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Erbe & Testament: Gesetzliche Vorschriften müssen Sie unbedingt beachten

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Schweizerinnen und Schweizer vererben riesige Summen. Assistenzprofessor Marius Brülhart von der Uni Lausanne rechnet mit einer Erbmasse von 50 bis über 70 Milliarden Franken jährlich.  Mehr als zweidrittel der Schweizerinnen und Schweizer haben bereits einmal geerbt oder erwarten in Zukunft ein Erbe. Interessanterweise hinterlässt nur ein Viertel aller Verstorbenen ein Testament.

Damit eine Erbschaft für Familie und Angehörige nicht zur Zerreissprobe wird, empfiehlt sich bereits bei kleineren Erbmassen die ordentliche Regelung des Nachlasses. Neben dem Erbvertrag, der Abmachungen zwischen zwei oder mehreren Personen beinhaltet, trifft bei einem Testament der Erblasser einseitige Anordnungen über seinen Nachlass.

Verzichtet ein Erblasser, eine Erblasserin auf eine proaktive Regelung des Nachlasses – erstellt also weder Erbvertrag noch Testament – so bestimmt das Erbrecht, was nach dem Tod mit dem Nachlass geschieht. Der gesetzliche Erbteil gibt für Nachkommen, Ehepartner und weitere Verwandte vor, wie die Erbteilung erfolgt. Die sogenannten Pflichtteile für Nachkommen, Eltern, Ehegatten/eingetragene Partner, Partnerinnen können mit einem Testament nicht entzogen werden (wenige Ausnahmen existieren).

Die Schweiz kennt drei verschiedene Testament-Arten: Das eigenhändige-, öffentliche- und das Nottestament.

  • Das eigenhändige Testament müssen Sie zwingend handschriftlich verfassen, datieren und unterschreiben. Idealerweise hinterlegen Sie es bei einer kantonalen Amtsstelle. Wo das idealerweise ist, weiss die Gemeinde- oder Stadtverwaltung.
  • Das öffentliche Testament erstellt eine Urkundsperson nach kantonalem Recht, unter Mitwirkung zweier Zeugen- Es wird am Notariat des Wohnortes hinterlegt.
  • In ausserordentlichen Umständen, wenn die Erstellung eines eigenhändigen oder öffentlichen Testamentes (beispielsweise aufgrund von Todesgefahr) nicht nöglich ist, kann eine mündliche Erklärung – Nottestament – vor zwei Zeugen erfolgen.

 

In den meisten Fällen ist das eigenhändige Testament die sinnvollste Variante. Bei Zweifeln hinsichtlich der Urteilsfähigkeit des Erblassers oder der Erblasserin oder bei komplexen Nachlassregelungen empfiehlt sich das teurere, öffentliche Testament.

Egal welche Testamentsform – ob eigenhändig oder öffentlich – Sie wählen, die güterrechtliche Auseinandersetzung – also beispielsweise die Aufteilung von Errungenschaften die sich während einer Ehe im ordentlichen Güterstand angehäuft haben – erfolgt immer vor der erbrechtlichen Teilung.

Erben und Vererben ist Familiensache: Geschätzte 90 Prozent der schweizweiten Erbmasse wird vor allem an Nachkommen, Ehepartner bzw. eingetragene PartnerInnen, Geschwister, Grosskinder, und übrige Verwandte vererbt (Quelle: BASS, 2005). Dies hat mit dem Grundsatz des Erbrechts zu tun, nach welchem nähere Stämme die ferneren Stämme ausschliessen. Die oben erwähnten Pflichtteile betragen für Kinder drei Viertel, für Eltern die Hälfte und für Ehegatten/eingetragene Partner die Hälfte des gesetzlichen Anspruches. Nicht pflichtteilsgeschützt sind Geschwister und Grosseltern, sowie weitere Verwandte.

In einem eigenhändig verfassten Testament können Sie frei verfügbare Quote nun auf beliebige Personen oder Institutionen verteilen. Auch können Sie bestimmte Gegenstände explizit an ausgewählte Personen vermachen.

Nicht immer verläuft jedoch eine Erbteilung auf Basis eines Testamentes harmonisch. Eifersucht oder früher verletzte Gefühle erschweren eine sachliche Erbteilung. Um Streitigkeiten bei der Abwicklung des Erbes zu vermieden, können Sie im eigenhändig verfassten Testament einen Willensvollstrecker nennen. Er sorgt dafür, dass Ihr letzter Wille in Ihrem Sinne vollzogen und die Erben von dieser Aufgabe befreit sind. Der Willensvollstrecker sollte das Vertrauen der Erben geniessen und unparteiisch sein – häufig werden Anwälte oder Notare dazu berufen. Willensvollstrecker haben folgende Aufgaben:

  • Ermittlung der Erben
  • Errichtung eines Nachlassinventars
  • Verwaltung des Nachlasses. Bezahlung der Schulden. Bewirtschaftung des Erbes.
  • Vorbereitung der Erbteilung und Abwicklung nach Einverständnis aller Erben

Heutzutage werden Willensvollstrecker nach Zeitaufwand für ihre Arbeit entschädigt.

Warum ist ein Testament sinnvoll?

Ohne Testament oder Erbvertrag wird Ihr Erbe unter den gesetzlichen Erben aufgeteilt. Falls Sie weder Ehepartner noch Kinder haben, sind Ihre Eltern und Grosseltern sowie deren Nachkommen erbberechtigt – also Ihre Geschwister, Cousins, Cousinen und Tanten, Onkels bis hin zu weit entfernten Verwandten. Sind keine gesetzlichen Erben vorhanden, geht Ihr Vermögen an den Staat, also an Ihren letzten Wohnkanton oder Ihre Wohngemeinde.

Was ist eine frei verfügbare Quote?

Die frei verfügbare Quote ist jener Teil des Erbes, der nicht unter dem Pflichtteilschutz steht. Der Erblasser kann die frei verfügbare Quote per Testament beliebigen Personen oder Institutionen vermachen.

Kann ich im Testament gleich noch die Anordnungen über die Bestattung integrieren?

Nein, vermeiden Sie das: Testamente werden oft erst nach der Bestattung gefunden und geöffnet.

Soll ich mein Testament zu Hause aufbewahren?

Besser nicht: Es besteht die Gefahr, dass es nicht aufgefunden wird oder abhandenkommt. Idealerweise hinterlegen Sie Ihr Testament bei Ihrer Wohnsitzgemeinde oder einer von dieser genannten Stelle.

Kann ich mein bestehendes Testament abändern?

Auf jeden Fall. Sie können Ihr handschriftlich verfasstes Testament jederzeit ergänzen. Tun Sie dies über einen Nachtrag und datieren Sie diesen zusammen mit Ihrer Unterschrift. Auch können Sie Ihr bestehendes Testament durch ein neues ersetzen. Nennen Sie dabei explizit die Aufhebung aller bisherigen Testamente.

Schweizerischer Notarenverband
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3074 Muri/Bern
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