Bloggerin Silvia Stierli pflanzte das Unsterblichkeitskraut in einen Topf und pflegt es nun auf dem Balkon. (Foto: Kay Meret Hablitz)
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Ewig leben dank dem Kraut der Unsterblichkeit?

Wer es kaut oder sich damit einen Tee braut, soll unendlich lange leben. So geht die Legende. Silvia Stierli probiert das bitterschmeckende Kraut.

Artikel verfasst von Silvia Riner, Bloggerin am
29. September 2017

Der Titel sagt es bereits. Gäbe es Möglichkeiten, das physische Leben in der Endlosschleife weiter laufen zu lassen, machten viele Menschen davon Gebrauch. Mel Gibson, Regisseur und Schauspieler (Mad Max, Braveheart), würde wohl jeden Betrag bezahlen, um Unsterblichkeit zu erlangen. In einer Meldung entdeckte ich folgendes: «Mel Gibson unterzieht sich Stammzellentherapie». Pro Injektion zahle er 12 000 Franken. Ein Freund des Stars verriet Journalisten: «Mel will ewig leben, will ewig jung bleiben. Er habe bereits zwei Injektionen erhalten, und gedenke dies weiter zu tun. Im Abstand von sechs Monaten.»

Unsterblichkeit lässt sich nicht erwerben wie Jeans, Schuhe oder Handtaschen. Wäre es denn überhaupt sinnvoll, ewig leben zu wollen? Was würde passieren, wenn das Sterben, wenn der Tod ausgelöscht würden? Meine Generation wird den Tag nicht mehr erleben, wo sich die Mehrheit der Menschen für die Unsterblichkeit entscheidet. Der Tod verteidigt erfolgreich seinen Platz im Lebenszyklus. Das Sterben geht weiter.

In der Natur gibt es zwar eine Pflanze, deren Namen die Hoffnung vieler Menschen weckt. Sie soll bei einigen Menschen das Leben verlängern. Vor allem im asiatischen Raum. Ich musste nicht nach Asien fliegen. Mir reichte ein Besuch in der Grossgärtnerei. Dort entdeckte ich die Schlingpflanze.

Ich erkundigte mich nach ihren Eigenschaften. Der Infoflyer – für den Arzt oder Apotheker wäre es die Packungsbeilage – beschrieb weitere Heilwirkungen. So orderte ich neugierig ein Exemplar und beschloss, im Selbsttest, die Wirkung dieses Gewächses auszuprobieren. Ich zahlte deutlich weniger als Mel Gibson. Auf dem Preisschild stand: CHF 12.50.

Mit Teetrinken möglicherweise ein hohes Alter erreichen

Ein paar Koordinaten zum immergrünen Gewächs. Das Kraut der Unsterblichkeit (Gynostemma pentaphyllum) stammt aus der Familie der Kürbisgewächse. Es wuchert stark, ist anspruchslos, mehrjährig und frosthart bis minus 15 Grad Celsius. Gynostemma pentaphyllum wächst im malaysischen Raum sowie in Thailand, Korea, Taiwan, Japan und China. In diesen Regionen soll die Pflanze bis 3200 Meter über Meer gedeihen. In China gehört sie zur Volksmedizin, also zur chinesischen Medizin. Das Kraut der Unsterblichkeit wirke wie Ginseng, lese ich auf verschiedenen Internetseiten. Wissenschafter stiessen in den 70er Jahren in China aufgrund einer Volkszählung auf diese Pflanze. In Südchina in der Provinz Guizhou, Shicuan und Guanghxi war der Anteil der Menschen, die mehr als 100 Jahre alt waren, besonders hoch. Untersuchungen zu diesen Auffälligkeiten bestätigten, dass Faktoren wie Klima und Genetik auszuschliessen sind. Der Grund der hohen Lebenserwartung muss demzufolge das Kraut sein, von dem die Menschen täglich Tee brauen und ihn geniessen.

Das Unsterblichkeitskraut gehört zu den Königskräutern

Gehört zu den Königskräutern: Das Unsterblichkeitskraut weist eine Wirkung wie der asiatische Ginseng auf. Der Tee soll leicht süss sein und überaus heilsam. (Stockphoto)

Unsterblichkeitskraut: Eine Pflanze für viele Beschwerden

Das unsterbliche Kraut, ebenso bekannt unter dem Namen Jiaogulan soll folgende Heilwirkungen haben: Es baue Stress ab, indem es auf überbeanspruchte Nerven beruhigend und auf schwache anregend wirke. Im Sport hielte es den Geist vital, energisch, wachsam und munter. Nebst schnelleren Reflexen sorge es für eine bessere Erholung nach sportlichen Wettkämpfen. Heisst es.

Weiter senke es Blutfette und Blutzucker und helfe so bei Diabetes. Gestärkt würde ebenso das Herz, seine Pumpleistung und somit die allgemeine Durchblutung. Ebenso habe das Unsterblichkeitskraut Einfluss auf den Bluthochdruck. Zu hoher Druck liesse sich senken, niedriger Blutdruck anheben.

Gynostemma pentaphyllum helfe bei Schlaflosigkeit, verursacht durch Sorgen und Ängste. Bei Müdigkeit steigere sich die Vitalität. Es solle helfen bei Leberleiden, Hepatitis B und chronischer Bronchitis. Dazu stärke es das Immunsystem. Es fördere die Bildung von weissen Blutkörperchen, wirke offenbar auch krebshemmend. Dies sei enorm wichtig nach einer radiologischen oder chemotherapeutischen Behandlung, lese ich weiter im Infoflyer.

Meine ersten Erlebnisse als Testperson

Beim Schreiben dieses Textes habe ich meiner Pflanze ein Blatt abgezwackt und es frisch gekaut. Das tue man idealerweise auf nüchternen Magen. Das Grünzeug soll gemäss Beschrieb leicht süsslich schmecken. Ja, sogar einen lakritzartigen Geschmack hinterlassen. Ich nehme nach längerem Kauen einen leicht bitteren Goût wahr. Was nun? Vermutlich habe ich diese Geschmackskomponenten beim ersten Mal noch nicht so richtig geschmeckt. Vielleicht brauche ich noch etwas Zeit und Übung. Muss meine Geschmacksnerven besser stimulieren.

Natürlich lässt sich ebenso ein Tee brauen. Aus frischen oder getrockneten Blättern. Der Tee soll ebenso angenehm süss sein.

Beim Lesen der Heilwirkungen dieses unsterblichen Krautes denke ich an Menschen, die mir bisher in meinem Leben begegnet sind. Einige kannte ich oder kenne ich näher. Denjenigen, die keine Chance hatten, weiter die Schönheiten des Lebens geniessen zu dürfen, hätte ich gerne als Guerilla-Gärtnerin das Kraut der Unsterblichkeit geschenkt. All meinen irdisch anwesenden Angehörigen, Freunden, Bekannten und Kollegen wünsche ich ein gesundes und langes Leben. Vielleicht verzichten sie alle beim nächsten Besuch einer Gärtnerei auf den Kauf eines Buchsbaumes oder eines Kirschlorbeers. Stattdessen posten sie das Kraut der Unsterblichkeit.

Text: Silvia Stierli, SilviasBlog.ch | Fotos: Kay Meret Hablitz, Stockfotos

 

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