Bestattung

Bestattung, Beerdigung, Abdankung: Das sollten Sie darüber wissen

Die Bestattung mit Trauerfeier gehört neben der Feier nach der Geburt eines Kindes oder einer Hochzeit wohl zu den wichtigsten Zeremonien unserer Kultur. Anders als bei Freudenfesten dient das Ritual der Bestattung der Trauerbewältigung. Aus diesem Grund sollte jede Bestattung bewusst und sorgsam vorbereitet sowie zelebriert werden.

Früher ausschliesslich in den Händen der Kirche, werden alle Schweizer Friedhöfe seit knapp 150 Jahren durch die Gemeinden verwaltet. Dabei erlebte die Bestattungskultur einen Wandel. Heute befindet sich das Bestattungswesen hauptsächlich in öffentlicher aber auch in privater Hand.

Eine Bestattung unterscheidet sich von Kultur zu Kultur: Bei uns wird die verstorbene Person nach amtlicher Feststellung des Todes immer in einen Sarg gebettet und meist aufgebahrt – dies in einer Aufbahrungshalle der Gemeinde, teilweise in Kirchen oder zu Hause. Nach der persönlichen Verabschiedung folgt die Kremation, Beisetzung oder Verstreuung der Asche. Die weltliche oder kirchliche Abschiedsfeier erfolgt dabei vor, während oder nach der Beisetzung. Danach laden die Hinterbliebenen häufig ein zu einem gemeinsamen Essen. Das hilft dem gemeinsamen Gedenken an die verstorbene Person und erleichtert das Abschiednehmen. Die dabei oft entstehende frohe Stimmung, verhilft den Trauernden, positiv in die Zukunft zu schauen.

Neben den kulturellen Bestattungsunterschieden, erfuhr die hiesige Bestattungskultur einen Wandel: Früher war der Pfarrer die erste Anlaufstelle im Trauerfall. Heute sind es die kommunalen oder privaten Bestattungsunternehmen. Abschiedsrituale werden je länger je mehr individuell gestaltet und in Eigenverantwortung durch die Angehörigen organisiert. Vor allem Personen, die zwar einer Konfession angehören, diese aber in der Praxis nicht leben, empfinden religiöse Rituale oft unpassend.

Auch auf der Ebene der verschiedenen Grabformen stehen heute vielfältigste Optionen zur Verfügung: Traditionelle Reihengräber, Familiengräber, verschiedenste Urnengräber, Baumgräber oder die Ascheverstreuung sind nur einige Beispiele.

Die Herausforderung besteht nun in der Wahl und Gestaltung der individuell passenden Abschiedsform. Neben der Wahl des Grabes sollten Angehörige, oder allenfalls Leute die ihren Abschied von dieser Welt zu Lebzeiten planen, Folgendes bedenken: Es gilt einen Redner, eine Rednerin oder einen Pfarrer, eine Pfarrerin zu kontaktieren, einen passenden Sarg und/oder eine passende Urne auszuwählen sowie allfällige Musiker und das Abschiedsessen zu organisieren. Dass bei der Trauerfeier ein gewisses Budget die Obergrenze bildet, versteht sich von selbst.

Das Bestattungswesen ist in der Schweiz kommunal organisiert. Das bedeutet, dass jede Gemeinde die Rollenverteilung zwischen Gemeindebehörden, Privatwirtschaft und Betroffenen unterschiedlich definiert. Die Stadt Zürich etwa betreibt ihr eigenes Bestattungsunternehmen. Basel, Winterthur und St. Gallen betreiben entweder ein eigenes Bestattungsunternehmen oder aber beauftragen einen ausgewählten privaten Bestatter. In Bern hingegen sorgen sich gut ein Dutzend private Bestattungsunternehmen um die Betreuung der Verstorbenen und deren Angehörigen.

Lag der Anteil der Feuerbestattungen vor 50 Jahren noch unter 20 Prozent, so lassen sich heute mit 85 Prozent die meisten Schweizerinnen, Schweizer kremieren. Dies, obschon sowohl im Christentum, im Judentum und im Islam eigentlich die Erdbestattung die traditionelle Bestattungsform darstellt. Neben der traditionellen Erdbestattung und der Aschebeisetzung, gewinnen alternative Bestattungsformen an Bedeutung: 5 bis 15 Prozent der Verstorbenen wünschen sich, dass die Angehörigen ihre Asche verstreuen. Wer möchte, kann sich aus der Asche gar einen Erinnerungsdiamanten herstellen.

