Enkelin und Grossmutter machen Selfie (Beispielbild: iStock)
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Erben 2.0 – der digitale Nachlass

Immer häufiger hinterlassen Verstorbene neben den klassischen Erbschaftsgütern auch einen Nachlass digitaler Art. Dieser ist abgespeichert auf USB Sticks, Computern, Servern oder in sogenannten Clouds. Der digitale Nachlass besteht meist nicht nur aus Social Media Profilen, sondern beinhaltet teilweise wertvolle Bilder-, Musik- oder andere Datensammlungen. Aufgrund des fortlaufend steigenden Wertanteils finanzieller oder persönlicher Art der digitalen Besitztümer, gewinnt der digitale Nachlass immer mehr an Bedeutung.

Artikel verfasst von Dario Buschor, B.A. HSG in Law & Economics am
15. Juli 2017

Der digitale Nachlass – was gehört dazu?

Der digitale Nachlass umfasst praktisch alles, was online in einer Cloud oder auf einem Speichermedium wie USB Sticks oder Computern gesichert ist. Dazu gehören insbesondere (nicht abschliessend):

  • Foto-, Musik- und Videosammlungen
  • Social Media Profile
  • E-Mail Accounts
  • Softwarelizenzen
  • Texte & E-Books
  • Digital verfügbare Pläne, Zeichnungen etc.

Theoretisch geht gemäss der Regel der Universalsukzession (Übergang aller Besitztümer und Schulden als Gesamtheit) der gesamte Besitz, inklusive der digitalen Bestandteile, an die Erben über. Dies ist einfach, wenn der digitale Nachlass auf einem USB Stick oder einer Festplatte gespeichert ist, welche an die Erben physisch übergeben werden können. Problematisch wird es, wenn Daten im Internet (z.B. über einen Cloud-Dienst) abgespeichert sind oder der Zugang durch ein Passwort geschützt ist (siehe dazu: Sterben im digitalen Zeitalter – kann man Passwörter vererben?). Über im Internet gespeicherte Daten schweigt das Schweizer Erbrecht und urheberrechtlich geschützt werden nur Sammlungen mit „individuellem Charakter“. Dieses Kriterium werden zwar die eigens erschaffenen Pläne, Zeichnungen oder Erfindungen, wohl kaum aber die meisten Laiensammlungen erfüllen. Zudem verneinen die Nutzungsbedingungen mehrheitlich die Weitergabe der Daten. Eine Anfechtung dieser ist sehr schwierig, da als Klageort oftmals ein Gericht in den USA vorgesehen ist.

Wichtig für den Erblasser

Damit wertvolle Daten reibungslos an die Erben übergehen können, sollte der Erblasser einige Vorkehrungen betreffend seinen digitalen Nachlass treffen. So empfiehlt es sich, Daten entweder auf einem physischen Medium (z.B. USB Stick, externe Festplatte etc.), auf dem Computer oder in speziellen Clouds, welche die Daten nach dem Tod direkt an die Nachkommen weiterleiten (siehe auch: der DeinAdieu.ch Online Tresor), abzuspeichern. Alle relevanten Passwörter (v.a. das Benutzerpasswort für den Computer) sollten festgehalten und an einem sicheren Ort hinterlegt werden (auch dafür: der DeinAdieu.ch Online Tresor). Zusätzlich können Willensvollstrecker mit der Handhabung oder der Löschung gewisser Daten betraut werden.

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