein Not-Kai­ser­schnitt sowie alle inten­siv­me­di­zi­ni­schen The­ra­pi­en, die ein extrem früh­ge­bo­re­nes Kind gleich nach der Geburt braucht.

Wer bestimmt über Leben und Tod?
Nie eine ein­zel­ne Per­son. Pri­mär sind es die Eltern. Sie las­sen wir nie allein. Sie wer­den betreut durch ein Team, bestehend aus Heb­am­men, Inten­siv-Kin­der­pfle­gen­den, Geburts­hel­fern und Neo­na­to­lo­gen. Wir infor­mie­ren und bera­ten.

Eltern und Team ent­schei­den?
Ent­schei­dun­gen über Leben und Tod, also ob wir über­haupt the­ra­pie­ren, ob The­ra­pi­en wei­ter­ge­führt wer­den, sind immer Teament­schei­dun­gen. Sie erfol­gen nach ethi­schen Grund­sät­zen.

Manch­mal macht es kei­nen Sinn, ein Leben zu ret­ten. Was tun Sie dann? Stel­len Sie die Beat­mungs­ma­schi­ne ab oder schal­ten Sie die lebens­ret­ten­de Tech­nik schon gar nicht ein?
Die Basis für ein ver­ant­wor­tungs­vol­les Vor­ge­hen setzt sich zusam­men aus der Kennt­nis aktu­el­ler, nach Gesta­ti­ons­al­ter abge­stuf­ter Mor­ta­li­täts- und Mor­bi­di­täts­sta­tis­ti­ken, sowie deren Beein­flus­sung durch prä­na­tal eru­ier­ba­re Zusatz­fak­to­ren wie feta­les Gewicht und Geschlecht. Wir wol­len wis­sen, ob die Lun­gen­rei­fungs­in­duk­ti­on erfolgt ist oder nicht. Ob es eine Mehr­lings- oder Ein­lings­schwan­ger­schaft ist. Bei all die­sen Gedan­ken wen­den wir aner­kann­te ethi­sche Grund­prin­zi­pi­en an.

Das hilft den Eltern?
Gelingt die­ses Zusam­men­spiel, holen wir sie mit ins Boot, und sie las­sen sich dar­auf ein, bei pri­mär aus­sichts­lo­ser kind­li­cher Aus­gangs­la­ge nicht auf lebens­ret­ten­de Mass­nah­men zu set­zen, also lebens­ret­ten­de Tech­nik gar nicht anzu­wen­den.

Eltern wol­len doch das Über­le­ben des Kin­des sichern …
Aus die­sem Grund ent­schei­den Eltern gele­gent­lich pri­mär für geburts­me­di­zi­ni­sche Inter­ven­tio­nen und neo­na­to­lo­gi­sche Inten­siv­the­ra­pie.

Und wenn das Kind lei­det?
Dann müs­sen Eltern zusam­men mit dem betreu­en­den Team erken­nen, dass das durch die The­ra­pie zuge­mu­te­te Lei­den, ange­sichts der sehr ungüns­tig gewor­de­nen Pro­gno­se, unver­hält­nis­mäs­sig gewor­den ist. In sol­che Situa­tio­nen ver­lie­ren die inten­siv­me­di­zi­ni­schen Mass­nah­men ihren Sinn und ande­re Aspek­te der Betreu­ung, Lin­de­rung von Schmer­zen und Lei­den wer­den prio­ri­tär.

Wenn sich der Tod mel­det?
Ver­zich­ten wir pri­mär oder sekun­där auf lebens­ret­ten­de Mass­nah­men, dann unter­neh­men wir alles, um dem Kind ein men­schen­wür­di­ges Ster­ben zu ermög­li­chen und die Eltern in der Ster­be­be­glei­tung zu unter­stüt­zen.

Glau­ben Ihnen die Eltern oder zwei­feln sie?
Ich erleb­te vie­le sol­chen Situa­tio­nen in den letz­ten 20 Jah­ren, und dar­um weiss ich, dass es immer meh­re­re die­ser vor­ge­burt­li­chen Gesprä­che braucht, sofern die Zeit dazu vor­han­den ist.