Bei der Wahl der Grabform dominiert das Gemeinschaftsgrab. Die Hälfte der Verstorbenen finden nach der Feuerbestattung ihre letzte Ruhe unter ihresgleichen. Dabei zeugt die Wahl des Gemeinschaftsgrabes keineswegs von Einsamkeit: Meist sind sinnliche, weltanschauliche oder praktische Überlegungen ausschlaggebend für die Wahl. Obschon Gemeinschaftsgrab, Baumgräber oder Ascheverstreuung von Jahr zu Jahr populärer werden, lässt sich immer noch jede fünfte verstorbene Person in einem Reihen-Erdgrab beisetzten.

Mit der Zunahme der Kremationen und den verschiedenen alternativen Bestattungsformen, verloren die Grabsteine etwas an Bedeutung. Heute dürfen, je nach Friedhofsreglement, auch Skulpturen aus anderen Materialien an unsere Liebsten erinnern.

Wird für die Bestattung eine Kirche und ein Pfarrer benötigt?

Nein, die Friedhöfe werden durch die Wohngemeinden gehalten. Bestattungsunternehmen sind öffentlich-rechtlich oder privat organisiert. Auch stehen nicht geweihte Feierräumlichkeiten zur Verfügung. Eine würdige Gestaltung der Abschiedsfeier können Angehörige gestalten, freie Theologen, Theologinnen oder Redner, Rednerinnen.

Kann eine verstorbene Person zu Hause aufgebahrt werden?

Ja, bis drei Tage ist das möglich. Bei längerer Aufbahrung wird die Kühlung empfohlen. Bei den meisten Bestattungs- und Friedhofsämtern kann ein mobiles Kühlgerät mit Einwegplatten gemietet werden.

Verbietet die katholische Kirche die Kremation?

Nein. Seit dem 5. Juli 1963 anerkennt die römisch-katholische Kirche die Feuerbestattung, ohne ihren grundsätzlichen Standpunkt aufzugeben, wonach die Erdbestattung Vorrang habe.

Kann ich mir als konfessionslose Person eine kirchliche Abschiedsfeier wünschen?

Wer aus einer Kirche austritt, verzichtet eigentlich auf die Dienstleistungen der Kirche. Also auf kirchliche Feiern, die kirchliche Seelsorge und allenfalls auf die Benutzung der kirchlichen Räume. In der Regel übernimmt die Kirche diese Dienstleistungen trotzdem – manchmal wird aber eine Gebühr erhoben.

Darf ein Kind, das nicht getauft ist, auf einem Friedhof beerdigt werden?

Selbstverständlich. Früher waren die Friedhöfe um die Kirchen angelegt und gehörten zu dieser Kirche. Im Kirchhof wurde nur beerdigt, wer zu dieser Kirche gehörte. Seit der Bundesverfassung von 1874 sind die Friedhöfe an den Staat übergegangen. Zudem erhielt jeder Mensch das Recht auf eine schickliche Bestattung. Das bedeutet, dass alle Menschen, das Recht auf ein Grab in einem Friedhof haben. Übrigens sind Friedhofskapellen keine geweihten Kirchen. Es sind Räume, die der Staat für den feierlichen Abschied zur Verfügung stellt. Sie dürfen von allen Hinterbliebenen genutzt werden.

Können Verstorbene in privaten Kleidern bestattet werden

Sicher. Die Bestattung in persönlichen Kleidern ist kein Problem. Schliesslich sollen sich die Trauernden so von der verstorbenen Person verabschieden können, wie sie sie gekannt haben.

Darf man einen Sarg bemalen?

Ja, das ist möglich. Der Sarg oder auch nur der Sargdeckel kann bemalt werden. Standardsärge eignen sich meist gut dafür. Sarghersteller bieten Holzsärge mit individuellen Sujets an (Blumen, Städtepanorama, Sport- und Hobby-Symbole etc.). Eine der bekanntesten Sarg-Designerinnen in der Schweiz ist Alice Hofer in Thun BE.

Schweiz. Verband der Bestattungsdienste SVB
Geschäftsstelle
3000 Bern

Tel. 031  333 02 33

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