«Unser Hauptziel ist es, Tierleben zu retten und das Tierwohl zu fördern»

Die Stiftung Pro Tier setzt sich seit fast 75 Jahren für eine tiergerechte Haltung ein. Patrick Schneider sagt, wie aktuelle Themen wie die Coronapandemie, der Klimawandel und unser Ernährungsverhalten mit dem Tierwohl zusammenhängen.

Patrick Schneider ist seit zwei Jahren Geschäftsführer der Stiftung Pro Tier. (Bilder: Djamila Grossman)

Ihre Stiftung setzt sich etwa für tiergerechte Haltung, gegen das Pelztragen oder gegen Massentierhaltung ein. Welche Themen stehen jetzt, kurz vor Weihnachten, an?

Patrick Schneider: Uns geht es generell um das Tierwohl, nicht nur um die Haltung. Wir bekommen zum Beispiel viele Anfragen von jungen Bauern, die ihren Hof vom Bauernhof zu einem Lebenshof umgestalten wollen. Es sind junge Männer oder Frauen, die den Hof von ihren Vätern übernehmen. Sie wollen etwa Gemüse anbauen, auf Hafermilchproduktion umsteigen oder Hühner halten, die nur noch Eier legen, aber kein Fleisch mehr erzeugen, weil das Schlachten für sie nicht mehr infrage kommt. Wir begleiten sie wie eine Firma, die sich neu aufbaut oder sich transformiert.

Was geschieht denn mit den Tieren, die ansonsten geschlachtet würden?

Diese dürfen noch bis zu ihrem Lebensende glücklich auf dem Hof leben. Sie werden zwar als Nutztiere gehalten, aber nicht für den Fleischkonsum getötet. Tiere, die auf dem Lebenshof leben dürfen, sind viel weniger krank und zufriedener. Sie sterben in ihrer geliebten Umgebung und werden dabei von den Menschen und den Tieren auf dem Hof begleitet.

Sind Sie generell gegen den Fleischkonsum?

Wir wollen niemandem das Fleischessen verbieten. Wir setzen uns gegen unwürdige Massentierhaltung und unnötige Tiertransporte ein. Ein guter Vorsatz ist etwa, dass Aldi und Lidl in der Schweiz nur noch Schweizer Fleisch verkaufen möchten.

Und welche Kampagnen stehen derzeit an?

Im November und Dezember waren wir in an der Zürcher Bahnhofstrasse für das Pelzimportverbot aktiv. Wir haben Flyer verteilt, Gespräche mit Passanten geführt, uns mit Pelzträgerinnen und Pelzträgern ausgetauscht oder diese beraten, wie sie einen geerbten Pelz abgeben könnten. Mitte Dezember hat der Nationalrat erfreulicherweise dem Importverbot von Pelzen aus tierquälerischer Produktion mit 144 zu 31 Stimmen zugestimmt. Nun ist es beim Ständerat, dieses Verbot definitiv anzunehmen.

Wie finanziert sich Pro Tier?

Wir sind eine Nonprofitorganisation und finanzieren uns über Gönner, Spender und Legate. Vielleicht mögen sie sich noch an die Tiersendung mit Heidi Abel im Schweizer Fernsehen erinnern. In dieser Sendung, hinter der Pro Tier steckte, wurde für gerettete Heimtiere ein neues Zuhause gesucht. Bis heute ist die Sendung vielen ein Begriff.

Was erhoffen Sie sich von der Zusammenarbeit mit deinadieu.ch?

Wir wissen, dass viele Leute kein Testament haben, ein solches aber gern anfertigen würden, wenn es online auf einfachem Wege möglich wäre. Über deinadieu wollen auf auch gern jüngere Leute ab 50 erreichen, die sich fürs Tierwohl interessieren und uns berücksichtigen möchten.

Wer spendet für Pro Tier?

Vorwiegend Menschen ab 40 Jahren.

Was geschieht mit dem gespendeten oder vermachten Geld?

Es wird für Kampagnen eingesetzt, wir unterstützen Projekte von Lebenshöfen, die sich eine Operation für ein Pferd oder einen Anbau für einen Stall nicht leisten können. Ausserdem helfen wir Privaten, die Tiere retten wollen. Wir setzen uns ausschliesslich für Tiere in der Schweiz ein. Unser Hauptziel ist, Tierleben zu retten und das Tierwohl zu fördern: früher waren das mehr Heim-, heute sind es auch Nutztiere.

Inwiefern hilft die Klimabewegung, Ihren Anliegen Nachdruck zu verleihen?

Die Sensibilität der Leute ist bestimmt gewachsen. Die Themen Klimawandel, Ernährungsverhalten und das Tierwohl gehören unweigerlich zusammen. Auch die Pandemie hat unser Anliegen in den Fokus gerückt. Leider redet man ja nicht mehr darüber, woher das Coronavirus kommt: womöglich aus einem Tiermarkt im chinesischen Wuhan. Auf solchen Tiermärkten herrschen ganz schreckliche Zustände. Den Tieren werden die Felle bei lebendigem Leibe abgezogen, sie werden in unwürdigen Gitterkäfigen gehalten. Schade, ist das Thema etwas aus den Medien verschwunden.

Die Stiftung für Tierschutz und Ethik mit Sitz in der Stadt Zürich setzt sich seit 73 Jahren für das Tierwohl in der Schweiz ein. Es geht dabei um Fragen wie tiergerechte Haltung, Tierversuche und Tiere, die Unterhaltungszwecken dienen sollen. Die Stiftung unterstützt politische Kampagnen wie etwa die Initiative gegen Massentierhaltung, gegen Pelz oder gegen die Revision des Jagdgesetzes und hilft jungen Bauern, welche ihre Höfe zu Lebenshöfen umgestalten wollen, wo das Wohlergehen des einzelnen Tieres und die Unterbringung von Tieren in Not im Zentrum steht. 

Die Stiftung, die sich vollumfänglich durch Spenden und Legate von Privaten finanziert, setzt sich auch mit ethischen Fragen auseinander: Darf der Mensch das Wohl und das Leben von Tieren seinen Zwecken unterordnen? Welche moralischen Pflichten hat er gegenüber allen Lebewesen? Geschäftsführer der Non-Profit-Tierschutzorganisation ist seit zwei Jahren Patrick Schneider.

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