Eltern wün­schen sich, dass ihr Kind gut lebt.
Natür­lich. Häu­fig wei­sen sie in einer ers­ten Kon­takt­auf­nah­me vie­les von sich. Sie wol­len es nicht hören, wol­len dar­an glau­ben, dass das Kind gut über­le­ben kann.

Wann kön­nen sie die schwe­re Situa­ti­on anneh­men?
Gele­gent­lich braucht es schon nach sechs bis acht Stun­den ein wei­te­res Gespräch. Bei der ers­ten Begeg­nung waren die Eltern mög­li­cher­wei­se gar nicht fähig, die Infor­ma­tio­nen auf­zu­neh­men. Erst wenn sie die schwie­ri­ge Situa­ti­on der dro­hen­den Früh­ge­burt anneh­men, wer­den Eltern bereit, jetzt Fach­per­so­nen zuzu­hö­ren und gezielt Fra­gen zu stel­len.

Ist es vor­aus­seh­bar, dass eine wer­den­de Mut­ter ein «Früh­chen» gebärt?
Jein: Die feto­ma­ter­na­le Medi­zin hat in den letz­ten Jah­ren gros­se Fort­schrit­te gemacht. Wir wis­sen heu­te, dass eine schwan­ge­re Frau, die bereits eine Früh­ge­burt erlebt hat, ein gros­ses Risi­ko hat, erneut ein Früh­chen zu gebä­ren.

Dann gibts wäh­rend der Schwan­ger­schaft mehr Kon­trol­len?
Enge­re Inter­val­le hel­fen, die­se Früh­ge­burts­ri­si­ken bes­ser zu erken­nen. Dann kön­nen wir sie mit Medi­ka­men­ten und ande­ren Inter­ven­tio­nen ver­hin­dern.

Was sind ande­re Risi­ko­si­tua­tio­nen für Früh­ge­burt­lich­keit?
Dazu zäh­len etwa Zwil­lin­ge und Mehr­lin­ge. Ein hohes Alter der Gebä­ren­den, bereits vor­be­stehen­de medi­zi­ni­sche Erkran­kun­gen der Schwan­ge­ren, etwa Herz-, Zucker­er­kran­kun­gen, rheu­ma­to­lo­gi­sche Erkran­kun­gen, Nie­ren­er­kran­kun­gen.

Wann ist ein Früh­chen in der Regel über den Berg?
Dies kann ich nicht gene­rell beant­wor­ten. Kön­nen doch Früh­chen noch wei­te­re Kom­pli­ka­tio­nen machen und damit eben auch mal in einer 28. oder 29. Schwan­ger­schafts­wo­che noch schwe­rer erkran­ken, etwa durch eine Infek­ti­on eines Kathe­ters.

Was kön­nen Sie gene­rell sagen?
Erreicht ein Kind die 25. Schwan­ger­schafts­wo­che, ist meist mit einem Über­le­ben des Kin­des zu rech­nen und wer­den Kom­pli­ka­tio­nen klar klei­ner.

Frühchen

Welt­weit kommt Etwa eins von zehn Babys vor der 37. Schwan­ger­schafts­wo­che als Früh­ge­bo­re­nes auf die Welt.

Wie kön­nen Sie Hirn­schä­den nach zu frü­her Geburt ent­ge­gen­wir­ken?
Hier sind die Bücher nicht geschlos­sen. Seit eini­ger Zeit wird der schwan­ge­ren Frau Magne­si­um gege­ben, um Hirn­schä­di­gun­gen beim Kind vor­zu­beu­gen.

Und nach der Geburt?
Postpar­tal ist ganz wich­tig, dass das Kind kei­ne Infek­tio­nen ent­wi­ckelt und des­halb bei bestehen­den Infek­tio­nen früh­zei­tig kon­se­quent Anti­bio­ti­ka erhält.

Was ist mit Blut­druck­schwan­kun­gen?
Die hal­ten wir beim Früh­ge­bo­re­nen mög­lichst klein, um Hirn­schä­di­gun­gen und Hirn­blu­tun­gen zu ver­hin­dern.

