Familieninterne vs. externe KMU-Nachfolge

Eine der zentralen Schritte bei der Führung von familieninternen KMUs ist der Generationenwechsel: Soll ein Familienmitglied das Unternehmen übernehmen oder ist eine externe Person vorzuziehen? Beide Wege haben ihre Berechtigung. Entscheidend sind die individuellen Umstände – und ehrliche Antworten auf schwierige Fragen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Familiengeführte KMUs sind kleine oder mittlere Unternehmen, bei denen die Mehrheit der direkten oder indirekten Entscheidungsrechte im Besitz des Gründers, des Erwerbers der Gesellschaftskapitals oder deren Familienangehörige gehört.
  • Der Generationenwechsel von Familienunternehmen ist eine zentrale Entscheidung, welche im Voraus geplant werden muss.
  • Während die familieninterne Übernahme oftmals die Beibehaltung von familieninternen Werten bedeutet, ist sie oftmals aus fachlicher Sicht nicht die beste Wahl.
  • Die externe Nachfolge bringt hingegen oftmals frischen Wind in das Unternehmen und bietet die Möglichkeit, die notwendigen Fachpersonen beizuziehen. Es besteht jedoch das Risiko, dass das Herzblut des Familienunternehmens verloren geht.
  • Es besteht die Möglichkeit, die Führungsaufgaben sowohl auf Familienangehörige als auch auf externe Fachpersonen aufzuteilen.

Was sind familiengeführte KMUs?

Grundsätzlich gibt es keine klare Definition von familiengeführten kleinen und mittleren Unternehmen (kurz: KMU). Gemäss Definition der Europäischen Union beinhaltet ein Familienunternehmen folgende Elemente:

  • Die Mehrheit der Entscheidungsrechte sind im Besitz einer der folgenden Personen
  1. die natürlichen Personen, die das Unternehmen gegründet haben
  2. die natürlichen Personen, die das Gesellschaftskapital des Unternehmens erworben haben
  3. die Ehepartner, Eltern, Kinder oder direkten Erben der oberen zwei Gruppierungen

und

  • Die Mehrheit der Entscheidungsrechte bestehen direkt oder indirekt

und/oder

  • Mindestens ein Vertreter der Familie (oder der Angehörigen) ist offiziell an der Leitung bzw. Kontrolle des Unternehmens beteiligt

Meist sind familiengeführte KMUs nicht börsenkotiert. Es kann jedoch sein, dass auch börsenkotierte Unternehmen als «familiengeführte KMUs» klassifiziert werden. Dafür muss aber die Person, die das Unternehmen gegründet oder das Gesellschaftskapital erworben hat, aufgrund ihres Anteils am Gesellschaftskapital 25% der Entscheidungsrechte haben.

Der emotionale Konflikt bei der familieninternen Nachfolge

Für viele Unternehmer ist ihr Betrieb mehr als ein Geschäft – es ist ihr Lebenswerk. Der Wunsch, das Unternehmen «in der Familie zu halten», ist verständlich. Gute Absichten alleine garantieren jedoch keinen Erfolg. Entscheide betreffend die Nachfolge bei kleinen oder mittleren Unternehmen sollten primär auf sachlichen Kriterien basieren.

Beispiel: Der Bäckermeister Fischer möchte regeln, wer als Nächstes seine Bäckerei übernehmen soll. Dabei steht er vor der Wahl zwischen seinem Sohn Thomas, der BWL studiert, und seiner Tochter Sarah, die zwarleidenschaftliche Bäckerin ist, aber keinerlei Wissen und Erfahrung im Führen eines Kleinunternehmens hat. Zudem wurde Bäckermeister Fischer von seinem aktuellen Betriebsleiter Herrn Weber, der über 15 Jahre Erfahrung aufweist, angefragt, ob er die Bäckerei als Nachfolger übernehmen könne.

Aufgrund dieser emotionalen Zwickmühle geschieht die Planung oftmals erst in schweren Zeiten. Das ist jedoch die erste «Falle», da die nachhaltige Planung des Generationenübergangs stets in «guten und stabilen» Zeiten vonstattengehen sollte.

Familieninterne Nachfolge: Kontinuität vs. Kompetenz

Einer der grössten Vorteile der familieninternen Nachfolge liegt in der Kontinuität von Werten und Unternehmenskultur. Zudem besteht in aller Regel ein viel grösseres Vertrauen zu den eigenen Familienmitgliedern und auch die Finanzierung dürfte sich in den meisten Fällen günstiger gestalten. Auf der anderen Seite ist die familieninterne Nachfolge nicht immer die fachlich beste Lösung. Es ist insbesondere mit emotionalen statt sachlichen Entscheidungen oder potenziellen Familienkonflikten zu rechnen. Zudem ist der Umstand nicht zu vernachlässigen, dass man bei einer rein familieninternen Nachfolge nur zwischen einer beschränkten Anzahl von Kandidaten auswählen kann.

Aus diesen Gründen sind sich stets die folgenden Fragen zu stellen: Ist das Familienmitglied wirklich geeignet und verfügt sie/er über die nötigen Qualifikationen?

Externe Nachfolge: Neue Chancen

Eine Übernahme des KMUs durch externe Nachfolger:innen bringt oftmals frischen Wind und neue Ideen. Die externe Übernahme kann auf mehrere Weisen abgewickelt werden:

  1. Ein Management-Buy-Out: In dieser Variante wird das Unternehmen durch die bereits bestehende Führung übernommen
  2. Management Buy-In: Hier wird das Unternehmen durch eine externe Führungskraft übernommen.
  3. Unternehmensverkauf an andere Firmen

Vorteilhaft ist hier der Umstand, dass das Unternehmen professionell geführt wird. Zudem kann die Auswahl objektiv, und ohne bestehende emotionale Einflüsse getroffen werden. Ein beachtlicher Nachteil in dieser Variante liegt jedoch im Verlust der Familientradition sowie möglicher kultureller Bräuche.

Was ist die bessere Variante?

Die Wahl sollte anhand objektiver Kriterien erfolgen:

  • Qualifikation: Führungserfahrung wichtiger als Familienname
  • Motivation: echtes Interesse oder nur Pflichtgefühl?
  • Finanzierung: solide Basis vorhanden?
  • Zukunftsperspektive: beste Entwicklungschancen für das Unternehmen

Mischformen als Lösung

Nicht immer muss es «entweder – oder» heissen. Familienbesitz mit externem Management, schrittweise Übertragung oder externe Nachfolge mit Familienoptionen können die Vorteile beider Ansätze kombinieren.

Beispiel: Bäckermeister Fischer hat für seine Zwickmühle eine kreative Lösung gefunden: Sarah übernimmt nun die fachliche Leitung, Weber wird Geschäftsführer und Thomas steigt als stiller Gesellschafter ein. So bleibt der Betrieb in Familienhand, profitiert aber von professioneller Führung.

Die beste Nachfolgelösung ist die, die dem Unternehmen am meisten nützt. Ein erfolgreich weitergeführtes Unternehmen ehrt das Lebenswerk mehr als ein Familienbetrieb, der scheitert.

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