Im Zürcher Restaurant Birchegg hat Michele Casale bereits über 1000 Traueressen ausgerichtet. Er bietet Trauergesellschaften verschiedene «Leidmahlteller» für CHF 30 an. (Foto: Bruno Torricelli)
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Beim Traueressen dürfen die Gäste lachen und weinen

Traueressen sollen gesellig sein. Es tut gut, wenn die Hinterbliebenen Anekdoten erzählen können und auch erkennen, dass der Tod zum Leben gehört.

Artikel verfasst von Martin Schuppli, Autor am
16. Dezember 2016

«Ich habe im Birchegg bestimmt schon über 1000 Traueressen ausgerichtet», sagt Michele Casale, 69. Sein Restaurant liegt nahe des Zürcher Friedhofs Nordheim und gehört aus den verschiedensten Gründen zu den Zürcher In-Lokalen.

Seit 46 Jahren wirtet der 1962 eingewanderte Süditaliener im «Birchegg» nahe des Bucheggplatzes und unweit des Zürcher Radiostudios. Bei Michele geht ein und aus, wer gerne italienisch isst und die «fröhlich-rabiate» Art des Wirtes mag. Im Birchegg gibts weder Speisekarte noch Preisliste. Die Gäste essen, was Michele vorschlägt.

Traueressen meist am Nachmittag

Das gilt auch für die Leidmahle, Traueressen. Hier bietet Michele seinen Gästen drei verschiedene «Zvieriteller» an. «Meistens finden diese Essen in der Nachmittagspause statt. Zwischen 15 und 17 Uhr. Dann öffne ich das Restaurant natürlich. Habe also genügend Platz.»

Anfänglich war der italienische Wirt erstaunt, dass in der Schweiz, eine Trauergesellschaft nach der Bestattung isst und trinkt. Dass die Leute lachen, sich fröhlich unterhalten und das eine oder andere Glas Wein die Zungen lockert.

«Das ist in Süditalien nicht üblich», sagt Michele Casale. «Aber ich merkte schnell, dass so ein gemeinsames Zusammensitzen nach der Beerdigung gut tut. Es bringt Familien zusammen. Es vereint Menschen, die sich vielleicht lange nicht mehr gesehen haben. Zudem ist es doch schön, wenn alle noch einmal über den Verstorbenen reden können, sich Geschichten aus seinem Leben erzählen.»

«Für mich ist der Tod Erlösung oder Pech»

Natürlich findet es Michele Casale traurig, wenn jungen Menschen sterben oder wenn jemand verunfallt, also plötzlich gehen musste. «Manchmal ist der Tod eine Erlösung», sagt der Wirt. «Und manchmal einfach Pech.»

Leidmahl. Michele Casale und DeinAdieu-Autor Martin Schuppli

Michele Casale zeigt DeinAdieu-Autor Martin Schuppli Bilder von Promminenten, die bei ihm im Restaurant Birchegg tafelten. (Foto: Bruno Torricelli)

Das Trauermahl, auch Leichenschmaus, Leidmahl, Traueressen, Leichenmahl oder Totenmahl genannt, sei ein weltweit vorkommender Brauch und bereits in vorgeschichtlicher Zeit bekannt gewesen, lesen Interessierte im Internet. Es gehöre weltweit zu den am weitest verbreiteten Begräbnis-Ritualen.

Weiter heisst es bei Wikipedia: In Teilen des deutschsprachigen Raumes signalisiere der Leichenschmaus den Hinterbliebenen, dass das Leben weitergehe und der Tod nur eine Station des irdischen Lebens darstelle.

 

Nach Paul Bühlmanns Beerdigung, spielte eine Big Band

Natürlich hat Michele Casale schon die unterschiedlichsten Stimmungen an Leidmahlen erlebt. «Ich spende Trost, wenn Leute weinen, traurig sind, und ich bin fröhlich mit ihnen, wenn sie lachen, Musik machen.»

Eindrückliche Abschiede hat der Wirt einige erlebt. Die grösste Fete stieg im Juli 2000. Da spielte eine Big Band im Garten der Birchegg und Hunderte von Leuten verabschiedeten sich mit einem Fest vom Volksschauspieler Paul Bühlmann. «Madonna, das war eine Grande Fiesta.»

Text: Martin Schuppli | Foto: Bruno Torricelli

Das enthält der Birchegg-Leidmahlteller für CHF 30: U.a. ein Hacktätschli, Frittata, Melonen, Rohschinken, Tomatensalat, Roastbeef sowie ein Dessert. (Foto: Bruno Torricelli)

Das enthält der Birchegg-Leidmahlteller für CHF 30:
U.a. ein Hacktätschli, Frittata, Melonen, Rohschinken, Tomatensalat, Roastbeef sowie ein Dessert. (Foto: Bruno Torricelli)

 

Restaurant Birchegg
Michele Casale
Wehntalerstrasse 119 | 8057 Zürich

Tel. 044 361 05 22 | www.birchegg.ch

Sonntag geschlossen

So berichtete Tele-Züri über Michele Casale => LINK

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