Sind all­fäl­li­ge MRI-Unter­su­chun­gen nicht wahn­sin­nig laut für das Kind?
«Früh­chen» oder Neu­ge­bo­re­ne sind meist nar­ko­ti­siert. Nur so ist es mög­lich, ein MRI-Bild zu erhal­ten. Das Kind hört also nichts.

Erhält ein Früh­chen abge­pump­te Mut­ter­milch?
Alle Früh­chen bekom­men Mut­ter­milch. Wenn die Mut­ter sie nicht sel­ber pro­du­zie­ren kann, bie­ten wir dem Kind Mut­ter­milch aus der Milch­kü­che an. Dort arbei­ten wir eben gespen­de­te Mut­ter­milch auf. Die­se unter­stützt vor allem die Darm­tä­tig­keit und die Darm­scho­nung der Kin­der, denn die ist für die extrem wich­tig.

Stimmt es, dass Schwes­tern und Ärz­te auf Neu­ge­bo­re­nen-Inten­siv­sta­tio­nen einem Recht­fer­ti­gungs­druck ihres Han­delns aus­ge­setzt sind?
Im All­tag ist dies sicher nicht spür­bar. Hier geht es täg­lich dar­um, für Mut­ter und Kind opti­ma­le Arbeit zu erbrin­gen. Gele­gent­lich fin­det man aller­dings auf gesell­schaft­li­cher und poli­ti­scher Ebe­ne eine mäs­sig gros­se Lob­by, die sich für die Inter­es­sen der Früh- und Neu­ge­bo­re­nen ein­set­zen.

Ist der Auf­wand infra­ge gestellt?
Sicher kön­nen Fra­gen auf­tau­chen, wenn man in der 23. Schwan­ger­schafts­wo­che alles tut für ein Früh­ge­bo­re­nes. Die Kos­ten, es am Leben zu erhal­ten, sind immens.

Dafür haben kaum alle Ver­ständ­nis?
Gele­gent­lich gibt es schlecht infor­mier­te Poli­ti­ker oder öko­no­misch geschul­tes Spi­tal­per­so­nal, das Mühe hat mit sol­chen Ent­schei­dun­gen. Für uns Ärz­te hat jedes Kind einen Anspruch auf eine Behand­lung und Betreu­ung, die sei­nen indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­sen ange­mes­sen ist. Unab­hän­gig von sei­nen Lebens- und Über­le­bens­aus­sich­ten.

Sie wol­len Leben erhal­ten?
Das ist die ärzt­li­che Auf­ga­be. Unter Ach­tung der Wür­de des Pati­en­ten, sei­ne Grund­rech­te auf Leben und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit zu erhal­ten, sei­ne Gesund­heit zu schüt­zen oder wie­der­her­zu­stel­len, sowie Lei­den zu lin­dern und Ster­ben­den bis in den Tod bei­zu­ste­hen. Mit die­sen Grund­sät­zen arbei­ten wir am Peri­na­ta­l­zen­trum.

Inter­view: Dr. Alois Bir­bau­mer und Mar­tin Schupp­li | Foto: Peter Lauth

Den zwei­ten Teil des Inter­views lesen Sie hier

Frühchen

Früh­chen sind kei­nes­wegs Spät­ent­wick­ler. Stu­di­en zei­gen, dass sich gesun­de Früh­ge­bo­re­ne nor­ma­ler­wei­se im sel­ben Tem­po ent­wi­ckeln wie um den Ter­min gebo­re­ne Kin­der.

Früh­chen: Ver­schiebt sich die Gren­ze der Lebens­fä­hig­keit?

Für Mar­kus Hodel wur­de das «Straf»-Jahr in der Geburts­hil­fe zum Glücks­fall

Mar­kus Hodel, 51, arbei­te­te 2005 als Assis­tenz­arzt an sei­ner ers­ten Stel­le in Alt­dorf auf der Chir­ur­gie. Damals, das wuss­te er aller­dings erst nach dem Stel­len­an­tritt, «durf­te» der jüngs­te Assis­tent immer die Gynä­ko­lo­gie und Geburts­hil­fe betreu­en Und zwar in ein­jäh­ri­ger Rota­ti­on.»

