Palliative Care

Betreuung auf dem letzten Weg

Palliative Care

Selbstbestimmung entspricht einem Bedürfnis unserer Gesellschaft. Bei schwerer Krankheit, am Lebensende, möchten wir im Bezug auf die Behandlung und Betreuung selber entscheiden und mitbestimmen.

Indem Palliative Care Leiden lindert und unheilbar kranken Menschen ein stabiles Betreuungsnetz bietet, trägt sie dazu bei, die Selbstbestimmung am Lebensende zu stärken.

Unter Palliative Care verstehen wir die umfassende Behandlung und Betreuung von Menschen mit unheilbaren, lebensbedrohlichen oder chronisch fortschreitenden Krankheiten.
Ihr Ziel ist es, den Patienten eine möglichst gute Lebensqualität zu ermöglichen. Dies schliesst die Begleitung der Angehörigen mit ein. Palliative Care will die Leiden der Kranken optimal lindern und entsprechend den Wünschen des Patienten auch soziale, seelisch-geistige und religiös-spirituelle Aspekte berücksichtigen.
Qualitativ hoch stehende Palliative Care ist auf professionelle Kenntnisse und Arbeitsweisen angewiesen. Sie erfolgt soweit möglich an dem Ort, den der Patient sich wünscht. Ihr Schwerpunkt liegt in der Zeit, in der Sterben und Tod absehbar werden, doch ist es oft sinnvoll, Palliative Care vorausschauend und frühzeitig, eventuell bereits parallel zu kurativen Massnahmen einzusetzen.

Im Einzelnen heisst dies, Palliative Care:

  • respektiert das Leben und seine Endlichkeit;
  • achtet die Würde und Autonomie des Patienten und stellt seine Prioritäten in den Mittelpunkt;
  • wird unabhängig vom Lebensalter jedem Patienten angeboten, der an einer unheilbar fortschreitenden Krankheit leidet;
  • strebt die optimale Linderung von belastenden Symptomen wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Angst oder Verwirrung an;
  • ermöglicht auch rehabilitative, diagnostische und therapeutische Massnahmen, die zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen;
  • unterstützt Angehörige bei der Krankheitsbewältigung und der eigenen Trauer.

Quelle: Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW)
Medizinisch ethische Richtlinien

Im Jahr 1988 wurde palliative.ch, die Schweizerische Gesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung, gegründet. Heute zählt sie bereits gegen 2000 Mitglieder – und das mit steigender Tendenz. palliative.ch ist eine multiprofessionelle Fachgesellschaft.

Ihre Mitglieder rekrutieren sich aus allen Berufsgruppen, die am Krankenbett tätig sind: Das sind Pflegende, Ärztinnen und Ärzte, Seelsorger und Seelsorgerinnen, Freiwillige und weitere Berufsgruppen.

Organisiert ist Palliative Care in 14 Sektionen. Ihr Angebot ist unterschiedlich. «Es ist ein laufender Prozess, die nationale Strategie des Bundesamtes für Gesundheit umzusetzen», sagt Monika Obrist, Geschäftsstellenleiterin der Regionalgruppe ZH/SH.

 

Wer sich für das Angebot in den Kantonen interessiert, findet diese Informationen ebenfalls auf der Internetseite von palliative.ch

Palliative Care hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung auch in der Schweiz gewonnen und wird – insbesondere durch die stetig wachsende Lebenserwartung – weiter zunehmen. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, hat sich die Dachgesellschaft zum Ziel gesetzt

  • die Verbreitung der Palliative Care in der Schweiz weiter zu fördern
  • den Zugang betroffener Menschen und ihrer Angehörigen zu Palliative Care zu verbessern
  • und die Qualität von palliativer Medizin, Pflege und Begleitung professionell zu fördern und zu sichern.

Muss man im Spital sein, um Palliative Care in Anspruch nehmen zu können?

