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KESB – Was bedeutet sie für mich in verschiedenen Situationen?

Die KESB greift in Gefährdungssituationen ein. Das Verhältnismässigkeitsprinzip beherrscht in besonderem Masse das Handeln der KESB, da sie tief in die familiäre Situation der Betroffenen eingreifen kann. Ihre Entscheide sind beschwerdefähig.

Artikel verfasst von Jil Zaugg, M.A. HSG in Law am
11. Mai 2018

In welchen Situationen greift die KESB ein?

Jeder hat die Möglichkeit, sich an die KESB zu wenden, wenn Erwachsene oder Kinder gefährdet und möglicherweise auf behördliche Hilfe angewiesen sind. Gewisse Institutionen (Behörden, Ämter und Gerichte) sind sogar verpflichtet, eine Meldung zu machen. Banken sind beispielsweise auch in der Pflicht, wenn ein Kunde wegen einer Demenzerkrankung voraussichtlich dauernd urteilsunfähig wird und eine solche Meldung zur Wahrung seiner Interessen nötig erscheint. Auch Fachpersonen, die beruflich regelmässig mit Kindern Kontakt haben (Kita etc.), müssen die KESB einschalten, wenn konkrete Hinweise vorliegen, dass die körperliche, psychische oder sexuelle Integrität eines Kindes gefährdet sein könnte.

Was für Massnahmen ergreift die KESB?

Die KESB trifft von Amtes wegen alle Abklärungen, um den Sachverhalt feststellen zu können (Untersuchungsmaxime). Sie ist interdisziplinär zusammengesetzt und arbeitet mit verschiedenen Fachstellen und Ämtern zusammen. Die KESB ist grundsätzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet und darf nur Informationen weitergeben, die zur Erfüllung zusammenhängender Aufgaben gebraucht werden. Mögliche Kindesschutzmassnahmen umfassen Ermahnung/Weisung/Aufsicht, Beistandschaft, Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts und Entziehung der elterlichen Sorge.  Im Erwachsenenschutz kann beispielsweise ein Beistand ernannt werden, der sich um die finanziellen und administrativen Belange kümmert. Des Weiteren zählt eine fürsorgerische Unterbringung zu den möglichen Massnahmen, die ergriffen werden können, wenn jemand beispielsweise selbstverletzend handelt. Ziel ist stets, die am meisten dienliche und am wenigsten schädliche Handlungsalternative zu wählen. Wenn also beispielsweise Eltern selbst in der Lage und bereit sein sollten, Lösungen zu suchen, um die Kindeswohlgefährdung abzuwenden, wird die KESB nicht eingreifen.

Wie kann ich mich wehren?

Die betroffenen Personen haben Anspruch auf rechtliches Gehör. Das bedeutet, dass sie über die Rechtslage aufgeklärt und über die vorgesehenen Massnahmen informiert werden. Sie dürfen sich auch dazu äussern und in ihre Akten Einsicht nehmen. Die Entscheide der KESB können mittels Beschwerde weitergezogen werden, wenn die Betroffenen nicht einverstanden sind. Um den genauen Beschwerdeweg und die zuständige Beschwerdebehörde ausfindig zu machen, sollte man sich bei der KESB des Wohnortes informieren, da dies kantonal unterschiedlich geregelt ist.

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