Was für vie­le ange­hen­den Chir­ur­gen eine Stra­fe war, erwies sich für Mar­kus Hodel als Glücks­fall. «Obwohl initi­al wider­wil­lig, konn­te ich vor allem dem Fach Geburts­hil­fe viel abge­win­nen. Bereits damals war die Ultra­schall­dia­gnos­tik und damit die Mög­lich­keit einer intrau­te­ri­nen The­ra­pie, also einer Ope­ra­ti­on in der Gebär­mut­ter wäh­rend der Schwan­ger­schaft, ein gros­ses The­ma. Von sol­chen Aus­sich­ten und Visio­nen beglei­tet, war für mich bald klar, dass ich ger­ne in den Bereich Risi­ko­ge­burts­hil­fe, feto­ma­ter­na­le Medi­zin und Peri­na­to­lo­gie gehen woll­te».

Heu­te ist er Chef­arzt des Geburts­zen­trums und der Feto­ma­ter­na­len Medi­zin an der Frau­en­kli­nik Luzern und Co-Lei­ter des Peri­na­ta­l­zen­trums Luzern. «Im Peri­na­ta­l­zen­trum betreu­en wir Schwan­ge­re mit Früh­ge­burts­be­stre­bun­gen», sagt der Arzt «sowie Kin­der mit Fehl­bil­dun­gen. Wir betreu­en nicht über­le­bens­fä­hi­ge Kin­der, früh­ge­bo­re­ne Kin­der. Die Frau­en betreu­en wir in der Schwan­ger­schaft sowie postpar­tal auf der neo­na­to­lo­gi­schen Inten­siv­sta­ti­on.

Mar­kus Hodel ist ver­hei­ra­tet und Vater von drei Kin­dern: Tobi­as, 19, Lea, 6, und Mat­t­hieu, 3 Jah­re alt

Luzer­ner Kan­tons­spi­tal LUKS
Spi­tal­stras­se, 6000 Luzern 16

Tel. 041 205 11 11

www.luks.chinfo@luks.ch

 

 

  • Eli­se Imgrüth

    Dan­ke Mar­kus für den infor­mel­len tol­len Bei­trag zur Auf­klä­rung des fra­gi­len The­mas in der Öffent­lich­keit.

  • Cor­ne­lia Ulrich

    Tol­les Team im LUKS!! Cha­peau fur den super Ein­satz!

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Alice Hofer, Praxis für angewandte Vergänglichkeit
Professionals, Organisatorisches, Beerdigung, Sarg & Urne, Spiritualität & Trauer, Vorsorge, Angehörige, Espace Mittelland

Wer eine «Pra­xis für ange­wand­te Ver­gäng­lich­keit» grün­det, muss ein beson­de­rer Mensch sein. Das ist Ali­ce Hofer, Unter­neh­me­rin aus Thun. Schweiz­weit bekannt wur­de die Ber­ne­rin Ober­län­de­rin mit ihren Sär­gen und Urnen aus den ver­schie­dens­ten Mate­ria­li­en, den […]

9 Kommentare

Weitere Artikel:

Rolf Lyssy: Sekundenherzschlag
Sterben, Betroffene, Zürich

Herr Lys­sy, wie wür­den Sie ger­ne ster­ben? Rolf Lys­sy: Wenn der Zeit­punkt käme – das kann noch lan­ge gehen, ich habe nichts dage­gen 120 zu wer­den – dann so wie mein Vater. Wie starb er? […]

2 Kommentare

Weitere Artikel:

Thema Totentanz: Alois Birbaumer mit dem Bild «Tod und Mädchen» von Egon Schiele.
Professionals, Spiritualität & Trauer, Schweiz, Zentralschweiz

«Wir waren, was ihr seid; doch kom­men wird die Zeit, und kom­men wird sie euch geschwind, wo ihr sein wer­det, was wir sind.» Schon als Gym­na­si­ast fas­zi­nier­ten mich die Dar­stel­lun­gen des Toten­tan­zes. Damals, in den […]

no Kommentare

Weitere Artikel: