Warum brauchen KMU eine geregelte Nachfolge?

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind das Herzstück der schweizerischen Wirtschaft. Doch was passiert, wenn der Inhaber plötzlich stirbt und keine Nachfolgeregelung getroffen hat? Die Folgen können ohne hinreichende Nachlassplanung für Familie, Mitarbeitende und das Unternehmen selbst verheerend sein.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Über 99% aller Schweizer Unternehmen sind kleine oder mittlere Unternehmen (KMUs) und oft in Familienbesitz
  • Meistens handelt es sich bei KMUs um sogenannte «Mikrounternehmen» mit 1 bis 9 Arbeitnehmenden. Bei solchen kleinen Unternehmen sind die Geschäftsinhaber:innen und die Geschäftsleiter:innen in vielen Fällen ein und dieselbe Person.
  • Im Todesfall der Geschäftsinhaber:innen kann die Erbschaft ohne Testament oder Erbvertrag kompliziert werden und für das Unternehmen schädigende Folgen haben.

KMU: Das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft

Im Jahr 2023 waren über 99% aller Schweizer Unternehmen sogenannte kleine und mittlere Unternehmen (kurz: KMUs) mit weniger als 250 Beschäftigten. Davon sind sogenannte «Mikrounternehmen» mit weniger als zehn Beschäftigten mit über 560’000 Unternehmen die am häufigsten vorkommende Grössenklasse der KMUs. Die meisten KMUs sind dabei nicht börsenkotiert und oft im Besitz einer Familie oder sogar einer einzelnen Person. Bei Mikrounternehmen ist der Eigentümer in vielen Fällen gleichzeitig Geschäftsführer.

In vielen Fällen wird das wirtschaftliche bzw. finanzielle Risiko durch die Inhaber:innen bzw. Geschäftsführer:innen der KMUs selbst getragen. Dementsprechend kann der Generationswechsel eine beachtliche Herausforderung darstellen, insbesondere wenn dieser durch den plötzlichen Todesfall der Inhaber:innen bzw. Geschäftsführer:innen ausgelöst wurde.

Was passiert ohne Nachfolgeregelung?

Ohne getroffene Vorkehrungen wird das Unternehmen nach den Vorschriften der gesetzlichen Erbfolge vererbt. Im Grunde genommen bedeutet das, dass der Nachlass an die gesetzlichen Erben (bspw. Nachkommen oder Ehegatten) übergeht. Diese Erben bilden eine sogenannte Erbengemeinschaft. Die Erbengemeinschaft hat den Hauptzweck, das gesamte Erbe untereinander aufzuteilen, damit jede Person den gesetzlichen Erbanteil erhält. Im Falle der Vererbung von KMUs müsste die Erbengemeinschaft gemeinsam über die Zukunft des Betriebs entscheiden. Das Problem: Die Erben haben oft keine Ahnung von den Firmengeschäften und können sich über wichtige Entscheidungen uneinig sein.

Beispiel: Herr Müller führt eine erfolgreiche Schreinerei mit fünf Mitarbeitenden. Er hat weder ein Testament noch einen Erbvertrag erstellt. Als er bei einem Unfall stirbt, erben seine Frau und seine beiden Kinder den Betrieb nach der gesetzlichen Erbfolge. Somit erhält die Frau 50% der Schreinerei, und die beiden Kinder erhalten je 25%. Die verwitwete Frau Müller möchte die Schreinerei gerne verkaufen, der ältere Sohn will weiterführen, der jüngere ist noch in der Ausbildung. Alle drei Erbenden sind sich somit uneinig, was mit dem Betrieb gemacht werden soll, was zu Familienstreitigkeiten führt.

Die konkreten Risiken

Durch die fehlende Nachlassplanung können nicht nur Familienstreitigkeiten riskiert werden. Es ist auch möglich, dass das KMU durch die im obigen Beispiel umschriebene Situation nachhaltig geschädigt wird. Konkret ist an die folgenden Konsequenzen zu denken:

Betriebslähmung: Solange die Erbengemeinschaft uneins ist, können keine wichtigen unternehmensrelevanten Entscheidungen getroffen werden. Neue Aufträge, Investitionen oder auch nur grössere Reparaturen bleiben blockiert.

Zerschlagung des Betriebs: Oft sehen Erben keinen anderen Ausweg als Maschinen, Fahrzeuge und Immobilien zu verkaufen und den Erlös unter sich aufzuteilen. Arbeitsplätze gehen verloren und jahrelang aufgebaute Kundenbeziehungen können daran zerbrechen.

Finanzielle Verluste: Der Erlös eines Notverkaufs ist meist deutlich weniger als der tatsächliche Unternehmenswert. Die eilige Liquidation vernichtet oft Werte, die über Jahrzehnte durch den Erblasser aufgebaut wurden.

Unternehmenssicherung durch Nachlassplanung

Eine geregelte Nachfolge sichert nicht nur das Unternehmen, sondern auch die finanzielle Zukunft der Familie. Sie verhindert Streitigkeiten, erhält Arbeitsplätze und ermöglicht oft auch steuerliche Vorteile. Die Investition in eine professionelle Nachfolgeplanung zahlt sich mehrfach aus – für alle Beteiligten.

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