Nein. In einigen Spitälern wurden Palliativstationen eröffnet. Es gibt aber auch mobile Teams, die Hausbesuche absolvieren, in Alters- und Pflegeheime oder periphere Spitäler gehen. Hospize nehmen Menschen auf, die am Lebensende eine umfassende Palliative Care benötigen.

Was bedeuten «Palliativmedizin» und «Palliative Care»?

Palliative Care ist der englische, umfassende Begriff, der palliative Medizin, Pflege und Begleitung einschliesst. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation ist Palliative Care eine Haltung und Betreuung für betroffene Patienten und ihre Angehörigen, wenn eine unheilbare oder lebensbedrohliche Krankheit vorliegt. Palliative Care soll körperliche Beschwerden verringern, aber ebenso psychische, soziale und spirituelle Probleme angehen. Hauptziel ist die Verbesserung der Lebensqualität für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Angehörige werden bei Bedarf auch über die Sterbephase hinaus begleitet.

Ist Palliative Care nur für krebskranke Menschen bestimmt?

Nicht nur. Die Palliative Care richtet sich an alle Personen, die unter einer fortschreitenden und nicht heilbaren Krankheit leiden, wie z.b. amyotrophe Lateralsklerose, Herzinsuffizienz oder terminale Ateminsuffizienz.

Wenn man palliativ behandelt wird, bedeutet das, dass man keine aktive Pflege mehr bekommt?

Im Gegenteil: Die Pflege spielt in der Palliative Care eine sehr wichtige Rolle. Eine vorausschauende und sorgfältige Pflege ist wichtig für eine bestmögliche Lebensqualität bis zuletzt.

Muss man im Sterben liegen, um Palliative Care erhalten zu dürfen?

Nein. Ziel der Palliative Care ist, die Lebensqualität zu fördern. Da viele unheilbare Krankheiten mit Beschwerden (Schmerzen und anderes) beginnen, spielen Aspekte der Palliative Care oft von Beginn an eine Rolle. Palliative Care kann also lange vor der terminalen Lebensphase angewendet werden.

Kann man eine Station oder eine Institution, die sich Palliative Care widmet, lebend verlassen?

Ja. Auf Palliativstationen ist dies meistens der Fall. Es ist beispielsweise möglich, für Schmerzprobleme oder andere Beschwerden ins Spital oder auf eine Palliativstation zu gehen und, wenn sich die Situation stabilisiert hat, wieder nach Hause zu gehen.

Wird in palliativen Behandlungen auf jeden Fall Morphin gegeben?

Nein. Morphin oder ähnlich wirksame Schmerzmittel (Opioide) werden dann gegeben, wenn ein Patient unter Schmerzen oder Atemnot leidet, die anders nicht behandelt werden können. Opioide sind gut verträgliche Medikamente. Richtig eingesetzt, verlängern oder verkürzen sie das Leben nicht. Sie können in jedem Lebensalter, also auch bei Kindern und betagten Menschen, eingesetzt werden. Opioide werden auch bei Menschen, die nicht am Lebensende sind, gegen starke Schmerzen eingesetzt.

Kann Palliative Care auch Kindern nützen?

Ja. Zwar benötigen Kinder Palliative Care seltener als Erwachsene. Doch alle Kranken können Palliative Care unabhängig von ihrem Alter und ihrer Diagnose in Anspruch nehmen.

Was ist die Terminalphase?

Die Terminalphase umfasst meistens einige Wochen, manchmal Monate, in denen die Aktivität durch die Erkrankung trotz guter Schmerztherapie und Behandlung von Beschwerden zunehmend eingeschränkt wird.

palliative.ch
Geschäftsführer Walter Brunner
Bubenbergplatz 11
3011 Bern

Tel. 044 240 16 21
Fax 044 242 95 35

info@palliative.ch
palliative.ch

Eine weitere informative Webseite unterhält das Bundesamt für Gesundheit:

www.bag.admin.ch/palliativecare

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